Kurzarbeit als Chance?

Arbeitsagentur blickt auf die Herausforderungen am Arbeitsmarkt 2020

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Jungen Leuten eine Ausbildung schmackhaft zu machen (wie hier bei Wanted Handwerk), wird auch 2020 eine der zentralen Aufgaben am Arbeitsmarkt sein.

Unterallgäu – Wie sich der Unterallgäuer Arbeitsmarkt im neuen Jahr entwickelt, sei aktuell noch ein „Lesen in der Glaskugel“, sagt Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. Zunehmen dürfte aber die Kurzarbeit, die Amtmann aber nicht als Zeichen des Wirtschaftsabschwungs, sondern mehr als Chance für Unternehmen und Mitarbeiter sieht.

Auch im Raum Mindelheim bewegten sich die Arbeitslosenzahlen im Vorjahr auf einem konstant niedrigen Level. Die 1,9 Prozent vom November seien einmal mehr „eine gigantisch positive Quote“ gewesen, wie Amtmann im jüngsten Jahresrückblick erklärt hatte. Damit zähle die Region zu den stärksten im gesamten Bundesgebiet.

Trotzdem müsse man heuer genau beobachten, wie Unternehmen auf konjunkturelle Einflüsse reagieren. Denn „eine ganze Reihe an Unternehmen“ habe sich zuletzt bereits über die Voraussetzungen für Kurzarbeit informiert, sagt Amtmann. Auch erste Stellenanzeigen seien schon eingegangen. Während das Thema in der Öffentlichkeit häufig als negatives Signal wahrgenommen werde, sei die Kurzarbeit für sie vielmehr „positiv besetzt“, so die Leiterin der regionalen Arbeitsagentur. Denn damit setze ein Unternehmen ein klares Zeichen, den Mitarbeiter halten zu wollen, weil er bald wieder benötigt werde. Neben der Kurzarbeit hätte sich insbesondere im letzten Winter bewährt, dass Handwerksbetriebe sich im Winterdienst engagierten. Sie hätten ihre Mitarbeiter witterungsbedingt eigentlich ausstellen müssen, brachten sich dann aber auf diesem für sie ungewohntem Terrain ein – eine Win-Win-Situation also.

Amtmann plädiert außerdem dafür, die Unternehmen sollten einen konjunkturellen Abschwung dazu nutzen, ihre Mitarbeiter weiterzuqualifizieren. „Sie sollten die Zeit gut nutzen, Personen an neue Techniken heranzuführen“, meint Amtmann vor allem im Hinblick auf die Digitalisierung. Als Beispiel, wo sich der Wandel bereits stark bemerkbar mache, nennt Alfred Falger, Leiter des Jobcenter Unterallgäu, die Banken. Sie hätten aufgrund des technischen Fortschritts auch im Unterallgäu in den letzten Jahren Mitarbeiter ausstellen müssen und an Image verloren, sagt Falger. Das zeige auch die Suche nach Auszubildenden, die für Banken zunehmend schwieriger werde.

Mit diesem Problem stehen die hiesigen Geldinstitute aber bekanntlich nicht allein da: Weil die Schere zwischen angehenden Azubis und den eigentlich vorhandenen Ausbildungsplätzen immer weiter auseinander gehe, seien Fachkräfte am Arbeitsmarkt kaum mehr verfügbar. „Die Betriebe wollen ausbilden“, sagt Amtmann, denn nur auf diese Weise lasse sich der Fachkräftemangel für sie aktuell und in naher Zukunft lösen.

Marco Tobisch

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