Unberechtigt in der Videokonferenz

Wenn Fremde den Unterricht stören: Bisher zwei bekannte Fälle von „Zoom-Bombing“ in der Region

Hände tippen an einem Laptop
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In der Region gab es laut Polizei bisher zwei Fälle, in denen sich Außenstehende in Online-Unterricht eingeschleust haben.
  • vonAnna Müller
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Unterallgäu – Im Januar war eine Unterallgäuer Schule deutschlandweit in den Schlagzeilen: Ein fremder Mann hatte sich in den laufenden Online-Unterricht eingeklinkt und diesen massiv gestört. Auch aus anderen Regionen kommen immer wieder Nachrichten von nervigen und geschmacklosen Aktionen, in denen Außenstehende den Unterricht stören. Ist das in Zeiten von Distanzunterricht und Online-Konferenzen jetzt ein neuer Trend?

Holger Stabik, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West bestätigt: „Das Phänomen ist mehr im Kommen.“ Deshalb habe die Polizei den Unterallgäuer Fall im Januar auch groß publik gemacht, um das Bewusstsein in der Bevölkerung dafür zu schärfen. Solche Aktionen – nach einer gängigen Plattform für Online-Konferenzen auch gerne „Zoom-Bombing“ genannt – sind nämlich kein Kavaliersdelikt.

Hier in der Region ist es laut Stabik dahingehend aber noch recht ruhig. Die Polizei habe bisher nur Kenntnis von einem weiteren Fall im Ostallgäu. Hier wurden die Ermittlungen gegen Unbekannt an die Staatsanwaltschaft weitergegeben.

Ende Januar hatte eine Unterallgäuer Mittelschule Anzeige erstattet, nachdem sich ein zu diesem Zeitpunkt noch Unbekannter Zugang zum Online-Unterricht einer neunten Klasse verschafft hatte. Laut Polizei störte er die Klasse massiv mit lauter Musik, Gesängen, Zwischenrufen und Provokationen. Noch weniger durchdacht als dieses Verhalten war dann sein nächster Schritt: Er hatte das Ganze nämlich gefilmt und stellte einen Zusammenschnitt der Stör-Aktion auf YouTube.

Auf diesem Weg gelang es der Polizei dann auch, den mutmaßlichen Täter dingfest zu machen. Es handelte sich um einen 21-Jährigen aus Augsburg, der auf seinem YouTube-Kanal regelmäßig ähnliche Videos verbreitet hatte und seine Zuschauer aufforderte, ihm Zugangsdaten zu Online-Unterrichtsstunden zu schicken. Gegen ihn wird nun wegen Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes in mehreren Fällen ermittelt. Das Gesetz sieht hierfür eine Geldstrafe oder sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vor. Übrigens hatte er auch im Unterallgäuer Fall Hilfe: Ein 14-Jähriger Schüler hatte ihm die nötigen Zugangsdaten verschafft. Ihn erwartet ein Jugendstrafverfahren.

am

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