Bedürfnisse von Gästen, Natur und Einheimischen sollen erfüllt werden

Allgäuweites Mobilitätskonzept startet

Allgäu Parkplatz überfüllt
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Die Notwendigkeit eines Mobilitätskonzepts fürs Allgäu wird nicht erst seit Corona deutlich. Erste überfüllte Parkplätze und Verkehrshotspots will „The Urban Institute“ bis Ende März ermitteln.
  • Marco Tobisch
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Allgäu – Die Ziele sind ambitioniert. Bis Ende April sollen die Allgäuer Verkehrs-Hotspots ein Konzept für ein digitales Parkraummanagement in Händen halten. Ende 2021 soll ein integriertes Mobilitätskonzept für das gesamte Allgäu auf dem Tisch liegen. Rund 70 Teilnehmer trafen sich virtuell zur Auftaktveranstaltung des „Förderprojekts Mobilitätskonzept Allgäu“.

Eingeladen hatte die Allgäu ­GmbH. Die Aufsichtsratsvorsitzende Rita Maria Zinnecker begrüßte „alle Akteure und Experten zum Thema ÖPNV, Mobilität, Verkehr und Besucherlenkung“, einschließlich der Deutschen Bahn. Im Fokus stand ein gemeinsames Mobilitätskonzept für das gesamte Allgäu. Der erste Schritt: ein digitales Parkraummanagement als Sofortmaßnahme für die verkehrlichen Hotspots. „Staus, überfüllte Parkplätze und Falschparker haben im vergangenen Jahr bei uns und in den überregionalen Medien für Aufregung gesorgt“, sagte Zinnecker. „Auch, wenn es nur an wenigen Hot­spots der Fall war, ist es ein großes Thema, das wir angehen wollen.“

Für das Projekt ins Boot geholt hat die Allgäu GmbH die Experten dreier Beraterbüros. Die Agentur „Green City Experience“ hat die Gesamtprojektleitung inne und koordiniert die Beteiligung aller Akteursgruppen. Das „Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik“ ist als wissenschaftliche Einrichtung mit an Bord und arbeitet Interviews aus. Die Kommunen haben Ansprechpartner mit Expertise abgeordnet. Auch Bürger und weitere Experten, etwa von Verkehrsunternehmen, Polizei, Bauämtern, Hotellerie, Ministerien und eza bringen sich über die Befragungen mit ein.

Zwei Etappen

„The Urban Institute [ui]“ analysiert die Verkehrsflüsse und entwickelt das digitale Parkraummanagement. Markus Bachleitner von [ui] arbeitet bereits mit den Daten, die er zu den Besucherflüssen von den Kommunen erhalten hat. Auch Mobilfunkdaten helfen dabei, am Ende drei bis fünf verkehrliche Besucher-Hotspots zu ermitteln. Haben sich diese herauskristallisiert, schauen sich die Experten das Parkverhalten vor Ort an und zu welchen Zeiten und wo die Verkehrsbelastung besonders hoch ist. „Im Moment gibt es noch keine Liste potentieller Verkehrs- und Besucher-Hotspots. Wir schauen uns die Situation ergebnisoffen an auf Basis des Zahlenmaterials. Auch die Experteninterviews sollen bei der Analyse helfen.“ Ende März will Bachleitner die fünf Hotspots ermittelt haben. Es gehe darum, Beispiele zu erstellen, die auch anderen Orten im Allgäu helfen können.

Ähnlich sieht es mit dem Integrierten Mobilitätskonzept aus, das bis Ende des Jahres stehen soll. Auch hier sollen Bürger, Experten, Fachplaner und kommunale Vertreter ihre Erfahrungen einbringen, genauso wie Vertreter aus Wirtschaft, Naturschutz, Gesellschaft und Tourismus. Über das Jahr finden mehrere Arbeitstreffen statt. Ergebnis sind dann 15 Maßnahmen als Kernstück. Es soll der Region zur Orientierung dienen, in puncto Methodik und auch hinsichtlich der Maßnahmen.

Grundlage des Projekts sind neben der Expertise aus der Region auch wissenschaftliche Analysen, zum Beispiel zum Quell- und Ziel-Verkehr ins und im Allgäu.

Neben der tickenden Uhr ist eine weitere Herausforderung die Einbindung der bereits erarbeiteten Ideen, Maßnahmen, Ziele und Konzepte vor Ort: wie etwa das Online-Ticket von Mona und VVM. Auch die landkreisübergreifende Angleichung der Tarife für den ÖPNV, wie sie Mona vorantreibt, oder das Projekt „Modellregion Mobilität Memmingen“ sollen Berücksichtigung finden. Doppelstrukturen gelte es zu vermeiden. Wie sich bei der Auftaktveranstaltung zeigte, war dieser Punkt den Teilnehmern sehr wichtig. Ein Anliegen war ihnen auch, die Bedürfnisse der Gäste zu berücksichtigen und dass der Fokus darauf liegt, wie Autoverkehr vermieden werden kann, sprich den öffentlichen Verkehr, Carsharing und das Rad zu stärken.

Verknüpfung und Steuerung

„Was – noch ein Projekt, noch eine Studie?“, mag sich der ein oder andere denken. „Dauert das nicht alles zu lange?“ Alle bestehenden Projekt, Ideen und Konzepte liegen der Allgäu GmbH vor und werden weiterhin gesammelt. Sie zu verknüpfen ist Bestandteil des Mobilitätskonzeptes , erklärt die Allgäu ­GmbH. Der definierte Zeitraum stecke den Rahmen.

Die Verknüpfung und Steuerung von Verkehrsträgern, Verkehrsströmen und Parkraummanagement hat die Allgäu ­GmbH 2019 in ihrer Marken- und Destinationsstrategie als Ziel festgeschrieben. Beim Runden Tisch Mobilität im November 2019 forcierte der damalige Staatssekretär und jetzige Gesundheitsminister Klaus Holetschek zusammen mit Verkehrsminister Hans Reichhart das Vorhaben. Für das einjährige Förderprogramm stellt der Freistaat 200.000 Euro zur Verfügung. Wenn das Konzept steht, werden sich die Orte finanziell einbringen. Sie sind für die Bewirtschaftung ihrer Parkplätze zuständig.

Die Mobilitätsgesellschaft für den Nahverkehr im Allgäu (Mona) begrüßt das Projekt. Geschäftsführer Martin Haslach hätte sich allerdings gewünscht, dass beide Etappen – Parkraummanagement und Mobilitätskonzept – gleichzeitig angegangen werden. „Das muss man als Einheit denken“, sagt er, „wird der ÖPNV gestärkt, sind vielleicht gar nicht mehr so viele Parkplätze vor Ort nötig.“ Er hat aber Vertrauen, dass die Planer dies berücksichtigen. Zum Stand der einheitlichen ÖPNV-Tarife im Gebiet der Mona sagte er: „Es gibt eine harmonisierte Tabelle. Jetzt müssen die Städte und Landkreise entscheiden, ob ihre bisher geleisteten Zuzahlungen in der gleichen Form bleiben oder anders strukturiert werden.“

Laufende und geplante Projekte, Konzepte und Ideen nimmt Ansprechpartner Stefan Storf per E-Mail an mobilitaet@allgaeu.de entgegen.

suk

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