Haftstrafe für den Angeklagten

Vergewaltigung: Urteil am Landgericht Memmingen

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Am Memminger Landgericht wurde ein 23-Jähriger wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung verurteilt.

Memmingen – Sechs Jahre und drei Monate: So lange muss ein 23-jähriger Gambier wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung in Haft. Im Juli 2018 hatte er sich in Memmingerberg an einer jungen Frau vergangen.

Die heute 22-jährige Flugbegleiterin war an diesem Tag gegen fünf Uhr morgens mit dem Fahrrad auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle am Flughafen. Der Angeklagte, der ebenfalls mit dem Rad unterwegs war, überholte die junge Frau, hielt sie auf und vergewaltigte sie.

Schon am Tag vor dieser Tat war der Mann in Memmingerberg auffällig geworden. Eine Anwohnerin hatte berichtet, wie der 23-Jährige in ihren Garten gelaufen kam und gestikulierend auf ihre Tochter zulief. Die Frau hatte sich daraufhin aus Angst mit ihren Kindern im Haus verbarrikadiert, der Mann hat laut ihrer Aussage daraufhin schreiend an die Terrassentür getrommelt. Bevor die Polizei eintreffen konnte, war er aber schon wieder verschwunden.

Auf einem anderen Grundstück im Ort beschädigte der Angeklagte laut Zeugenaussagen ein im Hof geparktes Auto. Als ihn das Ehepaar, dem der Wagen gehörte, zur Rede stellen wollte, fasste er der Frau an den Oberschenkel und fuhr mit der Hand nach oben. Die Polizei nahm den Mann daraufhin fest und brachte ihn in Sicherheitsgewahrsam.

Der Angeklagte hatte bereits am ersten Verhandlungstag über seinen Verteidiger alle Vorwürfe eingeräumt. Dieses Geständnis war es auch, dass ihm laut Vorsitzendem Richter Christian Liebhart eine gewisse Strafmilderung einbrachte. Er habe so der Geschädigten eine ausführlichere und damit deutlich belastendere Aussage erspart. Die junge Flugbegleiterin hatte bei ihrer Zeugenvernehmung sichtlich erschüttert und unter Tränen berichtet, dass sie unter Todesangst keine Chance gesehen hatte, sich gegen den deutlich kräftigeren Mann zur Wehr zu setzen.

„hohe kriminelle Energie“

Staatsanwalt Sebastian Murer und die Vertreterin der Nebenklage, Dr. Sybille Thiel, schätzten das Geständnis des Angeklagten anders ein als das Gericht. Für sie war es nur von geringem Wert – die Schuld des Angeklagten sei durch Zeugenaussagen und ein DNA-Gutachten hinreichend bewiesen. Murer sprach dem 23-Jährigen in seinen Ausführungen eine „sehr hohe kriminelle Energie“ zu und forderte eine Haftstrafe von sieben Jahren und zehn Monaten.

Der Verteidiger schloss sich, was den Ablauf der Taten anging, der Staatsanwaltschaft größtenteils an. Er forderte eine „Tat und Schuld angemessene Strafe“. Das genaue Strafmaß überließ er aber dem Gericht.

Angeklagter voll schuldfähig

Mehrere Zeugen, darunter Mitarbeiter der Asylunterkunft, wo der Angeklagte zum Tatzeitpunkt gewohnt hatte, berichteten in der Verhandlung von dessen zum Teil seltsamen Verhalten. So habe er alle möglichen Gegenstände wie Fahrräder oder Sperrmüll aus der Umgebung eingesammelt und in seinem Zimmer gehortet. Auch in der Untersuchungshaft wurde der Angeklagte laut Führungsbericht immer wieder auffällig und musste zeitweise sogar von den anderen Häftlingen getrennt untergebracht werden. Sogar sein Verteidiger beschrieb ihn als sehr unzugänglich und „komisch, irgendwie ein bisschen abartig“.

Laut dem psychiatrischen Gutachter Dr. Andreas Küthmann reichen diese Auffälligkeiten jedoch nicht für eine Strafminderung. Die Intelligenz des Angeklagte sei zwar „nicht so schrecklich hoch“, er sei aber voll schuldfähig.

Ungewisse Zukunft

Am Ende des Ganzen steht die schwer traumatisierte junge Flugbegleiterin, die weiter mit den Folgen dieser Tat zu leben hat. Sie leidet an Albträumen und Panikattacken; abends traut sie sich nicht mehr außer Haus. Bis einen Tag vor der Verhandlung wusste sie laut ihrer Anwältin nicht, ob der Angeklagte sie mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt hat. Und auch die berufliche Zukunft der jungen Frau ist ungewiss: Momentan arbeite sie zwar in Portugal, soll aber wohl wieder nach Memmingerberg versetzt werden. An den Ort zurückzukehren, wo ihr diese schreckliche Tat angetan wurde, könne sie aber nicht verkraften.(am)

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