Therapie und Bewährung

Amtsgericht: Unterallgäuer wegen fahrlässiger Brandstiftung verurteilt

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Einen Tag zum Vergessen erlebte im März 2018 ein 41-jähriger Unterallgäuer. Wegen der Folgen seinerzeit, unter anderem ein Brand, wurde nun vor dem Memminger Amtsgericht verhandelt.

Unterallgäu – Vor zwei Jahren brannte in einer Unterallgäuer Gemeinde eine Dachgeschosswohnung; deren Bewohner wurde dabei schwer verletzt. Nun saß der heute 41-Jährige wegen fahrlässiger Brandstiftung am Memminger Amtsgericht auf der Anklagebank.

An diesem Tag im März 2018 hatte sich die Gerichtsvollzieherin angekündigt – die Wohnung sollte zwangsgeräumt werden. So richtig glauben wollte das der Angeklagte nach eigener Aussage zunächst nicht. Erst durch einen Anruf des Jugendamtes sei ihm klar geworden, dass es ernst ist. Der alleinerziehende Vater fürchtete, ohne Wohnung seinen Sohn zu verlieren, der zu diesem Zeitpunkt in der Schule war. Momentan lebt der Junge in einem Heim.

Der 41-Jährige trank große Mengen an Schnaps – rückgerechnet lag sein Blutalkoholwert bei etwa 2,7 Promille – und nahm Schmerztabletten. Dann verbarrikadierte er die Wohnungstür. Eine Matratze, die er aus dem Kinderzimmer in die Wohnküche räumte, lehnte er jedoch so unglücklich an die Küchenzeile, dass diese an einer Reihe dort aufgestellter Teelichter Feuer fing. Der 41-Jährige wollte sich in einem anderen Teil der Wohnung erhängen – und bemerkte den Brand erst, als der Feuermelder losging.

An vieles könne er sich nicht mehr erinnern, sagte der Mann am Amtsgericht, aber er habe wohl versucht, das Feuer zu löschen. Nur so könne er sich die Brandverletzungen an seinen Händen und seinem Gesicht erklären. Auch, wie er aus dem Fenster auf das Dach des Mehrfamilienhauses geflohen war, wisse er nicht mehr. Wie der Einsatzleiter der örtlichen Feuerwehr vor Gericht erzählte, hatten die Einsatzkräfte versucht, den Mann mit einer Steckleiter vom Dach zu holen. Diese habe er jedoch von sich weggestoßen, bevor er abstürzte und auf ein Glasdach fiel. Der Angeklagte zog sich dabei so schwere Verletzungen zu, dass er drei Wochen auf der Intensivstation verbringen musste. Die anderen Bewohner des Mehrfamilienhauses blieben unverletzt. Der Sachschaden in der Wohnung belief sich auf rund 100.000 Euro.

Laut eines psychiatrischen Gutachters leidet der Angeklagte an einer wahnhaften Störung. Wie der Arzt für Psychia­trie und Psychotherapie erklärte, sei in solch einem Fall eine weitere therapeutische und medikamentöse Behandlung notwendig. Verteidiger und Oberstaatsanwalt sahen das ähnlich: Beide sprachen sich in den Plädoyers für Therapieauflagen aus. Die Anklage forderte dazu eine Strafe von einem Jahr auf Bewährung sowie 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit, die Verteidigung blieb bei zehn Monaten auf Bewährung.

Bald in Therapie

Verurteilt wurde der 41-Jährige, der sowohl vor als auch nach dem Brand strafrechtlich nie auffällig geworden war, wegen fahrlässiger Brandstiftung zu einem Jahr auf Bewährung. Wichtiger waren in seinem Fall jedoch wohl die zusätzlichen Auflagen: Neben 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit ist der Mann verpflichtet, mit der Unterstützung eines Bewährungshelfers eine ambulante psychiatrische Therapie anzutreten.

Anna Müller

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