Unsichtbar im Feld

Alexander Siebierski ruft Einsatztruppe zur Bambirettung ins Leben

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Symbolbild: Rehkitze werden von ihren Müttern im Feld versteckt, damit diese auf Futtersuche gehen kann. Dabei bleiben die Bambis jedoch auch noch dann liegen, wenn ein Mähdrescher angefahren kommt.

Bad Wörishofen – Wochenlang hatte Alexander Siebierski, Erster Vorsitzender der Ortsgruppe Bad Wörishofen des Bund Naturschutz, Albträume vom zerstückelten Rehkitz, das noch mit drei abgehackten Beinen aufstehen wollte. Der Jäger musste es schließlich erschlagen. Die Mutter stand im Wald, sah zu, schrie die ganze Nacht. Es war ein traumatisches Erlebnis, was dazu führte, dass Siebierski eine schnelle Einsatztruppe zur Bambirettung ins Leben rief.

Eigentlich sind die Bauern dazu verpflichtet, Rehkitze zu vergrämen, bevor sie die Wiese anfangen zu mähen, sei es durch Signaltöne wie die eines Brandmelders oder durch Vogelscheuchen und Bändern. Wenn sie nichts unternehmen, müssen sie mit einer saftigen Geldstrafe rechnen, weiß Siebierski. Ein weiteres Mittel, Rehkitze in Wiesen aufzuspüren, ist der Einsatz einer Drohne mit einer Wärmebildkamera. Diese spürt vor Sonnenaufgang warme Flecken im Feld auf, die auf Rehkitze hindeuten. Doch da eine Drohne teuer ist, können sie sich die wenigsten leisten.

Die Wiesen und Felder dienen für die Rehkitze als Kinderstube. Dort warten sie tagsüber, während ihre Mutter auf Nahrungssuche geht, und werden von ihr dann am Abend mit Milch gefüttert. Doch während sie auf ihre Mutter im hohen Gras warten, bewegen sie sich nicht, bleiben mucksmäuschenstill und sind bei Mäharbeiten einfach unsichtbar. Ihr Instinkt verleitet sie dazu, selbst sich bei Gefahr nicht zu bewegen, in der Hoffnung, dass dann auch nichts passieren wird. Sie sind aber einem großen Mähdrescher unterlegen, der bis auf die Grasnarbe heruntermäht, sodass kein einziger Grashalm mehr stehen bleibt. Verwertet der Bauer den Grasschnitt zu Biogas, erhält er vom Staat Biogassubventionen, erzählt Siebierski – ein lukratives Geschäft.

Die schnelle Einsatztruppe, die bis jetzt aus neun Leuten besteht, soll dieses Leid verhindern, das den Rehen angetan wird. Wer mithelfen möchte, kann sich per E-Mail an as@imas.info melden. Zusammen mit einem Jäger und mit einem Besenstiel bewaffnet sucht die Truppe im Abstand von drei Metern das Feld ab. Letztes Jahr konnte Siebierski zwei Rehe vor dem sicheren Tod bewahren, übersah aber das Rehkitz mit den drei abgetrennten Beinen. Wichtig bei der Rettung sei, dass man die Rehkitze mit Handschuhen anfasst, da die Mutter ihr Kind sonst nicht mehr annehmen wird. Rehe sind geruchlos, Menschen nicht. Während der Mahd kommen sie in einem Umzugskarton, der mit Heu ausgelegt ist, unter und werden danach an dieselbe Stelle im Feld wieder ausgesetzt, damit die Mutter sie wiederfindet, erklärt Siebierski. Wenn ein Rehkitz aber trotzdem sterben sollte, könne sogar die Mutter dran sterben, klärt er auf, da sie keine Milch mehr geben kann und so die Zitzen vereitern. 

jb

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