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160 Jahre Feuerwehr Mindelheim: Kameradschaft als Basis gegenseitigen Vertrauens

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Von: Klaus D. Treude

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Der Tag der offenen Tür de Mindelheimer Feuerwehr lockte am Samstag rund 1.000 Besucher an.
Der Tag der offenen Tür de Mindelheimer Feuerwehr lockte am Samstag rund 1.000 Besucher an. © Hohenleitner

Mindelheim – Mit einem Festakt vor und in ihrem 2020 bezogenen neuen Feuerwehrhaus in der Bad Wörishofer Straße hat die Freiwillige Feuerwehr Mindelheim am Freitagabend ihr 160-jähriges Bestehen gefeiert. Der Festabend hatte mit einem von der Stadtkapelle angeführten Kirchenzug zum Gedenkgottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Stephan begonnen, an dem auch die befreundeten Wehren mit ihren prächtigen Vereinsfahnen sowie die Jubiläumsgäste teilnahmen. Das Festprogramm wurde am Samstag mit einem Tag der offenen Tür für Jung und Alt fortgesetzt und klang mit einem geselligen Abend aus.

Die gut zur Hälfte allein mit Feuerwehrleuten besetzte Stadtpfarrkirche mit den um den Altar versammelten Vereinsfahnen bot den richtigen Rahmen, um das Jubiläum würdig zu beginnen. Dekan Andreas Straub, Diözesanseelsorger Bernd Udo Rochna, die evangelische Pfarrerin Kaitia Frey und Diakon Richard Reißner zelebrierten den Gedenkgottesdienst.

In seiner Predigt ging Rochna, der den Floriansjüngern in besonderer Weise verbunden ist und während seiner Zeit als Pastoralpraktikant in Mindelheim auch der Feuerwehr angehörte, auf die drei Säulen ein, auf denen aus seiner Sicht der Dienst als Feuerwehrmann/-frau beruht. „Erstens“ so Rochna, „jedem der in Not gerät, wird geholfen. Zweitens, wir helfen mit allem, was uns zur Verfügung steht. Und drittens, wir übergeben ihn in andere Hände, wenn wir erkennen, dass wir die Grenze unserer Hilfe erkannt haben.“ Als Feuerwehrkamerad beschwor Rochna abschließend die Gemeinschaft der Floriansjünger: „Was ist das schönste Feuerwehrauto ohne die Mannschaft?“

Zurück in der Bad Wörishofer Straße stellten sich die Feuerwehrleute an diesem relativ warmen Septemberabend im offenen Karree gegenüber der Fahrzeughalle auf, vernahmen die Ansprachen der Ehrengäste und Kommandanten der befreundeten Wehren und beobachteten die Übergabe der Gastgeschenke. Neben Finanzspritzen für die Feuerwehrkasse war „Löschwasser“ unterschiedlichster Art, Nahr- und Schmackhaftes sowie anderes Nützliches dabei.

Zuverlässige Truppe

Nach der Begrüßung der Gäste und Abordnungen der verbundenen Feuerwehren aus der unmittelbaren Umgebung und aus dem Ausland (Schwaz/Tirol, Tramin/Südtirol und Sachsenburg/Kärnten) durch den Feuerwehrvereins-Vorsitzenden Christian Mutzel wandte sich zunächst Mindelheims (seinerzeit noch) Dritter Bürgermeister Roland Ahne in Vertretung des erkrankten Stadtoberhaupts und des Landrats an die Versammlung. Er sehe den Feuerwehrdienst nicht nur als zeitaufwendig und oft sehr anstrengend an, sondern zudem auch oft als nicht ungefährlich. Man müsse dankbar sein, wenn man wohlbehalten vom Einsatz in die Wache zurückkehre. „Die Bürger wissen, dass sie sich auf ihre Feuerwehr verlassen können“, stellte Ahne fest. Anderen in Not zu helfen, sei eine Lebenseinstellung. Für dieses Engagement sage er herzlichen Dank, verbunden mit allen guten Wünschen für die Zukunft. Aufgabe der Stadt sei es, die Feuerwehr mit dem notwendigen und modernen Gerät auszustatten. Darauf werde der Stadtrat auch weiterhin achten. Wie zuvor Rochna beschwor auch Ahne die Kameradschaft unter den Feuerwehrleuten als Basis für gegenseitiges Vertrauen.

Nach dem Kirchenzug durch die Altstadt wandte sich Feuerwehrkommandant Robert Draeger (rechtes Foto) an die Festversammlung. Dahinter (v. links): Erster Vorsitzender der Feuerwehr Christian Mutzel, MdL Franz Josef Pschierer und Dritter Bürgermeister Roland Ahne.
Nach dem Kirchenzug durch die Altstadt wandte sich Feuerwehrkommandant Robert Draeger an die Festversammlung. Dahinter (v. links): Erster Vorsitzender der Feuerwehr Christian Mutzel, MdL Franz Josef Pschierer und Dritter Bürgermeister Roland Ahne. © Treude

Auch Staatsminister a.D. Franz Josef Pschierer schloss in seinen Dank alle Feuerwehrleute seit Gründung der Wehr ein. Dabei betonte auch er das ehrenamtliche Engagement. Dank schulde er den Feuerwehren zudem für deren Jugendarbeit. An die Arbeitgeber gewandt, die Feuerwehrleute beschäftigen, empfahl er, dies nicht als Belastung, sondern als Bereicherung der Belegschaft zu sehen. Wer zur Feuerwehr gehe, müsse „L plus K“ und „F plus K“ mitbringen – L(eistung) plus K(önnen) und F(reundschaft) plus K(ameradschaft).

In seinem Rückblick auf 160 Jahre Feuerwehrdienst in der Frundsbergstadt dankte Kommandant Robert Draeger allen bisherigen Einsatzkräften und erinnerte an besonders gefahrvolle und belastende Einsätze in den vergangenen 160 Jahren. Das Einsatzspektrum der Feuerwehr habe sich gerade in den letzten Jahrzehnten erheblich erweitert. Nun gelte es, die Feuerwehr Mindelheim weiterzuentwickeln.

Nach dem gemeinsam mit der Stadtkapelle intonierten Feuerwehrlied endete der offizielle Teil und das gesellige Beisammensein bei Essen, Trinken und Gesprächen stand auf dem Programm. Denn auch das gehört dazu, die Pflege der Kameradschaft.

Spektakuläres beim Tag der offenen Tür

Rund 1.000 Besucher kamen am nächsten Tag zum vom BRK und der Polizei unterstützten Tag der offenen Tür der Mindelheimer Feuerwehr. Besondere Attraktionen des bunten Programms vor allem für die jungen Gäste waren sicher die Kinder-Olympiade mit feuerwehrspezifischen Stationen, aber auch die Präsentation der Jugendfeuerwehr mit ihren Fahrzeugen. Jungfeuerwehrleute beantworteten dabei geduldig eine Menge Fragen. Als spektakulär für alle Besucher erwiesen sich zwei Schauübungen. Bei der einen demonstrierten die Feuerwehrleute die Hilfe bei einem Autounfall, wobei die hydraulische Schere zum beeindruckenden Einsatz kam. Am Abend dann die Demonstration eines Unfalls mit auslaufendem Gefahrgut, wobei mittels einer leuchtenden Flüssigkeit demonstriert wurde, wie schnell und weitflächig sich Gefahrgut ausbreiten kann. Für den stimmungsvollen Ausklang des Jubiläumswochenendes sorgte beim abschließenden bunten Abend die Band „Käs & Roll“.

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