„Wir werden dafür kämpfen, als systemrelevant wahrgenommen zu werden“

Wieder geöffnet: So geht es Fitnessstudios und Tanzschulen in Memmingen

Nach dem wochenlangen coronabedingten Lockdown dürfen seit vergangener Woche die Fitnessstudios und Tanzschulen in Memmingen wieder öffnen.
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Nach dem wochenlangen coronabedingten Lockdown dürfen seit vergangener Woche die Fitnessstudios und Tanzschulen in Memmingen wieder öffnen.

Memmingen - Langsam, aber sicher kehrt in der Maustadt nach dem coronabedingten Lockdown wieder ein „normaler Alltag“ ein. Seit 8. Juni dürfen auch wieder Fitnessstudios und Tanzschulen öffnen. Wie die vergangenen Wochen bewältigt wurden, wie sich die Kunden verhalten haben, die weiter für ihre Mitgliedschaften zahlen mussten, aber nicht ihr gewohntes Training ausüben konnten, und wie jetzt der Alltag in den Memminger Studios aussieht, haben uns Jürgen Wolfram, Geschäftsführer des H3O Studio für Fitness, Physio und Ernährung, sowie Patrick Hähnle, Inhaber der Dancing School Tosca, verraten.

Die Wochen, in denen das sonst so belebte H3O-Fitnessstudio geschlossen bleiben musste, waren sowohl für die Kunden als auch für die Mitarbeiter hart. „Es war, als würde man uns unser Zuhause wegnehmen. Es war eine existenzbedrohende Zeit mit vielen schlaflosen Nächten, weil man nicht wusste, wie es weitergehen soll“, sagt Geschäftsführer Jürgen Wolfram. Dennoch habe man versucht, das Beste aus der Zeit zu machen und diese sinnvoll zu nutzen: „Wir haben alles komplett saniert. Es gibt jetzt neue Türen, eine neue Saunakabine, neue Duschen, Bodenbeläge und Trampoline“, so Wolfram. Zudem habe sich das Team über zahlreiche Webinare weitergebildet. So wurden neue Leistungen wie zum Beispiel eine Stoffwechselanalyse aufgenommen und geschult.

Trotz räumlicher Trennung sei es sehr gut gelungen, den Kontakt zu den Mitgliedern zu halten. „Wir haben mit ihnen telefoniert, Infoschreiben und Newsletter versandt. Um alle zu Hause fit zu halten, haben unsere Kurstrainer Online-Kurse angeboten und die Therapeuten Trainingsvideos gedreht“, ergänzt Wolfram. Trotz aller Bemühungen um Normalität sei die Situation der letzten Wochen im Großen und Ganzen aber nur schwer zu ertragen gewesen: „Für viele Mitglieder war es hart, da sie nicht zum Spaß, sondern ursprünglich aufgrund gesundheitlicher Beschwerden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder orthopädischer Probleme mit dem Training begonnen hatten.“ Dementsprechend hätten viele sehr mit dem Sport-Entzug zu kämpfen gehabt. „Die Beschwerden wurden aufgrund der langen Zwangsschließung wieder größer. Wir haben daher während der Schließung vermehrt Termine in unserer Physiotherapie-Praxis angeboten, welche ja geöffnet bleiben durfte“, so der Fitness-Experte. Vielen Mitgliedern hätten schlichtweg auch die sozialen Kontakte zum Team und zu anderen Sportlern gefehlt.

Große Solidarität

Diskussionen über die Mitgliedschaftsbeiträge habe es jedoch keine gegeben. Ganz im Gegenteil: „Die Solidarität war überwältigend“, sagt Jürgen Wolfram und fügt hinzu: „Durch die Mehrheit unserer Mitglieder sind wir nicht in eine Schieflage geraten und konnten alle Arbeitsplätze erhalten. Hier hat sich der herzliche Kontakt zu unseren Mitgliedern in den letzten 20 Jahren gezeigt.“ Für die Unterstützung sei das gesamte H3O-Team sehr dankbar. Auch das Team mit über 50 Mitarbeitern sei in den letzten Wochen näher zusammengerückt – mit dem gemeinsamen Gedanken „diese Krise überstehen wir!“.

