Tipps des ADFC zum Radeln mit Abc-Schützen

Perspektivwechsel ist gefragt

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Kinder sind immer noch Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse, wenn man sich die Radwege in vielen Städten anschaut kritisiert der ADFC.

Bayern - Am Dienstag hat die Schule in Bayern wieder angefangen. Auch rund 100.000 Erstklässler kommen in Bayern pro Schuljahr hinzu, die dann häufig nach einer Eingewöhnungsphase gemeinsam mit Mama oder Papa den Schulweg per Rad antreten.

Die Infrastruktur für junge Radfahrerinnen und Radfahrer in Bayern ist noch immer alles andere als kindergerecht. „Kinder sind immer noch Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse, wenn man sich die Radwege in vielen Städten anschaut“, kommentiert Petra Husemann-Roew, Landesgeschäftsführerin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Bayern. Der kürzeste Radweg zur Schule ist nicht zwingend der sicherste. Eltern sollten einen möglichst verkehrsarmen Schulweg mit wenigen Kreuzungen, Einfahrten und Überquerungen aussuchen und diesen mit ihren Kindern üben. 

Viele Schulen haben mit Unterstützung des ADFC Schulwegepläne entwickelt – in denen die sichersten Wege eingezeichnet sind. Eltern können gezielt nachfragen, ob es Schulwegepläne gibt oder diese anregen. Nur weil ein Kind Radfahren kann, heißt das nicht, dass es schon das Bewusstsein für die verschiedenen Verkehrssituationen hat. Erst ab dem achten Lebensjahr sind Kinder in der Lage, Gefahren im Verkehr richtig einzuschätzen. Sie neigen zum Tunnelblick, sie vergessen rechts und links zu schauen. Auch Geschwindigkeiten und Abstände können sie noch nicht richtig einschätzen. Erst ab neun Jahren sind junge Radlerinnen und Radler in der Lage, die Richtung eines Geräusches korrekt wahrzunehmen. 

Kinder unter zehn Jahren haben zudem eine deutlich längere Reaktionszeit – erst mit 15 Jahren ist diese gleich kurz wie bei einem Erwachsenen. Kinder sind sicherer im Straßenverkehr unterwegs, wenn sie die Grundfunktionen ihres Fahrrads verstehen und sich mit dem Zubehör auskennen. „Nehmen Sie sich Zeit, Ihrem Kind die wichtigen Zusammenhänge zu erklären. Wenn Sie sich selbst nicht auskennen mit Fahrrädern, dann schauen Sie sich zum Beispiel die Fahrradseite der Sendung mit der Maus an“, rät Husemann-Roew. 

Die absoluten Basics für ein verkehrssicheres Fahrrad sind einwandfreie und leicht reagierende Bremsen, eine laute Klingel und ein passender Helm. Das Fahrrad des Kindes ist so eingestellt, dass es jederzeit bequem mit beiden Füßen auf den Boden kommt. Die Beleuchtung vorne und hinten funktioniert und ist idealerweise frei von Schmutz und Schlamm – Reflektoren an den Speichen sorgen dafür, dass die kleinen Radfahrer*innen auch von der Seite gesehen werden. Nicht vergessen, Eltern sind Vorbilder und sollten deshalb beim gemeinsamen Fahren einen Helm tragen. 

Gerade im Herbst passieren viele Unfälle mit Kindern, die sich jedoch mit der richtigen Ausstattung vermeiden lassen. Untersuchungen zeigen: bei dunkler Fahrradkleidung nehmen PKW-Fahrer Radfahrende frühestens aus einer Entfernung von 25 Metern wahr, bei heller Kleidung dagegen schon aus 40 Metern. Tragen Kinder zusätzlich reflektierende Sicherheitswesten oder Reflektoren an Helm und Kleidung, dann erhöht sich die Sichtbarkeit um ein Vielfaches. Erhöhte Sichtbarkeit bieten auch Fahrradwimpel, deren Stangen teilweise sogar mit LEDs ausgestattet sind. 

Bis zum achten Geburtstag müssen Kinder auf dem Gehweg fahren, seit 2016 dürfen sie auch baulich getrennte Radwege benutzen. Radfahrstreifen oder Schutzstreifen sind für die kleinen Radfahrerinnen und Radfahrer tabu. Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr dürfen den Gehweg benutzen, können aber auch auf dem Radweg bzw. auf der Fahrbahn fahren. Auf Gehwegen dürfen sie durch eine mindestens 16 Jahre alte Aufsichtsperson auf dem Fahrrad begleitet werden. 

Kinder haben von Haus aus noch ungebremste Freude an Bewegung und können sich mit dem Fahrrad ein erstes Stück Freiheit und Unabhängigkeit erradeIn. Damit diese Begeisterung erhalten bleibt, sind in erster Linie die Eltern gefordert, ihren Kindern verkehrsgerechtes Verhalten beizubringen. Dazu gehört zum Beispiel, dass Kinder auf dem Gehweg absteigen und ihr Rad schieben müssen, wenn sie an eine Einmündung kommen und die Straße überqueren wollen. „Um Routine im Straßenverkehr zu gewinnen, sollten Eltern regelmäßig mit ihren Kindern im Alltag mit dem Rad unterwegs sein und sie so Schritt für Schritt und altersgerecht an das Radfahren heranführen. Dann ist das Kind bei der Fahrradprüfung schon ein kleiner „Radprofi“, der dann auch ohne Elternbegleitung gut zurechtkommt“, erklärt Petra Husemann-Roew. 

Die Fahrradprüfung findet in der vierten Klasse statt. Manche Schulen raten davon ab, dass Schüler vor bestandener Fahrradprüfung mit dem Rad zur Schule kommen. Ist die Umgebung der Schule verkehrstechnisch gefährlich, sollte man diesen Rat ernstnehmen. Entsteht die gefährliche Schulumgebung durch Elterntaxis, sollten Eltern gemeinsam mit der Schule und/oder dem lokalen ADFC nach Alternativen suchen. (MK)

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