Geschäftsführer Wund fordert schnelle Auszahlung der Hilfsgelder

200 Tage zu: Therme Bad Wörishofen beziffert Umsatzverlust auf über 10 Millionen Euro

Therme Bad Wörishofen
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In der Bad Wörishofer Therme herrscht seit Monaten Ruhe. 200 Tage sind die Becken und Saunen seit Beginn der Pandemie nun schon geschlossen.
  • Marco Tobisch
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Bad Wörishofen – Rund um die THERME Bad Wörishofen ist es sehr still geworden. Seit Monaten sind die Thermenbecken verwaist und die Saunen kalt. Bis auf den Notbetrieb läuft hier im Moment nichts mehr. Ebenso ruhig ist es auch hinsichtlich möglicher Coronahilfen. Geschäftsführer Jörg Wund: „Die Rücklagen schwinden und die bisher erfolgten Finanzhilfen sind lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir sitzen im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Trockenen.“ Das sei „sehr frustrierend“, so Wund.

In den vergangenen 17 Jahren der Thermengeschichte wurden Störungen über Nacht behoben und Reparaturen in den frühen Morgenstunden ausgeführt, um den Gästen keine Schließstunden zumuten zu müssen. Das änderte die Pandemie am 17. März letzten Jahres für 103 Tage und erneut am 2. November auf noch immer unbestimmte Zeit. Am kommenden Sonntag zählt die THERME Bad Wörishofen die traurige Bilanz von 200 Tagen im Lockdown.

Stillstand unmöglich

Eine große finanzielle Herausforderung für den Thermenbetreiber: „Eine Therme kann nicht einfach abgeschaltet und die Kosten auf Null runtergefahren werden. Ohne die entsprechende Wärme gehen hunderte wertvoller Palmen ein. Deshalb müssen zum Heizen und zur Regulierung der Luftfeuchtigkeit auch alle Lüftungsanlagen auf 22 Grad durchlaufen. Nur so bleiben die Südseepalmen gesund und größere Gebäudeschäden können vermieden werden.“ Die komplette Schwimmbadtechnik läuft ebenfalls 24 Stunden auf Reduzierbetrieb, um die Wasserhygiene zu erhalten und teure Standschäden zu verhindern. Auch hier kann die Temperatur nicht zu weit abgesenkt werden, da sich ansonsten – insbesondere im Außenbereich – die Beckenfliesen lösen. Dafür sind aktuell Techniker, Gärtner und die Teamleitungen im Einsatz. Nach Angaben der Therme laufen so 65 Prozent der Betriebskosten weiter – und das ohne jegliche Einnahmen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres wurden an diesen 200 Tagen über zehn Millionen Euro umgesetzt.

Thermen-Geschäftsführer Jörg Wund fordert die schnelle Auszahlung zugesagter Hilfsgelder.

Die von der Bundespolitik zugesagten November- und Dezemberhilfen seien bis heute lediglich als Abschlagszahlungen in Höhe von 60.000 Euro eingegangen, schreibt die Therme in einer Pressemitteilung. Das entspreche gerade einmal 0,6 Prozent statt der zugesagten 75 Prozent. „Die Abschlagszahlungen decken die aktuellen Betriebskosten für zwei Tage, für die weiteren 198 Schließtage mussten angesparte Rücklagen aus über zehn Jahren eingesetzt werden“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Immerhin: Die erforderlichen Rücklagen konnten dank sparsamen Wirtschaftens gebildet werden und waren ursprünglich für neue Attraktionen und Erweiterungen eingeplant. Wenn die zugesagten Hilfen nicht fließen, droht nach derzeitigem Stand ein Millionenverlust in der Bilanz.

In den Schutz investiert

Hinzu kommt, dass Wund seit dem ersten Lockdown im Frühjahr auch viel Geld in die Umsetzung und Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln investiert hat. Ein Reservierungssystem wurde programmiert, Bodenmarkierungen, Trennwände, Desinfektionsmittelspender, Abstandshalterungen in den Becken und vieles mehr zum Schutz der Gäste angebracht (der Wochen KURIER berichtete). Der letzte Sommer habe gezeigt, dass das Schutzkonzept funktioniert, so Wund. Auch aus wissenschaftlicher Sicht gebe es in Bädern und Thermen kein erhöhtes Infektionsrisiko, sondern im Gegenteil: Sowohl das Thermalwasser, wie auch die Saunawärme bekämpfe Viren effektiv, zudem leiste beides als präventiver Gesundheitsschutz inklusive Stressbewältigung einen wichtigen, gesellschaftlichen Beitrag. Deshalb hofft Jörg Wund jetzt auf eine individuelle Betrachtung der Thermen bei den Entscheidungen zur Wiedereröffnung, die er zeitgleich mit der der Gastronomiebetriebe sieht.

Besonders ärgerlich für Wund: Seit der Beantragung der Hilfen im November und Dezember haben sich die Antragsbedingungen mehrfach geändert und selbst jetzt im Februar gibt es noch kein entsprechendes Formular, um die notwendigen Gelder zu beantragen. Unverständlich ist für Wund auch, dass die Thermenwelt Erding und das Hotel Victory zusammen mit der Therme Bad Wörishofen als ein „verbundenes Unternehmen“ gelten sollen und damit nur einmal die weit unter dem Bedarf gedeckelten Zahlungen beantragt werden dürfen. Nach Wunds derzeitigem Informationsstand fallen die Überbrückungshilfen III, die ab Januar gelten, noch weit geringer aus. Zudem ist die Beantragung noch nicht möglich und der Auszahlungszeitpunkt offen.

Wichtig: Schnelle Hilfe

Wann für die Therme Bad Wörishofen der zweite Lockdown enden wird, steht noch in den Sternen: „Nach allem, was wir aus der Politik hören, könnte das Jahr 2021 für uns einen noch größeren wirtschaftlichen Schaden verursachen als das vergangene. Umso wichtiger ist die schnelle Auszahlung der zugesagten finanziellen Unterstützungen, um Unternehmen nicht zu gefährden“, fordert Wund. „Für die Therme Bad Wörishofen bedeutet jede weitere Woche im Lockdown Kosten in Höhe von über 250.000 Euro.“

wk

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