Das Ende eines Aufschwungs

Arbeitsagentur Kempten-Memmingen: Höhere Arbeitslosigkeit, mehr Kurzarbeit und weniger Stellen in 2020

Arbeitsagentur
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Die Arbeitsagentur Kempten-Memmingen zieht für das Jahr 2020 Bilanz: Corona hat den Arbeitsmarkt fest im Griff. Die Arbeitslosenquote steigt, die Kurzarbeit ebenfalls.

Unterallgäu – 2020 war für viele Branchen kein gutes Jahr. Corona hatte und hat den Arbeitsmarkt weiterhin fest im Griff. Noch nie waren so viele Menschen in Kurzarbeit wie im vergangenen Jahr. Die Arbeitsagentur Kempten-Memmingen zieht Bilanz. Erstaunlich: Die Arbeitslosenquote ist im Vergleich zu den letzten zehn Jahren nicht überdurchschnittlich hoch. Und auch das Unterallgäu kann von einer konstant (vergleichsweise) niedrigen Arbeitslosenquote profitieren. 

„Erfreulich hoch blieb in dieser schwierigen Zeit bis zur Jahresmitte die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Menschen im Allgäu. Und in den letzten Wochen meldeten Betriebe wieder in stärkerem Maß zusätzliche Stellen zur Besetzung als noch zur Jahresmitte“, sagt Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. „Nach einem Dreivierteljahr Leben und Arbeiten im Corona-Modus bin ich zuversichtlich, dass mit flächendeckenden Impfungen auch der Arbeitsmarkt perspektivisch Stabilität zurückgewinnt.“

Vergangenes Jahr waren durchschnittlich 12.100 Menschen arbeitslos, knapp 3.000 mehr als im Jahr zuvor. Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote erhöhte sich auf 3,1 Prozent. Sie lag um 0,7 Prozentpunkte über dem Ergebnis des Vorjahres. Insgesamt lag die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein Drittel höher. In den letzten Jahren (2017 bis 2019) erreichte der Arbeitsmarkt im bayerischen Teil des Allgäus kontinuierlich Bestmarken. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen ging seit 2014 im Jahresdurchschnitt jeweils zurück und erreichte mit etwas mehr als 9.100 arbeitslosen Menschen in 2019 den niedrigsten Wert. Diese Entwicklung konnte sich in 2020 nicht weiter fortsetzen. Mit einer Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent befindet sich das Jahr 2020 auf dem Niveau von 2016 und 2015. Und im Vergleich zur Wirtschaftskrise im Jahr 2010, in der die Arbeitslosigkeit bei 4,0 Prozent (13.427 Arbeitslosen) lag, ist das Corona-Jahr diesbezüglich noch relativ gut weggekommen. Wie in den vorausgegangenen Jahren deutete sich zunächst auch zum Jahresauftakt 2020 eine weiter anhaltende positive Entwicklung an. Nach dem ersten Lockdown Mitte März erhöhte sich im April die Zahl arbeitsloser Menschen jedoch auf etwas mehr als 12.650 Frauen und Männer, gut 2.700 mehr als im Monat zuvor. Die drastischen Einschränkungen führten im Mai zum Jahreshöchstwert von 13.475 beschäftigungslosen Menschen.

Schrittweise Öffnungen der Betriebe ließen die Zahl arbeitsloser Menschen in den Folgemonaten nahezu kontinuierlich zurückgehen. Mit 11.821 Betroffenen wurde im Oktober die niedrigste Zahl in der bisherigen Corona-Pandemie erreicht. Lediglich im August führte das Ende von schulischen und betrieblichen Ausbildungen zu einer vorübergehenden Zunahme vor allem bei Jüngeren, die nach ihrer Ausbildung nicht übernommen wurden bzw. sich anderweitig beruflich orientierten. Wie in den Jahren zuvor erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen in den Schlussmonaten November und Dezember. Insbesondere aus dem Tourismusgewerbe meldeten sich Kräfte neu arbeitslos.

Der Jahresvergleich zeigt auch, dass Männer stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind als Frauen. Knapp 55 Prozent aller arbeitslosen Menschen sind männlich, 45 Prozent sind Frauen. Das hat auch damit zu tun, dass Männer stärker im verarbeitenden Gewerbe tätig sind. In diesem Bereich ist die Beschäftigung zurückgegangen. Frauen sind vermehrt in Branchen tätig, die in der Pandemie stark gefordert waren, wie zum Beispiel Pflege, Verkauf und Dienstleistung.

