Der Beratungsbedarf ist ungebrochen

Weiterhin viel zu tun für „Donum Vitae“ in Memmingen

Drei Frauen auf einer Brücke über einen Bach
+
Das Berater-Team Memmingen (von links): Stephanie Weißfloch (Leiterin und Beraterin), Alexandra Rauh (Beraterin) und Helena Winter (Stellvertretende Leiterin und Beraterin).

Memmingen - Im Jahresbericht der Schwangerenberatungsstelle ist auch weiterhin ein hoher Bedarf an Beratungen und Hilfestellungen erkennbar. In einem Pressegespräch hat die Leiterin der „Staatlich anerkannten Beratungsstelle für Schwangerschaften“, Stephanie Weißfloch, den Kurz-Jahresbericht 2020 ausführlich erläutert.

So haben sich im vergangen Jahr 550 Frauen und Männer zum ersten Mal an die Beratungsstelle gewandt. Dabei ging es in 131 Fällen um die Schwangerschafts-Konfliktberatung nach § 219 StGB; in weiteren Beratungen wurden 336 Frauen und Männer im Allgemeinen beraten; 67 Frauen benötigten eine nachgehende Betreuung nach der Geburt und in 16 Fällen ging es um die Themen Pränataldiagnostik, unerfüllte Kinderwünsche, Verhütungsmethoden, früher Verlust eines Kindes und sonstige Hilfestellungen. Und dies sind nur die Zahlen der Erst-Kontakte. Die Gesamtzahl der beratenden Gespräche lag bei immerhin 885. Insgesamt wurden 1.120 Menschen in Konfliktsituationen beraten.

„Beraten - schützen – weiterhelfen“

Die Anzahl der Beratungen zu einem möglichen Schwangerschaftsabbruch ist mit 131 doch eher überschaubar; und ob es nach der Beratung tatsächlich zu einem solchen kam, können die Beraterinnen nicht feststellen, denn die Termine sind immer eine „Komm-Beratung“. Die Fachberaterinnen gehen nicht in die häuslichen Umgebungen. Die Erfahrung von Donum Vitae zeigt aber auch, der persönliche Kontakt wird oft in schwierigen Situationen von den Ratsuchenden bevorzugt. In diesen Fällen werden zeitnah Termine vereinbart.

Junge Menschen gut aufgeklärt

In der Schwangerenkonfliktberatung mit Beratungsnachweis ist festzustellen, dass der Anteil der Minderjährigen bei gerade einmal zwei Prozent, der Anteil der 18- bis 25-jährigen Frauen bei 20 Prozent liegt. Immerhin sind im Gegensatz dazu 66 Prozent der Frauen in der Konfliktberatung im Alter zwischen 26 und 40 Jahren. Anders als allgemein gesellschaftlich angenommen, ist der Anteil der ganz jungen oder minderjährigen Frauen mit den erwähnten zwei Prozent doch sehr überschaubar. Es ist festzustellen, dass die jungen Menschen überwiegend sehr gut aufgeklärt sind. Bei den Frauen mit dem größten Beratungsbedarf zeige sich, dass eine ungeplante Schwangerschaft dem Lebensentwurf diametral entgegenstehe. Und diese „Zufälle“ sind - anders als gesellschaftlich angenommen -, unabhängig von der persönlichen, gesellschaftlichen und finanziellen Lebenssituation.

Interessant ist auch, dass 70 Prozent der Frauen, die in die Beratungsstellen kommen, bereits schon Kinder haben. Hier ist der häufigste Grund für die Beratung eine „subjektiv empfundene Angst vor der Zukunft“ und eine mögliche psychische und physische Überforderung.

Mehr Telefonberatungen

Ein deutlicher Zuwachs um 50 Prozent war im berichtszeitraum bei den Telefon- und Emailberatungen festzustellen. Die Zahl der allein beratenen Männer hat in 2020 um 75 Prozent zugenommen. Viele Männer übernehmen offenbar für die Partnerinnen den Gang zur Beratungsstelle; vermutlich, weil schon zu beaufsichtigende Kinder in den Familien leben.

Auch in anderen Lebenslagen können die Beraterinnen eine Hilfestellung leisten. Immer neutral, ohne Kontext, werden zum Beispiel auch Fragen und Vermittlungen zur Repromedizin behandelt. Des Weiteren werden Mütter in der Allgemeinen Schwangerschaftsberatung über mögliche finanzielle Hilfen, über die Elternzeit und über das Elterngeld aufgeklärt. Finanzielle Ängste haben in dieser Corona-Zeit deutlich zugenommen. Die aktuellen Lockdown-Maßnahmen, wie zum Beispiel Kindergarten-Schließungen und Kontaktbeschränkungen, machen es den schwangeren Frauen ebenfalls nochmal schwerer, positiv mit einem (weiteren) Kind in die Zukunft zu schauen.

Mehr Aufklärung in Schulen

Ein weiteres wichtiges Betätigungsfeld von Donum Vitae ist der sozialpädagogische Unterricht in den Schulen. Hier erfüllt die Beratungsstelle einen gesetzlichen Auftrag der Aufklärung für die Klassen der 6. bis 8. Schuljahre. Auf Wunsch auch im Religionsunterricht.

Auch die Betreuung nach der Geburt ist eine weitere Aufgabe für Donum Vitae. Diese Betreuung gibt es bis zum dritten Geburtstag des Kindes und umfasst eine psychosoziale Beratung. Diese sei immens wichtig bei Frauen, deren Partner sich nach Bekanntwerden der Schwangerschaft „verabschiedet“ haben und könne zum Beispiel bei Wohnungsproblemen, Familienproblemen (auch mit der Herkunftsfamilie), organisatorischen und finanziellen Unsicherheiten helfen.

Geschenk des Lebens

Insgesamt lasse sich feststellen, so das Resümee des Pressegesprächs, dass die angebotenen Beratungshilfen nach wie vor enorm wichtig sind und dass sie - auch bei gesellschaftlich nicht gelösten Problemen - den betroffenen Frauen eine große Unterstützung sein können.

In jeder der 20 staatlich anerkannten Beratungsstellen in Bayern berät Donum Vitae kostenlos und unabhängig von Nation und Konfession und auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes. (rb)

Auch interessant

Meistgelesen

Corona in Memmingen: 7-Tage-Inzidenz weiterhin auf hohem Niveau - zwei neue Schnellteststationen
Corona in Memmingen: 7-Tage-Inzidenz weiterhin auf hohem Niveau - zwei neue Schnellteststationen
Unterallgäu: „Glückswege“ und „Radrunde“ - zwei neue LEADER-Projekte an der Iller eröffnet
Unterallgäu: „Glückswege“ und „Radrunde“ - zwei neue LEADER-Projekte an der Iller eröffnet
Leutkirch: Kostenlose Corona-Schnelltests vor dem Rathaus möglich
Leutkirch: Kostenlose Corona-Schnelltests vor dem Rathaus möglich

Kommentare