Politische Landschaften und Memminger Ansichten

Zwei neue Ausstellungen in der MEWO Kunsthalle eröffnet

+
Für seine Serie „Troubled Land“ ist Roland Iselin insgesamt fünfmal nach Nordirland gereist.

Memmingen - Mit „Hanna Forster – Künstlerin und Illustratorin“ und „Roland Iselin: Troubled Land“ wurden in der MEWO Kunsthalle kürzlich gleich zwei Ausstellungen eröffnet. Während die eine sich den Grafiken und Illustrationen der in Memmingen tätigen Künstlerin Hanna Forster widmet, verweisen die Landschaftsaufnahmen des Schweizer Künstlers Roland Iselin auf den seit Jahrzehnten andauernden Konflikt in Nordirland.

„Reiseimpression“ von Hanna Forster.

Von 1968 bis 1998 kam es zwischen protestantischen Loyalisten, die für eine enge Bindung an das Vereinigte Königreich standen, und den katholischen Republikanern, welche für ein unabhängiges Nordirland kämpften, zu blutigen Auseinandersetzungen. In diesem Zeitraum wurden über 42.000 Menschen verletzt, mehr als 3.200 Menschen starben. Erst das Karfreitagsabkommen, welches im Jahr 1998 geschlossen wurde, beendete die Gewalt. Doch ist nach 30 Jahren Frieden der Konflikt tatsächlich beseitigt? 

Inspiriert durch das Buch „Troubled Land“ des britischen Künstlers Paul Graham geht Roland Iselin dieser Frage nach. In den 80ern besuchte Graham die Schauplätze der Gewalt, zeigte dabei allerdings nicht Anschläge oder Opfer, sondern spürte dem Konflikt in den Landschaften Nordirlands nach. Aus diesen Fotografien entstand „Troubled Land“. 

Ausgehend von Grahams Werk begibt sich Iselin mit „Revisited (Troubled Land)“ erneut auf Spurensuche nach ebenjenen Konflikten, welche auch 30 Jahre später weiter schwelen. Auch bei Iselin ist die Landschaft nicht nur Schauplatz, sondern ebenso Tatort. Menschen finden sich wenige auf seinen Fotografien, dennoch haben sie sich eindeutig in ihre Umgebung eingeschrieben. 

Der öffentliche Raum wird zum politischen Kampfplatz – Straßen, Fassaden oder gewöhnliche Verkehrszeichen werden zu Bekenntnissen der religiösen und politischen Gesinnung. Union Jack und blau-weiß-rote Straßenmarkierungen lassen auf protestantische Loyalisten schließen, während irische Symbole und die Farben grün-weiß-orange auf katholische Republikaner verweisen. Dazwischen liefern sich die Parteien durch Wandbilder und Graffitis Schlagabtausche. Durch diese Markierungen entsteht eine Kartografie der politischen Gesinnung, die ganze Wohnviertel, Ortschaften und Territorien einschließen. 

„Durch diese Markierungen wird sehr deutlich, welche Partei in einem Ort dominiert. Menschen, die zur Gegenseite gehören, werden so lange gepiesackt, bis sie wieder wegziehen. Im schlimmsten Fall werden sogar Häuser angezündet“, berichtet Roland Iselin. Die Landschaft und Wohnräume sind somit mehr als reine Kulisse, sie sind Indikatoren und Ausdruck des weiterhin bestehenden Konfliktes. Ein Konflikt, der in den nächsten Jahren nicht behoben sein wird. „Meine Fotografien zeigen wenige Menschen und wenn, dann sind es hauptsächlich Kinder. Denn es sind die Kinder, die in diesen Umgebungen und mit diesem Konflikt aufwachsen“, so Iselin. Ein Konflikt, der durch den Brexit und die Frage nach den Außengrenzen neu angefacht wird.

 Die zweite Ausstellung, die an diesem Abend eröffnet wurde, befasst sich stärker mit regionalen Bezügen. Die Stadt Memmingen spielt in den Werken der 1903 geborenen Künstlerin Hanna Forster keine unwesentliche Rolle. Nachdem sie den Maler, Schriftsteller und Pädagogen Hans Weis kennengelernt hatte, zog sie mit ihm im Jahr 1927 nach Memmingen, wo sie bis 1995 tätig war. 

Vielen wird sie in Verbindung mit Kinderbüchern ein Begriff sein. So illustrierte sie neben „Tripp und Trapp“ auch „Bunte Geschichten für den kleinen Leser“, welche vor allem in den 60er und 70er populär waren. 

Hanna Forster nur auf die Produktion von niedlichen Motiven zu beschränken, wäre jedoch zu kurz gegriffen. Die Ausstellung „Hanna Forster – Künstlerin und Illustratorin“ zeigt einen großen Überblick über ihr Werk, aber auch über ihren Entwicklungsprozess als Künstlerin und ihre unterschiedlichen Interessen. So zeugen viele ihrer Werke von den Reisen, die sie mit ihrem Mann unternahm und sie sogar bis nach Nordafrika führten.

 Andere Zeichnungen sind zeitgleich Zeugnisse der Stadtgeschichte. Einige Bilder dokumentieren die Kriegszerstörungen in Memmingen. Die Werke fertigte sie 1945 im Auftrag der amerikanischen Militärregierung an. Neben Aquarellen, die sie auf ihren Reisen oder in Memmingen und Umgebung malte, zeigt die Ausstellung Druckgrafiken und vor allem Skizzen. 

Dabei sind insbesondere Forsters Notizbücher von großem Interesse. In diesen hielt sie nicht nur ihre Termine, Gedanken und Einfälle fest, sondern zeigte darin ebenso ihr botanisches Interesse. Auf den Seiten verstreut sind die unterschiedlichen Pflanzen, welche sie bei ihren ausgiebigen Spaziergängen entdeckte, bildlich festgehalten. Da die Notizbücher sehr empfindlich sind, geben zwei Monitore genaueren Einblick in die Bücher.

Wer Hanna Forster und ihr Schaffen über die Illustration von Kinderbüchern hinaus kennenlernen möchte, dem sei die Ausstellung in der MEWO Kunsthalle sehr zu empfehlen. Weitere Einblicke in das Leben der Hanna Forster sind am 23. Juli möglich. An diesem Tag lädt die MEWO Kunsthalle zum Erzählcafé ein. Menschen, die Hanna Forster kannten und/oder über sie etwas sagen oder hören wollen, sind dazu eingeladen. (sri)

Auch interessant

Meistgelesen

Prozess am Landgericht Memmingen: Schwester der Ehefrau missbraucht
Prozess am Landgericht Memmingen: Schwester der Ehefrau missbraucht
KURIER verlost Karten für Tony Hadley
KURIER verlost Karten für Tony Hadley
Die Memminger Altstadt mit Licht erlebbar machen 
Die Memminger Altstadt mit Licht erlebbar machen 
Karten gewinnen: Comedian Ingo Appelt im Forum Mindelheim
Karten gewinnen: Comedian Ingo Appelt im Forum Mindelheim

Kommentare