Holetschek spricht über Chancen durch den Wasserdoktor

Ärztekongress in Bad Wörishofen: In der Krise auf Kneipp besinnen

Auch Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (links) ist erklärter Fan Kneipps.
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Auch Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (links) ist erklärter Fan Kneipps.
  • VonOliver Sommer
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Bad Wörishofen – „Gesund aus der Krise und in die Zukunft mit Kneipp“, unter diesem Motto stand der Internationale Ärztekongress für Naturheilverfahren nach Pfarrer Sebastian Kneipp sowie der Traditionellen Europäischen Medizin. In Bad Wörishofen trafen sich einige Dutzend Teilnehmer, um über das Erbe Kneipps zu diskutieren und wie man seine Lehren auch angesichts der aktuellen Corona-Problematik anwenden kann. 

Die Lehre Kneipps ist eine von nur drei weltweit anerkannten ganzheitlichen Behandlungsmethoden, um kranken Menschen zu helfen. Neben der traditionellen Chinesischen Medizin gibt es Ayurveda, das indische Pendant, und die Naturheilverfahren nach Kneipp. Insbesondere Kneipp setzt dabei auf die Vorbeugung, die Prävention durch Stärkung des Immunsystems, Abhärtung und Resilienz des Körpers, also die psychische Widerstandskraft und die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen. Faktoren, die in der Gesellschaft beinahe verloren geglaubt waren und die mit Corona wieder in den Vordergrund rücken.

Mit Prävention für Krisen gerüstet sein

So nutzte auch Gesundheitsminister Klaus Holetschek den Ärztekongress, um einen Rückblick auf die Krise zu werfen und die Frage zu stellen, welche Lehren wir daraus ziehen könnten. Er stellte fest, dass Prävention nichts anderes bedeute, als die Menschen resilient zu machen, ein Stückweit auf Krisen vorzubereiten, um gut durch die Krise zu kommen. Nicht unerwähnt lassen dürfe man auch die (psychischen) Folgen der Pandemie, so Holetschek weiter. Weltweit sehe man die Folgen der Einschränkungen für die Psyche und müsse auch auf die Kinder und Jugendlichen schauen. Gerade die Jüngsten hätten Kneipp sehr am Herzen gelegen, befand der Gesundheitsminister und man müsse gemeinsam für die Zukunft agieren. Deshalb auch sei es wichtig, sich zu überlegen, sagte Holetschek, wie denn unser Gesundheits- und Pflegesystem der Zukunft aussehe.

Er sei überzeugt, „dass wir ein gutes System haben“, fuhr der Minister fort. Aber es habe sich gezeigt, dass es Bruchstellen gebe, an denen das System besser werden könne. Er wolle nun gar nicht über die Krankenhausversorgung, das Thema Pflegekräfte oder die Überarbeitung der Diagnose bezogenen Abrechnungspauschalen (DRGs) reden. „In einer Zeit, in der viele Pflegekräfte für ihren Beruf brennen aber auch ausbrennen“, sagte Holetschek, seien das große Herausforderungen für die Zukunft, die man gemeinsam gestalten müsse. Herausforderungen auch für die Ärzteschaft in diesem System. Die richtigen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen, so der Bayerische Gesundheitsminister, sei auch eine Herausforderung für die künftige Regierung in Deutschland.

Auch mit der Integrativen Medizin müsse man sich nach Holetschek wieder mehr beschäftigen. Diese verbindet konventionelle ärztliche Medizin und ärztliche Komplementärmedizin, wie etwa Kneipp/TEM, zu einem sinnvollen Gesamtkonzept.

Therapie individuell auf Patienten zuschneiden

Ziel ist es, die individuell beste Therapie für den Patienten zu finden und Nebenwirkungen weitmöglich zu reduzieren. Hier galt sein Dank der Ärztegesellschaft für Präventionsmedizin und klassische Naturheilverfahren und dem Kneippärztebund um Dr. Heinz Leuchtgens, die zu dem Kongress eingeladen hatten. „Wir müssen dieses Thema noch einmal in den Fokus nehmen“, sagte Holetschek und verwies auf die Konsequenzen für die Zukunft vor dem Hintergrund der Kneippschen Erkenntnisse.

Ein Thema sei dabei, natürlich, die Prävention. Man habe in Bayern einen Präventionsplan aufgelegt mit mehr als 100 Partnern. Und man investiere in Wissenschaft und Forschung, in Präventionsprojekte und habe einen jährlichen Schwerpunkt. Kommendes Jahr gehe es um Herz- und Kreislauf und um Familien. Er könne sich durchaus vorstellen, auch die Integrative Medizin einmal in den Mittelpunkt zu stellen in Bayern, sagte Holetschek.

Man müsse dieses Thema, das gerade in Bad Wörishofen Tradition hat, auch mit Wissenschaft und Forschung hinterlegen. Es brauche aber gerade für die sogenannten evidenzbasierten Naturheilverfahren, also beweisbare Verfahren, noch mehr Lehrstühle. Das sind die Themen der Zukunft, die aktuell etwa an der Uni in Augsburg umgesetzt werden. Dort gebe es Menschen, die sich engagierten und es brauche eben mehr ordentliche Lehrstühle für diese Themen. Auch an der Charité in Berlin seien gerade zwei ordentliche Lehrstühle dazu geschaffen worden.

Er erhoffe sich auch von diesem Kongress neue Impulse, jede Anwendung sei auch ein Stück Zuwendung zum Menschen. Und gerade bei den sich häufenden psychischen und psychosomatischen Erkrankungen komme man wieder bei Kneipp an, der auch die Seele in seine Betrachtungen einbezogen hatte.

In diesem Sinn äußerte sich auch Dr. Heinz Leuchtgens, zu den klassischen Naturheilverfahren, die immer schon Bestandteile der klassischen Medizin waren. Und auch schon Kneipp sei als Scharlatan angegriffen worden von den Ärzten. Dennoch hätten sich seine Lehren durchgesetzt, weil sie anerkannt und erprobt waren. Man habe Tausende Ärzte an die Verfahren Kneipps herangeführt, erinnerte Leuchtgens, und die Akademie in Bad Wörishofen habe sehr wohl Zuspruch erfahren.

Und man biete weitere Weiterbildungen an, etwa für psychosomatische Probleme, ganz aktuell etwa die Waldtherapie. Diese bringe eine Stabilisierung bei psychosomatischen Problemen. Gemeinsam mit der Uni München werde es, „ganz im Rahmen abgesicherter wissenschaftlicher Methoden“, einen Zweig integrative Onkologie geben. Kneipp habe trotz aller Anfeindungen gut daran getan, seine Lehre den Ärzten zu übergeben, auch wenn die Politik die Kurorte die Kurmedizin eher stiefmütterlich behandelt habe. Aber auch wenn viele Kurorte Probleme hätten, so müsse man sehen, dass die Zahl der Kneippärzte immer mehr werde und der Trend weggehe von der „Reparaturmedizin“ hin zur Prävention.

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