Stadt der Filmemacher

10. Allgäuer Filmkunstwochen im Bad Wörishofer Filmhaus Huber eröffnet

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Die Eröffnung der 10. Allgäuer Filmkunstwochen moderierte Rudolf Huber (links). Für die musikalische Untermalung sorgte Ursula Glanz (rechts) und ihre Geigenschülerinnen. Als Ehrengäste begrüßt wurden die beiden Bad Wörishofer Regisseure Ursula und Matthias Stodollik (Mitte), die ihren Film „Myanmar – Land der goldenen Pagoden“ präsentierten.

Bad Wörishofen – Eigentlich hätte Kinobetreiber Rudolf Huber den Gästen gerne Schampus ausgeschenkt, doch Corona hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn das Foyer ist einfach zu eng dafür. Anlass genug gäbe es aber trotzdem, denn noch bis zum 21. Oktober laufen die 10. Allgäuer Filmkunstwochen. Den Auftakt machten am Donnerstag vergangener Woche die Bad Wörishofer Regisseure Ursula und Matthias Stodollik, die ihren Film „Myanmar – Land der goldenen Pagoden“ präsentierten. Einen Tag später, am Freitag, zeigte das Filmhaus Huber den Film „Enfant terrible“, ein Portrait über den in Bad Wörishofen geborenen Filmemacher Rainer Werner Fassbinder.

„Es war eine tolle Zeit“, lobte Rudolf Huber die vergangenen zehn Jahre, in denen er schon zusammen mit den Kinobetreibern Monika Schubert (Filmburg Marktoberdorf) und Florian Stiglhofer (Kurfilmtheater Oberstdorf) die Allgäuer Filmkunstwochen austrägt. Die Filme decken ein breites Spektrum an unterschiedlichen Themen ab, vom Tanz über Geschichte und Wissenschaft bis hin zu den bayerischen Alpen. „Unsere Kinos sind Erlebnisräume“, sagte Huber, und gleichzeitig „ein sicherer Ort zum Entspannen“. Gerade in ländlichen Regionen gehöre das Kino zur kulturellen Grundversorgung dazu. Weil Rudolf Huber immer wieder ein gutes Gespür bei der Filmauswahl beweist, bekam er zuletzt sogar von der bayerischen Staatsministerin für Digitales Judith Gerlach die Auszeichnung „Qualitativ herausragendes Jahresfilmprogramm 2019“ überreicht.

Bürgermeister Stefan Welzel bezeichnete das Kino als eine „Hybridversion aus Musik und Film“, denn an diesem Abend beantworteten nicht nur die Regisseure Ursula und Matthias Stodollik Fragen zu ihrem Film „Myanmar – Land der goldenen Pagoden“, sondern Geigenschülerinnen unter der Leitung von Ursula Glanz gaben auch ein paar klassische Filmmusiktitel zum Besten. „Das tut uns in der heutigen Zeit ganz gut“, ist sich Welzel sicher.

Spontane Idee

Die Reise nach Myanmar war eine spontane Entscheidung, wie das Ehepaar nach dem Film erklärte. Ursula Stodollik schaute sich im Fernsehen zufällig einen Reisebericht über das asiatische Land an und war davon so beeindruckt, dass sie unbedingt dorthin wollte. Vier Wochen später saßen sie und ihr Mann auch schon im Flugzeug nach Myanmar. Begeistert waren beide vor allem von den Menschen, die trotz ihres einfachen Lebens glücklich waren. Auch die unzähligen goldenen Pagoden, die Tempel mit den riesigen Buddha-Statuen, die Stelzenhäuser auf dem Inle-See, die bunten Märkte und die Ballonfahrt haben bei den beiden Bad Wörishofern mächtig Eindruck hinterlassen.

Die Geigenschülerinnen spielten verschiedene Filmmusiktitel.

Da der Andrang bei der Eröffnung so groß war und Huber einige Besucher wieder nach Hause schicken musste, gibt es für den Film „Myanmar – Land der goldenen Pagoden“ zwei zusätzliche Termine, bei denen auch die Filmemacher Ursula und Matthias Stodollik persönlich anwesend sein werden. Am Sonntag, 11. Oktober, um 18 Uhr läuft der Film in Türkheim. In Bad Wörishofen wird er am Freitag, 23. Oktober, um 20 Uhr gezeigt.

Ein „schreckliches Kind“

Am Freitag wurde ein weiterer Bad Wörishofer Regisseur vorgestellt. „Ich will doch nur, dass ihr mich liebt.“ Dieses Film-Zitat von Rainer Werner Fassbinder beherzigt in der Kneippstadt vor allem einer: Rudolf Huber, dem vor allem zu danken ist, dass RWF – wie Fassbinder gerne genannt wird und, der im Kurort am 31. Mai 1945 zur Welt kam – im städtischen Gedächtnis nicht in Vergessenheit gerät. Dazu trägt auch der neue Film „Enfant terrible“ bei, der zurzeit im Filmhaus Huber läuft und vergangenen Freitag dort seine Premiere feierte.

Der gebürtige Bad Wörishofer, der aus der Geschichte des neuen deutschen Films nicht wegzudenken ist, war schon zu Lebzeiten ein künstlerischer Provokateur, ob trotz oder gerade wegen der menschlichen Abgründe, die seine Filme aber auch sein eigenes Leben als Drogenkonsument, Sex­besessener und Machtmensch widerspiegeln. Fassbinder war exzessiv und kein Weichzeichner, genauso wenig wie Oskar Roehler, der Regisseur der Film-Biografie. Schauspieler Oliver Masucci verkörpert den radikal lebenden wie eifrigen Protagonisten. Fassbinders wechselnde Liebhaberinnen und Gefährtinnen, seine Crew, seine Obsessionen und Auseinandersetzungen mit den Um- und Zuständen der deutschen Nachkriegszeit ergeben für Roehler den rauen Stoff, aus dem sein Film gestrickt ist.

Man könnte in Bad Wörishofen auf den Gedanken kommen, eine Kneippkur hätte dem angeschlagenen Fassbinder bestimmt Heilung gebracht. „Heile Welt“ war aber nicht sein Ding. RWF fand bis zu seinem frühen Tod 1982 seine Bestimmung darin, sich an seinen sozialkritischen Film- und Theaterprojekten brutal zu verausgaben, die genau wie Roehlers und Masuccis Darstellung des „Enfant terrible“ Betroffenheit auslösten. Am 24. und 25. Oktober gibt es weitere Vorstellungen der Biografie von Rainer Werner Fassbinder.

Julia Böcken/Regine Glöckner

Das Programm zu den Allgäuer Filmkunstwochen im Filmhaus Huber findet ihr hier!

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