„Wollen Memmingen nach vorne bringen“

SPD/FDP-Fraktion stellt Zukunftsideen vor

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Sichtlich gut gelaunt erläuterten Bezirksrätin Petra Beer, Fraktionschef Matthias Ressler und der Ortsvorsitzende David Yeow das Zukunftskonzept der Memminger SPD.

Memmingen - Es sei Aufgabe einer jeden Partei, ab und an in sich zu gehen und in die Zukunft zu blicken, begann der SPD/FDP-Fraktionsvorsitzende Matthias Ressler die Pressekonferenz im Café Brommler. Aus diesem Grund habe man sich Anfang des Jahres zu einer Klausurtagung ins Kloster Irrsee zurückgezogen und stelle die Ergebnisse nun der Öffentlichkeit in Form eines Programms vor.

Gerade beim Thema Wirtschaft habe die Stadt mit dem Rückzug von IKEA einen herben Schlag hinnehmen müssen und auch, was das Thema Hochschule angeht, werde man vom Freistaat seit Jahrzehnten ignoriert. Trotzdem müsse man für die Zukunft gewappnet sein. Memmingen hat einen interessanten Gewerbesteuersatz, weiß Susanne Friedrich-Scheuerl vom erweiterten Ortsvorstand und ergänzt, dies garantiere nachhaltige Arbeitsplätze in Memmingen und eine hohe Einkommensteuer. Gerade mit seiner Lage am Autobahnkreuz sei die Stadt eine Logistikachse und deshalb müsse man das Gelände von IKEA unbedingt zurückkaufen. Auch Friedrich-Scheuerl plädierte für eine Hochschule, die hochqualifiziertes Gewerbe anziehe. Die SPD will den Einzelhandel unterstützen, der sehr stark unter dem Onlinehandel zu leiden hat. Als positives Beispiel nannte Friederich-Scheuerl Andy´s Hobbyshop in der Lindauer Straße, der einen Großteil seines Umsatzes online mache, trotzdem aber ein schönes Ladengeschäft in Memmingen habe.

Wohnen

Als das zentrale Thema in Memmingen bezeichnete Bezirksrätin Petra Beer die Wohnungssituation. Gerade durch die Elektrifizierung der Bahnstrecke rücke man näher an München heran, was den Preisdruck noch erhöhe. Beer plädierte dafür, alle Fördermöglichkeiten auszuschöpfen und bei Neubaugebieten mindestens ein Drittel für sozialen Wohnungsbau zu verwenden, der zeitlich nicht begrenzt ist. Auch Leerstände zu erfassen oder Baulücken zu füllen könne laut Beer eine Lösung sein. Man müsse sich nur ansehen, wie viele Wohnungen über Geschäften in der Innenstadt leer stehen.

Verkehr

Beim Thema Verkehr regte Rolf Spitz an, den inneren Ring vom äußeren Ring im Bereich Schanzmeister zu lösen. Schon vor 25 Jahren habe es Überlegungen gegeben, den äußeren Ring über den Schweizer Ring/Tiroler Ring zu führen. Ein Problem sei die Unterführung durch den Güterbahnhof, die man damals als für zu teuer erachtet habe. Beim Weinmarkt sei die SPD/FDP gegen eine Schließung für den Verkehr, allerdings müsse dieser Bereich entlastet werden. Das könne man durch eine Verengung des Schweizerbergs erreichen.

Umwelt

Fabian Nieder will ein neues Energiekonzept mit einem höheren Anteil an regenerativen Energien für die Stadt. Solarenergie und Wasserkraft müssten mehr in den Fokus geraten. Auch eine weitere Renaturierung der Iller mit besserem Zugang zum Wasser hält Nieder für wichtig. Um die Aufenthaltsqualität Memmingens zu steigern müsse auch der Grüngürtel in der Stadt optimiert werden.

Tourismus

Beim Thema Tourismus attestierte Stefan Porkert der Maustadt ein großes Potential, das jedoch noch nicht richtig ausgeschöpft sei. 183.000 Übernachtungen zählte das Bundesamt für Statistik im Jahr 2017, aber die meisten dieser Besucher reisen weiter ins Allgäu. Hier brauche man ein besseres Tourismuskonzept mit mehr Hotelbetten. Obwohl Memmingen eine Fahrradstadt ist, gebe es beispielsweise kein Fahrradhotel wie in Kempten und auch die Grünflächen müssten touristisch ausgebaut werden.

Bildung

Baden-Württemberg zeige, dass Kapazitäten für eine Hochschule da sind, weiß der Leiter der Reichshainschule, Willi Seitz. Auch beim Thema Digitalisierung von Schulen sei in Memmingen bisher wenig gemacht worden. Dem gelte es gegen zu steuern und den Schulen die entsprechenden Finanzmittel seitens der Stadt zur Verfügung zu stellen. Bürgernähe Der Ortsvorsitzende David Yeow forderte mehr Transparenz im Stadtrat. Termine und Inhalte müssten besser bekannt gemacht werden. Dafür brauche man ein entsprechendes digitales Informationssystem und auch die sozialen Netzwerke sollten von der Stadt besser genutzt werden. Yeow kann sich auch vorstellen, Sitzungen live im Internet zu streamen. Bürgerinnen und Bürger könnten dann barrierefrei daran teilnehmen. Da viele Menschen mit Smartphones unterwegs sind, müsse die Stadt auch eine eigene App dafür herausgeben.

Kultur

Man habe zwar ein großes Kulturangebot in Memmingen, aber es fehle noch an der Vernetzung der Kulturschaffenden untereinander, moniert Matthias Ressler. Auch das Kulturamt müsse verstärkt als Veranstalter auftreten. Es gebe zwar die Memminger Meile, diese sei aber nicht überregional vermarktet, was sie durchaus verdient habe. Ressler sieht auch Nachholbedarf beim Stadtmuseum, das nicht barrierefrei und auch nicht gut ausgestattet sei. Wegen der vielen bürokratischen Hürden bei Kulturveranstaltungen wünscht sich der Fraktionsvorsitzende einen sogenannten Kulturlotsen, der sich auch gut im Förderrecht auskennt, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen.

Jugend und Familie

Ohne Jugend keine Zukunft erläuterte Ivo Holzinger jun. und wies auf den steigenden Bedarf an Kindertagesplätzen hin, dem die Stadt Rechnung zu tragen habe. Man müsse Memmingen fit für Familien machen und dazu gehöre auch ein Gesamtkonzept, was die Spielplätze betrifft. Holzinger plädierte dafür, die sozialen Netzwerke stärker zu benutzen, sonst erreiche man die Jugend heutzutage nicht mehr. Ein weiteres wichtiges Thema für Familien sei der ÖPNV, denn viele Familien können sich nur ein Auto leisten und haben deshalb Probleme in die Stadt zu kommen, so Holzinger. In Memmingen leben 112 verschiedene Nationen, berichtet Hildegard Richter und deshalb müssten die Möglichkeiten, Deutsch zu lernen, verbessert werden. Dies sollte bereits im Kindergarten anfangen, denn eine gute Sprachentwicklung helfe den Kindern auch im späteren Schulleben.

Stadtteile

Ein wichtiger Punkt für die Einbindung der Stadtteile sei der ÖPNV, führte Petra Beer aus. Die Bewohner dort möchten auch am Stadtleben teilhaben, was wegen der schlechten Busverbindungen nicht immer möglich sei. Beer sprach sich auch für eine Verbesserung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Bereich aus. Das gesamte Zukunftsprogramm der Memminger SPD findet man unterwww.spd-mm.net.(ew)

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