Tödlicher Unfall zwischen Ettringen und Lamerdingen

Alkohol am Steuer: Unfallfahrer muss ins Gefängnis

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So sah das Fahrzeugwrack des 19-Jährigen aus dem Raum Landsberg nach dem Unfall im April 2018 aus. Der Verursacher muss nun in Haft.

Ettringen – Auf der Landstraße zwischen Lamerdingen und Ettringen prallen in einer Kurve zwei Autos frontal aufeinander. Der Unfallverursacher verschwindet, ohne Hilfe zu rufen – zurück bleibt ein 19-Jähriger, der noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen erliegt. Später stellt sich heraus, dass der Flüchtige vorher getrunken hatte und trotz Fahrverbotes ins Auto gestiegen war. Nun, über ein Jahr später, saß er am Memminger Amtsgericht auf der Anklagebank.

Der Zuschauerraum des Gerichtssaals war voll: Familie und Freunde des Verstorbenen waren gekommen, um den Prozess zu verfolgen. Seine Eltern und sein Bruder traten als Nebenkläger auf. Die Eltern des Verstorbenen erzählten, dass er letztes Jahr die elfte Klasse der FOS besucht hatte – dieses Jahr hätte er das Abitur machen sollen. Statt sich aber mit ihrem Sohn darüber zu freuen und auf einen neuen Lebensabschnitt vorzubereiten, mussten seine Eltern nun bereits zum zweiten Mal im Amtsgericht Memmingen warten. Denn eigentlich hätte die Verhandlung gegen den 27-jährigen Angeklagten schon im April stattfinden sollen, er war jedoch nicht erschienen und ließ den Termin platzen. Anscheinend war er wohl zwei Tage vor dem Prozesstermin nach Polen gefahren – angeblich, um einen Ausweis zu verlängern. Für Richterin Barbara Roßdeutscher eine „absolute Frechheit und Unverschämtheit den Angehörigen gegenüber“.

Am Abend des 29. April 2018 war der 27-jährige Angeklagte laut Staatsanwaltschaft trotz Fahrverbotes und 0,95 Promille im Blut auf der Landstraße zwischen Lamerdingen und Ettringen unterwegs. In einer langgezogenen Rechtskurve kam er auf die Gegenfahrbahn und prallte frontal auf das Auto eines 19-Jährigen aus dem Raum Landsberg. Der Jugendliche wurde so schwer verletzt, dass er noch an der Unfallstelle starb. Der 27-Jährige machte sich zu Fuß davon.

19-Jähriger stirbt nach Crash bei Ettringen

Beim Unfall zwischen Ettringen und Lamerdingen kam gestern der 19-jährige Fahrer des Opel Corsa ums Leben. © Krivacek
Beim Unfall zwischen Ettringen und Lamerdingen kam gestern der 19-jährige Fahrer des Opel Corsa ums Leben. © Krivacek
Beim Unfall zwischen Ettringen und Lamerdingen kam gestern der 19-jährige Fahrer des Opel Corsa ums Leben. © Krivacek
Beim Unfall zwischen Ettringen und Lamerdingen kam gestern der 19-jährige Fahrer des Opel Corsa ums Leben. © Krivacek
Beim Unfall zwischen Ettringen und Lamerdingen kam gestern der 19-jährige Fahrer des Opel Corsa ums Leben. © Krivacek
Beim Unfall zwischen Ettringen und Lamerdingen kam gestern der 19-jährige Fahrer des Opel Corsa ums Leben. © Krivacek
Beim Unfall zwischen Ettringen und Lamerdingen kam gestern der 19-jährige Fahrer des Opel Corsa ums Leben. © Krivacek
Beim Unfall zwischen Ettringen und Lamerdingen kam gestern der 19-jährige Fahrer des Opel Corsa ums Leben. © Krivacek
Beim Unfall zwischen Ettringen und Lamerdingen kam gestern der 19-jährige Fahrer des Opel Corsa ums Leben. © Krivacek
Beim Unfall zwischen Ettringen und Lamerdingen kam gestern der 19-jährige Fahrer des Opel Corsa ums Leben. © Krivacek
Beim Unfall zwischen Ettringen und Lamerdingen kam gestern der 19-jährige Fahrer des Opel Corsa ums Leben. © Krivacek
Beim Unfall zwischen Ettringen und Lamerdingen kam gestern der 19-jährige Fahrer des Opel Corsa ums Leben. © Krivacek
Beim Unfall zwischen Ettringen und Lamerdingen kam gestern der 19-jährige Fahrer des Opel Corsa ums Leben. © Krivacek
Beim Unfall zwischen Ettringen und Lamerdingen kam gestern der 19-jährige Fahrer des Opel Corsa ums Leben. © Krivacek

