Schwerstmehrfachbehinderte fliegen von Memmingen nach Teneriffa

Mit dem Rolli auf große Reise

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Vor dem Start: schwerstmehrfachbehinderte Menschen und ihre Begleiter am Flughafen.

Memmingerberg - „An einem anderen Flughafen hätten wir das nicht gewagt“, sagt Andrea Anger, die mit einer ungewöhnlichen Reisegruppe von Memmingen nach Teneriffa geflogen ist. Denn an Bord der Ryanair-Maschine waren zehn schwerstmehrfachbehinderte Menschen, davon sechs in Rollstühlen, und ihre zehn Begleiter.

Diese Reise steht unter dem Motto ‚geht nicht, gibt’s nicht‘“, erklärte die stellvertretende Leiterin der Hausgemeinschaft Memmingen der Körperbehinderte Allgäu gGmbH, die den einwöchigen Aufenthalt für ihre Bewohner in einem auf behinderte Menschen spezialisierten Hotel auf der Kanaren-Insel organisiert hat. 

„Mehrere Teilnehmer fliegen zum ersten Mal in ihrem Leben“, berichtete sie vor dem Start, „einige waren noch nie am Meer.“ Folgerichtig herrschte in den Wochen vor der Reise, die auch für die Begleiter in dieser Form eine Premiere war, große Vorfreude. „Für uns Betreuer ist es eine logistische Herausforderung“, berichtete Andrea Anger, denn neben den Rollstühlen galt es noch zahlreiches Gepäck sowie Medikamente mitzunehmen. 

Insbesondere wegen der Nähe und der kurzen Wege des Flughafens Memmingen habe man sich zu diesem Wagnis entschlossen. Bei der Buchung über ein Reisebüro sei in Sachen Fliegen alles bestens organisiert worden. Auch Vorgespräche mit Mitarbeitern des Flughafens seien sehr hilfreich gewesen. „Es freut uns sehr, wenn wir mithelfen können, Menschen mit einer schweren Behinderung eine schöne Urlaubswoche zu ermöglichen“, betont Ralf Schmid, Geschäftsführer des Flughafens Memmingen. „Besondere Gäste erfordern eben einen besonderen Service.“ Passagiere mit eingeschränkter Mobilität könnten daher am Flughafen Memmingen einfach und bequem ihre Reise starten. Auf der Airport-Website gibt es dazu eine Übersicht über Serviceeinrichtungen und wichtige Informationen. 

Die Flughafen Memmingen GmbH arbeite laut Schmid stetig daran, gerade Fluggästen mit Beeinträchtigungen einen zuverlässigen und qualitativ hochwertigen Service bieten zu können. So wurden diverse bauliche und organisatorische Maßnahmen getroffen, um körperlich beeinträchtigten Personen einen barrierefreien Zugang in alle Bereiche des Terminals zu ermöglichen und diese auch personell zu unterstützen. Für Menschen, die eine besondere Hilfestellung benötigen, halten auch die Fluggesellschaften umfangreiche Informationen bereit. Detailfragen müssen im Vorfeld der Reise mit der Airline geklärt werden. 

Die Körperbehinderte Allgäu gGmbH, eine Organisation mit jahrzehntelanger Erfahrung auf dem Gebiet der Unterstützung und Begleitung von Menschen mit einer Körperbehinderung, Mehrfachbehinderung oder chronischen Erkrankung im Allgäu, betreibt unter anderem zehn Wohngruppen für erwachsene Menschen Sie steht unter dem Dach des seit 1958 tätigen gemeinnützigen Vereins für Körperbehinderte Allgäu e.V., der momentan rund 400 Mitglieder zählt. (MK)

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