Staatsminister a.D. Josef Miller beim Seniorentreff in Kirchdorf

Lebensqualität bis ins hohe Alter

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Staatsminister a.D. Josef Miller spricht beim Seniorentreff in Kirchdorf.

Kirchdorf a.d. Iller - Der ehemalige bayerische Landwirtschaftsminister, Josef Miller, sprach auf Einladung des Seniorentreffs im vollbesetzten Pfarrsaal in Kirchdorf zum Thema „Veränderungen der Lebensqualität auf dem Dorf“. Miller erläuterte, dass sich die Lebensumstände aktuell stärker verändert hätten als in vielen Generationen davor – sowohl zum Besseren als auch zum Schlechteren.

„Die Lebensbedingungen älterer Menschen waren früher sicher schlechter“, sagte Miller. Von Ernährung, Wohnen und ärztlicher Versorgung bis hin zum Schutz vor Verbrechen, obwohl dies heute in der Öffentlichkeit anders dargestellt und auch anders wahrgenommen werde. „Es war nicht alles gut in der sogenannten guten alten Zeit“, so der Referent.

Heute hingegen bestehe die Gefahr, dass ältere Mitbürgerinnen und -bürger in unserer Leistungsgesellschaft von einer Abnahme des Selbstwertgefühls, von Vereinsamung und Isolation betroffen seien. Im Schnitt lebten gerade noch drei Prozent der Eltern im selben Haus mit ihren Kindern zusammen. Die oft notwendige berufliche Mobilität trage dazu bei, dass Söhne und Töchter mit ihren eigenen Kindern häufig weit entfernt wohnten.

Maßnahmen gegen die Entfremdung

Die Entfremdung und Anonymisierung, gerade bei Senioren, könne jedoch durch einfache, aber zielorientierte Maßnahmen verringert werden, ohne dass dafür viel Geld erforderlich wäre, wie durch die aktive Förderung der zwischenmenschlichen Kontakte unter den Dorfbewohnern – wenn die Menschen es nur wollten. Für Josef Miller ist der Seniorentreff in Kirchdorf „ein gelungenes Beispiel dafür“.

Die ursprüngliche Idee dazu hatte der ehemalige Pfarrer Kurz, aufrechterhalten und verwirklicht wurde sie aber seit nunmehr über 20 Jahren von der Organisatorin, Marie-Luise Schneider, gemeinsam in einem Team von neun Frauen aus dem Dorf. Sie veranstalten unter anderem jeden Monat einen Seniorentreff mit selbstgebackenen Kuchen für die älteren Kirchdorfer ab einem Alter von 65 Jahren.

Der Seniorentreff intensiviert die Begegnung mit Bekannten und schafft zusätzlich die Möglichkeit, neue Bekanntschaften zu schließen. So können ältere Menschen Freud und Leid miteinander teilen. Optimismus steht anstelle von Pessimismus. Ein lächelndes Gesicht und ein Wort des Dankes motivieren die Helferinnen bei ihrer wichtigen Arbeit.

Vielfältiges Programm

Das lebhafte Interesse am täglichen Geschehen wird für die Seniorinnen und Senioren durch Vorträge über Gehirntraining, Ernährung und Erhalt der Gesundheit im Alter, Schutz vor Einbrüchen und Informationen über Neues in der Gemeinde gefördert. Ein gemeinsamens Mahl verbindet und so wird einmal im Monat in der Gaststätte „Stern“ zu einem gemeinsamen preiswerten Mittagessen geladen. Verschiedene Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten der Umgebung runden das Programm ab. Eingeladen werden dazu immer alle Gemeindemitglieder ab 65 Jahren, ohne Ansehen von Herkunft und Konfession. Für Gehbehinderte stehe ein kostenloser Abholservice bereit, erklärte Marie-Luise Schneider.

Josef Miller sieht im Beispiel Seniorentreff eine große Chance, den älteren Menschen in der Gemeinschaft auf dem Dorf eine überzeugende Lebensqualität bis ins hohe Alter zu bieten. Dazu bedürfe es aber auch im Ort zusätzlicher Einrichtungen wie Tagespflege und betreutes Wohnen, für deren Schaffung sich Miller aussprach. (jw)

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