Noch viel zu tun im Unterallgäu

ADFC-Klimatest zeigt in puncto „fahrradfreundliche Stadt“ Baustellen auf

Radfahrerin fährt neben Auto
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In einer Umfrage des ADFC beklagt eine große Zahl von Radfahrern häufige Konflikte mit Autofahrern im Straßenverkehr. Das ist aber nicht der einzige Aspekt, mit dem die Radler in der Region unzufrieden sind.

Unterallgäu – Die Ergebnisse des ADFC-Klimatests 2020 haben es gezeigt. Die Stadt Mindelheim hat etwas nachgelassen auf dem guten Weg zur fahrradfreundlichen Stadt und muss wieder aufholen. Aber auch in Türk­heim und Bad Wörishofen gibt es laut ADFC noch einiges zu tun.

Beim ADFC-Klimatest hat sich nach der letzten Erfassung im Jahr 2018 mit der Note 3,8 nicht viel zum Besseren verändert. Im Gegenteil, nach der Verschlechterung um 0,3 Notenpunkte belegt Mindelheim nur noch Platz 170 von 418 bewerteten Städten in der Städtekategorie „20.000 bis 50.000 Einwohner“.

So empfinden 78 Prozent der befragten Mindelheimer die Radwege als zu schmal. 69 Prozent haben das Gefühl, dass in der letzten Zeit zu wenig für den Radverkehr gemacht werde. 46 Prozent der Radfahrer haben nach eigenen Angaben Spaß beim Radeln in der Gemeinde und fühlen sich zu 47 Prozent als Verkehrsteilnehmer akzeptiert.

Falschparker auf Radwegen

Und 66 Prozent stellen fest, dass in Mindelheim Alt und Jung mit dem Rad fahren, aber nur 29 Prozent der Radler fühlen sich auch sicher. Auch beklagen 60 Prozent der Befragten die häufigen Konflikte mit Autofahrern. Zusätzlich bemängeln 68 Prozent die geringe Überwachung der Falschparker auf den Radwegen.

Sehr geschätzt wird hingegen von den Befragten die Öffnung der Einbahnstraßen in Gegenrichtung für die Radfahrer. Gerne würden die Mindelheimer auch die in Memmingen schon etablierten Rillensteine für die Übergänge von den Radwegen zu den Autofahrbahnen verbauen.

Aber, die Stadt hat reagiert und mit Klimaschutzmanagerin Simone Kühn eine engagierte Fahrradverkehrsbeauftragte ernannt. Jetzt soll in Mindelheim ein schlüssiges Gesamtkonzept erarbeitet werden und auch mit der vom ADFC-Kreisverband angebotenen Mitwirkung bei diesem Engagement kann man davon ausgehen, dass sich der Radwege-Infrastrukturausbau für den ständig ansteigenden Radverkehr in der näheren Zukunft doch deutlich verbessern wird. Zusätzlich sucht der ADFC noch interessierte Mindelheimer zur Gründung einer eigenen Ortsgruppe.

In Türkheim fühlen sich 59 Prozent der Befragten auf dem Rad als Verkehrsteilnehmer akzeptiert und 75 Prozent geben an, dass Alt und Jung in Türkheim Radfahren. Gleichzeitig bemängeln 63 Prozent der Türkheimer Radler, dass keine Werbung fürs Radfahren gemacht wird und 59 Prozent sagen, dass in jüngster Zeit kaum etwas für den Radverkehr getan worden sei.

Radwege besser reinigen

67 Prozent geben an, dass Falschparker auf den Radwegen großzügig geduldet würden und 59 Prozent wünschen sich eine bessere Reinigung der Radwege. Positiv wird von 61 Prozent der Radfahrerinnen und Radfahrer das eigene Sicherheitsgefühl bewertet. 73 Prozent berichten, dass es selten Konflikte mit Fußgängern gibt. Dagegen erlebt die Hälfte der Radfahrenden (50 Prozent) häufig Konflikte mit Autofahrern.

Auch in Türkheim zeigen die Ergebnisse Aufholbedarf: 55 Prozent fühlen sich beim Fahren im Mischverkehr mit Pkw bedrängt und behindert. 52 Prozent der Radfahrenden fordern einen besseren Winterdienst. Mit einer Gesamtbewertung der Fahrradsituation von 3,40 belegt Türkheim deutschlandweit Platz 61 von 418 in der Kategorie „unter 20.000 Einwohner“. Türkheim konnte sich im Vergleich zu 2018 um 0,29 Noten leicht verbessern.

Auch aus Bad Wörishofen gibt es Zahlen zur Fahrradfreundlichkeit: Hier finden 55 Prozent der Radlerinnen und Radler die Radwege zu schmal. Die Radfahrenden in der Kneippstadt wünschen sich nicht nur breitere Radwege. 56 Prozent der Befragten sagen zudem, dass in der letzten Zeit kaum etwas für den Radverkehr getan worden sei. 64 Prozent bemängeln fehlende Kontrollen von Falschparkern auf den Radwegen.

Nur die Hälfte fühlt sich sicher

62 Prozent der Radfahrenden macht das Radeln in ihrer Kneippstadt Spaß und 56 Prozent fühlen sich auf dem Rad als Verkehrsteilnehmer akzeptiert. Zudem sagen 82 Prozent, dass Alt und Jung in Bad Wörishofen Rad fahren und 51 Prozent der Radlerinnen und Radler fühlen sich sicher. Dennoch haben 56 Prozent häufig Konflikte mit Autofahrern und 51 Prozent bemängeln die Oberfläche der Radwege.

Stark verschlechtert

Mit einer Gesamtbewertung der Fahrradsituation von 3,47 belegt Bad Wörishofen deutschlandweit Platz 75 von 418 in der Kategorie „unter 20.000 Einwohner“. Trotz aller positiv bewerteten Aspekte hat sich die Kneippstadt damit im Vergleich zu 2018 um 0,31 Notenpunkte verschlechtert.

Bundes- und bayernweit bleibt das Fahrradklima laut ADFC weiterhin unbefriedigend und wird von den Befragten im Durchschnitt mit 3,9 bewertet. In Bayern sind 167 Städte und Gemeinden in die Wertung gekommen, deutlich mehr als im Jahr 2018 (86).

wk/Rainer Becker

Der ADFC-Fahrradklima-Test

Seit 2012 findet alle zwei Jahre der Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs statt. Anhand eines ausführlichen Fragebogens bewerten Radfahrer, wie sie die Möglichkeiten und die Sicherheit für die Radfahrer in ihrer Stadt oder Gemeinde erleben. Dabei werden, wie in der Schule, Noten von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) vergeben. Dieser Test wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gefördert.

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