Einer lenkt ab, der andere greift zu

In Kassen gegriffen: Urteil am Landgericht Memmingen wegen schweren Bandendiebstahls

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Memmingen – 61 Geschäfte und rund 41.000 Euro Beute: Von Tschechien aus sind drei Männer in Deutschland immer wieder auf Diebestour gegangen – unterstützt wurden sie dabei von der Frau und der Tochter des Haupttäters. Am Memminger Landgericht wurden die fünf dafür nun verurteilt.

Laut Staatsanwaltschaft liefen die Diebstähle folgendermaßen ab: Die Männer waren immer zu zweit unterwegs und suchten sich gezielt kleinere Geschäfte, die keine nennenswerte Sicherheitstechnik installiert hatten. Einer lenkte das Verkaufspersonal ab, während der andere in die Kasse griff. Auch in Memmingen, Thannhausen und Marktoberdorf haben die Männer Geschäfte bestohlen. Die beiden Frauen kümmerten sich derweil um die Organisation von Unterkünften und Mietwagen.

Die Prozessbeteiligten hatten sich am zweiten Verhandlungstag bereits auf einen von der Kammer vorgeschlagenen Strafrahmen geeinigt – unter der Bedingung, dass die Angeklagten ein vollumfängliches und nachprüfbares Geständnis ablegen. Das verkürzte den trotzdem noch umfangreichen und langwierigen Prozess deutlich, mussten so doch weit weniger Zeugen befragt werden.

Am besten kam die 24-jährige Tochter des Haupttäters davon. Bei ihr blieb die Strafkammer sogar unterhalb des abgesprochenen Strafrahmens: Statt ein bis eineinhalb Jahre auf Bewährung bekam sie eine Strafe von nur zehn Monaten auf Bewährung. Ihre 46-jährige Mutter wurde zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt.

Härter traf es den Vater: Als Kopf der Bande, der in allen Fällen selbst in die Kasse gegriffen hatte und entschied, wer ihn in Deutschland als Ablenker begleiten sollte, bekam er die höchste Strafe der fünf Angeklagten. Mit fünfeinhalb Jahren Haft ging die Kammer bei ihm an den obersten Rand des zuvor vereinbarten Strafrahmens.

Der 48-Jährige kann auf ein umfangreiches und einschlägiges Vorstrafenregister zurückblicken: Im deutschen Bundeszentralregister finden sich vier Einträge, unter anderem wegen schweren Bandendiebstahls. Auch damals war er wohl schon mit einer sehr ähnlichen Masche unterwegs. Im tschechischen Strafregister sind ganze 15 Vorstrafen notiert, größtenteils ebenfalls Diebstahldelikte. Außerdem gibt es Urteile den 48-Jährigen betreffend aus Italien, Frankreich, Finnland und Dänemark. Entsprechend viel Zeit nahm in diesem Prozess die obligatorische Verlesung der Vorstrafenregister ein. Ebenfalls verlesen wurden die Protokolle der Telefonüberwachung. Die Polizei hatte mehrere Gespräche des 48-jährigen Angeklagten abgehört, in denen er sich mit seiner Frau und seiner Tochter über die Diebstähle unterhielt und darüber, wo genau in Deutschland er und sein Komplize als nächstes eine Unterkunft brauchten.

Ebenfalls Teil des Urteils: Der 48-Jährige muss einen Drogenentzug machen. Der zuständige medizinische Gutachter sieht einen Zusammenhang zwischen den Diebstählen und der jahrelangen Drogenabhängigkeit des Angeklagten – die Taten seien seiner Einschätzung nach als symptomatisch anzusehen. Ohne die Behandlung in einer Entzugsklinik sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Mann nach Absitzen der Haft weitere Straftaten begehen würde.

Ein 24-Jähriger aus Tschechien, der bei den meisten Fällen als Ablenker mit dabei war, wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Ein 37-Jähriger aus Estland kam mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten davon – er war nur an vier Diebstählen als Komplize beteiligt. (am)

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