So viel Kurzarbeit wie noch nie

Viele Betriebe griffen letztes Jahr auf das Instrument der Kurzarbeit zurück, um eben ihren Mitarbeitern nicht kündigen zu müssen. Nach den pandemiebedingten Einschränkungen zeigten Unternehmen vor allem in den Monaten März, April und Mai Kurzarbeit aus konjunkturellen Gründen in einem bisher nicht gekannten Umfang an. Zum Höhepunkt arbeiteten in den Monaten April und Mai jeweils annähernd 60.000 Beschäftigte verkürzt. Ab Juni und in den Folgemonaten gaben Betriebe zunächst aufgrund der Lockerungen deutlich weniger neue Anzeigen auf Kurzarbeit herein. Zuletzt nahmen diese in den Monaten November und Dezember als Folge der erneuten Corona-Einschränkungen aber wieder zu. Im Jahresverlauf hat die Agentur für Arbeit insgesamt 180 Millionen Euro an Beitragsmitteln für die Zahlung von konjunkturellem Kurzarbeitergeld inklusive Erstattung der anteiligen Sozialversicherungsbeiträge aufgewendet.

Der starke Bedarf an Arbeitskräften, den Unternehmen in den letzten Jahren gemeldet hatten, fiel im vergangenen Jahr aufgrund der Pandemie deutlich niedriger aus. Waren in den Jahren 2018 und 2019 noch 6.700 bzw. 6.900 Beschäftigungsangebote jahresdurchschnittlich verfügbar, ging die Nachfrage nach Mitarbeitern zuletzt in 2020 auf einen Bedarf von annähernd 4.900 Stellenangebote zurück.

Regionale Unterschiede

Parallel zum Agenturbezirk erhöhte sich die Arbeitslosenquote auch in den Regionen Mindelheim und Marktoberdorf um jeweils 0,7 Prozentpunkte. Etwas höher fiel die Differenz für die Wirtschaftsräume Kempten und Memmingen mit einem Zuwachs um 0,8 Prozentpunkte aus. Das höchste Plus registrierten der Landkreis Lindau und die Region Füssen mit einem Zuwachs um 0,9 bzw. einem Prozent. Besser lief es im Wirtschaftsraum Kaufbeuren und im südlichen Oberallgäu. Hier erhöhte sich die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote lediglich um 0,6 Prozentpunkte. Die niedrigsten Arbeitslosenquoten erreichten die Wirtschaftsräume Mindelheim und Marktoberdorf mit 2,7 bzw. 2,8 Prozent im Jahresdurchschnitt. Alle übrigen Regionen verzeichneten bei der Arbeitslosenquote im Schnitt eine Drei vor dem Komma. Auch bei der Betrachtung der einzelnen kommunalen Gebietskörperschaften ergaben sich in allen Bereichen höhere Arbeitslosenquoten als in den Jahren zuvor. Die Landkreise Unterallgäu, Ostallgäu und Oberallgäu erzielten eine Zwei vor dem Komma.

Zum Jahreswechsel höhere Arbeitslosigkeit

Zum Jahreswechsel nahm die Arbeitslosigkeit im Allgäu zu. Im Dezember erreichte die Arbeitslosenquote laut der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen den Wert von 3,2 Prozent. Sie lag damit um 0,1 Prozentpunkte über der Novembermarke. Im Dezember 2019 hatte die Arbeitslosenquote noch ein merklich günstigeres Ergebnis von 2,5 Prozent erzielt. Aktuell waren etwas mehr als 12.360 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, 250 mehr als im November. Die seit dem 16. Dezember verschärften Corona-Maßnahmen sind in der Statistik noch nicht abgebildet. Die Regionen Kaufbeuren, Mindelheim und Memmingen erreichten mit einem Zuwachs um 0,6 Prozentpunkte im Jahresvergleich eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten im Agenturbezirk, da diese Wirtschaftsräume stärker von Betrieben des verarbeitenden Gewerbes geprägt sind. Lindau und Füssen leiden am meisten unter der Pandemie, profitieren sie doch überwiegend vom Tourismus. Dort herrscht nun eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit. Das Unterallgäu steht nach wie vor am besten da. Mit einer Arbeitslosenquote von 2,4 Prozent ist das Unterallgäu die einzige Region mit einer Zwei vor dem Komma

wk

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