Der Angeklagte mit polnischer Staatsbürgerschaft und Wohnsitz im Ostallgäu gab zu Beginn der Verhandlung eine Erklärung über seinen Verteidiger Janusch Nagel ab. Darin entschuldigte er sich bei den Angehörigen und räumte den Unfallhergang und seine Schuld in vollem Umfang ein. Er gab jedoch an, dass er sich an diesen Abend im April 2018 so gut wie nicht mehr erinnern könne. Er habe nur noch im Kopf, dass ihn etwas geblendet hätte – kurz darauf sei ein Knall gefolgt. Mehr wisse er nicht mehr.

Ronald Laßhof, Sachverständiger für Straßenverkehrsunfälle, hat damals die Unfallstelle untersucht. Seinen Berechnungen nach war der Angeklagte mit einer Geschwindigkeit von 105 bis 115 km/h unterwegs. Laut Einschätzung Laßhofs brauche es jedoch einiges an Können und Konzentration, um in diesem Tempo durch solch eine recht enge Kurve zu fahren.

Der 19-jährige Unfallgegner war zum Unfallzeitpunkt mit 48 bis 55 km/h unterwegs. Diese Geschwindigkeit erkläre sich daraus, dass er gerade erst einen Kreisverkehr verlassen hatte und zudem ein kleines, älteres Auto fuhr. Der Jugendliche sei laut Laßhof vollkommen korrekt gefahren und hätte sogar noch versucht, nach rechts auszuweichen – er hätte jedoch keine nennenswerte Zeit mehr für ein solches Manöver gehabt. Es gab für ihn „keine Möglichkeit, den Unfall zu vermeiden“. Als Ursache sah der Sachverständige eindeutig die Unaufmerksamkeit, überhöhte Geschwindigkeit und Alkoholisierung des Angeklagten.

Dieser Einschätzung stimmte auch Staatsanwältin Julia Prestel zu. Sie forderte eine Haftstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung für den Angeklagten. Zugunsten spreche für ihn – neben seinen eigenen Verletzungen – nur noch sein Geständnis. Die Aussage des 27-Jährigen bei der Polizei, dass er erst nach dem Unfall noch zwei Bier getrunken habe, hielt sie für „völlig abwegig“ und einen „Versuch, den Kopf ein Stück weit aus der Schlinge zu ziehen“.

Die Nebenklagevertreterin der Eltern wertete auch das Geständnis des Angeklagten nicht zu seinen Gunsten: „Ich glaube, dass Ihnen die wahre Einsicht noch fehlt.“ Sie forderte eine Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren, auch wenn keine Strafe im Verhältnis zu dem stehe, was der 27-Jährige den Eltern angetan habe.

Dem schloss sich auch ihr Kollege an, der den Bruder des Verstorbenen vertrat. Das einzige, was seiner Ansicht nach für den 27-Jährigen spreche, sei ein „halbschariges Geständnis“. Auch, nachdem man ihn schon mehrmals unter Alkohol- oder Drogeneinfluss am Steuer erwischt hatte, habe er keine Einsicht gezeigt. „Es ist ihm völlig wurscht. Er steigt wieder ins Auto.“

Verteidiger Janusch Nagel zeigte sich überzeugt, dass sein Mandant ehrliche Reue empfinde. Sich in solchen Verfahren auf ein bestimmtes Strafmaß festzulegen, halte er für „vermessen“ – die Anträge der Staatsanwältin und der Nebenklagevertreter könne er jedoch verstehen. „Er muss die Verantwortung tragen, er muss die Strafe auf sich nehmen“, sagte er über seinen Mandanten.

„Keine Strafe der Welt, kein Urteil der Welt, kann den Hinterbliebenen einen Angehörigen zurückbringen“, sagte Richterin Barbara Roßdeutscher bei der Urteilsverkündung. „Aber trotzdem: Es muss sein.“ Sie verurteilte den Angeklagten zu einem Jahr und acht Monaten Haft ohne Bewährung. Seinen Führerschein bekommt er für vier Jahre nicht mehr.

am

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