"Viel Pulverdampf und Böllerknall"

135-Jähriges Jubiläum der Schützengesellschaft Nassenbeuren: 250 Schützen schießen gemeinsam

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Nassenbeuren – „Böllerschützen Achtung. Böller laden zum gemeinsamen Salut. Gemeinsames Verdämmen. Zündhütchen setzen. Böller hoch. Gebt Feuer!“ Beim 135-jährigen Jubiläum der Königlich privilegierten Schützengesellschaft Nassenbeuren und dem 30. Geburtstag der Böllergruppe kamen 250 Böllerschützen aus 35 Böllergruppen aus ganz Schwaben nach Nassenbeuren, um zusammen zu schießen.

Um halb zehn morgens fielen am vergangenen Sonntag schon die ersten drei Schüsse. Auf dem Friedhof an der Kirche gaben drei Schützen mit ihren Böllern den Startschuss für den Kirchenumzug, der im Festzelt am südlichen Ende Nassen­beurens endete. Dort hielt Pfarrer Alfred Binder einen Gottesdienst im feinsten niederbayrischen Dialekt. „Was heute aus Niederbayern kam, war das Beste“, lobte Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke den Gottesdienst. Böllergruppen von Frauenriedhausen bis Opfenbach versammelten sich im musikalisch dekorierten rot-weiß geschmückten Festzelt, um gemeinsam einen geselligen Vormittag beim Frühschoppen zu verbringen. Da der Nassen­beurer Musikverein durch den Blasmusik-Cub tags davor nicht spielen konnte (Nassenbeuren wurde Dritter, Westernach Erster), übernahm die musikalische Führung im Festzelt der Musikverein Aletshausen und am Nachmittag dann der Musikverein Markt Wald, die unter anderem Märsche und Polkas spielten.

In petto hatten die Schützen insgesamt 270 Hand- und Schaftböller sowie 20 Standböller und 20 Kanonen, die um 14 Uhr auf dem Feld bei einem gemeinsamen Schießen zum Einsatz kamen. Fünf Formationen führten sie aus. Mit der langsamen Reihe wurde gestartet, bei dem jeder Schütze nach und nach einen Schuss abgab. Bei der anschließenden schnellen Reihe war der Abstand der einzelnen Schüsse geringer. In vier Reihen stellten sich die Schützen auf, wobei die erste Reihe anfing und die letzte aufhörte.

Nach jeder Einheit kamen die Kanonen zum Zug, deren Knall deutlich lauter war als die der Böller. Zum Schutz der Ohren musste man Ohrenstöpsel tragen, denn Landesböllerreferent Xaver Wagner mahnte: „Ich habe seit dem letzten Schießen Pro­bleme mit dem linken Ohr.“ Aber auch andere Sicherheitsvorkehrungen mussten vorab getroffen werden. So standen die Schützen zwei Meter voneinander entfernt. Nach vorne hin mussten es mindestens 50 Meter Abstand sein.

Beim Einzelsalut schoss jede Reihe mit ihren Hand- und Schaftböllern gleichzeitig, anschließend zündeten die Schützen ihre Standböller und danach die Kanonen. Die vierte Formation war ein Flächenbrand. Dabei schossen die Schützen von außen nach innen. Die Personen, die links und rechts außen in jeder Reihe standen, fingen gleichzeitig an, Feuer zu geben. Die anderen knallten nach und nach ihre Böller ab, bis sie in der Mitte angelangt waren.

Den Höhepunkt bildete das gemeinsame Salut, wobei alle gemeinsam ihre Böller luden, verdämmten, ihr Zündhütchen setzten, den Böller in die Luft hoben und schossen. Für diejenigen, die fehlgezündet hatten, gab es am Ende noch einmal die Chance, ihre Munition zu verschießen.

Dr. Stephan Winter war gleich in seiner Doppelfunktion als Bürgermeister und stellvertretender Landrat anwesend und gratulierte der Schützengesellschaft und der Böllergruppe zu ihrem Geburtstag. „Man kann den Bayern alles verbieten, nur das Schießen nicht“, schmunzelte Winter. Er hatte nicht nur „zwei Grußworte zum Preis von einem“ sondern auch zwei Schecks dabei, einen vom Landkreis und einen von der Stadt Mindelheim.

23 Böllerschützen und 80 aktive Mitglieder zählt der Verein. Heimattreue, Geselligkeit, das Gemeinschaftsgefühl und die Brauchtumspflege bedeuten dem Verein viel. „Das Böllerschießen hat einen hohen Stellenwert und ist das Aushängeschild der bayerischen Traditionspflege“, so Xaver Wagner. „Das ist eine starke Stütze unserer Gesellschaft“, ist auch Stracke der Meinung. Jeder finde im Schützenverein seine Heimat; die Integration sei gelungen. Er wünschte zum Abschluss seiner Rede den Schützen eine starke Hand, gute Nerven, Präzision, Tempo, Teamgeist und „viel Pulverdampf und Böllerknall“.

Christoph Schmid, Vorstand des Musikvereins Nassenbeuren, sagte noch abschließend einen Trinkspruch auf, der die Gäste fleißig zum Trinken und Essen animieren sollte: „Saufts nei, gebet Geld für den Verein!“

Julia Böcken

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