Der erste Tag zurück im Studio war für alle Beteiligten aufregend: „Anfangs waren wir natürlich nervös, weil du nicht weißt, was auf dich zukommt. Aufgrund der moderaten Auflagen war es jedoch unbeschreiblich schön. Endlich wieder in glückliche Gesichter zu blicken und Leben und Dynamik im Haus zu spüren“, so Wolfram. Für die Zukunft haben er und sein Team sich ein Ziel gesetzt: „Wir werden dafür kämpfen, nicht als Freizeitbetrieb abgestempelt, sondern als systemrelevant wahrgenommen zu werden. Krafttraining ist das wirksamste Medikament“, so der Leiter des Fitnesstudios.

Auch die Dancing School Tosca hat seit vergangenem Montag wieder ihre Türen geöffnet. Endlich kann wieder nach Herzenslust Ballett, Jazzdance und Breakdance getanzt werden. Den ersten Tag habe man durchweg als totale Erleichterung empfunden, so Tanzschulen-Leiter Patrick Hähnle. „Bei uns arbeiten ja nur professionelle Tänzer, die davon leben. Denen hat natürlich etwas gefehlt, das ist deren Hauptberuf. Sie sind guter Dinge und freuen sich einfach, dass es jetzt wieder losgeht. Auch die Mitglieder sind happy, es hat keiner Angst oder so“, sagt der Tanzprofi.

Normaler Stundenplan wie vor Corona

Unter Einhaltung strenger Hygiene- und Abstandsregeln könne inzwischen wieder der ganz normale Stundenplan abgehalten werden, genau wie in Zeiten vor Corona. Lediglich die Tanzstunden seien ein wenig kürzer als gewohnt, zudem sollte der Unterricht nach Möglichkeit statisch sein, wie Hähnle erklärt. Das heißt, die Kursteilnehmer sollen sich so wenig wie möglich im Raum umherbewegen. Beim Betreten und Verlassen der Tanzschule müssen Schutzmasken getragen werden, die während des Tanzens aber abgenommen werden dürfen. Die Umkleiden sind gesperrt, man muss also bereits umgezogen in die Dancing School Tosca kommen. Zudem darf momentan – im Gegensatz zu sonst – kein Elternteil seinem Kind beim Tanzunterricht zuschauen. Doch all das nehme man gerne in Kauf: „Ich bin einfach nur froh, dass wir überhaupt wieder aufmachen können“, betont Hähnle.

Genau wie im H3O-Fitnessstudio habe es auch in der Tanzschule während den Wochen der Zwangsschließung keine Probleme mit unzufriedenen Kunden gegeben: „Sie haben uns alle die Treue gehalten, es gab keinerlei Diskussionen bezüglich der Mitgliedschaftsbeiträge“, erzählt Hähnle, der die Dancing School Tosca erst 2019 übernommen hat. Dafür habe das Tanzschulen-Team auch alles daran gesetzt, den Kunden trotz Einschränkungen etwas zu bieten: „Wir haben den kompletten Unterricht über eine Livestream-Plattform angeboten, das kam auch gut an“, berichtet Hähnle, fügt aber hinzu: „Es ist natürlich etwas anderes, auch für den Lehrer. Man redet in eine Kamera rein, man kann niemanden anlächeln. Es fehlt einfach der Kontakt zu den Schülern und man kann keine Fehler korrigieren. Trotzdem wollten wir das Bestmögliche für unsere Kunden machen, damit sie sehen, dass wir uns bemühen.“ Und wenigstens einen wesentlichen Vorteil gebe es beim Online-Unterricht: „Man konnte alles mitmachen, die Bauchtänzerin konnte auch mal mit breakdancen“, so der Tanzschulen-Inhaber.

Alles in allem blickt Patrick Hähnle nun optimistisch in die Zukunft. Und das nicht zuletzt aufgrund des enormen Rückhalts, den er in Zeiten der Corona-Pandemie erleben durfte: „Ich bin sehr stolz auf unsere Kunden und natürlich meine Mitarbeiter, die die ganze Zeit über an meiner Seite standen.“ (jz)

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