„Bezahlbarer Wohnraum“

Architekt stellt im Wörishofer Stadtrat Pläne für das Schwermer-Areal vor

Pläne Schwermer Areal
+
So sehen die Pläne des neuen Schwermer-Areals aus, die Projektentwickler Peter Baur am Montag vorgestellt hat.
  • vonOliver Sommer
    schließen

Bad Wörishofen – Zum ersten Mal hat die Öffentlichkeit die Pläne für das Schwermer-Areal der Zukunft zu sehen bekommen. In der Stadtratssitzung am Montag stellte der Projektentwickler Peter Baur seine Pläne vor, neben Doppel- und Reihenhäusern sollen auf dem knapp eineinhalb Hektar großen Gewerbeareal auch Mehrfamilienhäuser entstehen. Insgesamt will der Architekt Platz für 90 Familien schaffen, dazu kommen eine innovative Energieversorgung und unterirdische Stellplätze. Von den Stadträten wurde das Projekt begeistert aufgenommen.

„Was genau es werden wird, ist bis jetzt nicht bekannt“, machte Bürgermeister Stefan Welzel noch kurz ein Geheimnis um die Pläne, auch wenn das eine oder andere Detail, zumindest im Groben, bekannt war. Schon kurz nach dem Ende der Produktion des Süßwarenherstellers Schwermer war klar, dass auf dem Areal der Firma in der Gartenstadt Wohnraum entstehen sollte. Friedrich Plail, damaliger Geschäftsführer der Firma, stand in Verhandlungen für die Nachnutzung des 14.703 Quadratmeter großen Betriebsgeländes. Und eigentlich sollte die 8.000 Quadratmeter überspannende Produktionshalle auch schon „weg sein“, so Peter Baur, Partner der NMJJ- Projektentwicklungsgesellschaft aus Bad Wörishofen, der das Areal gehört. Gemeinsam mit Eduard Obermeier von LARS consult aus Memmingen, verantwortlich für die Bauleitplanung, stellte der Mindelheimer Architekt die Pläne für das Areal vor und lüftete gleichsam den Vorhang für das Projekt.

Im Herbst 2022 fertig?

Nachdem in der Sitzung auch ein Beschluss zur Änderung des vorhandenen Bebauungsplans (bzw. eine Aufstellung) zur Abstimmung kommen sollte und auch ein Beschluss zur Änderung des Flächennutzungsplans, ging Peter Baur bei der Vorstellung des Bebauungskonzeptes in die Vollen. Neben Fakten zum Grundstück in der Königsberger Straße selbst zeigte Baur auch die Entwurfsplanung, Lagepläne und das Erschließungskonzept, ging auf die Stellplatzsituation ein sowie die Gedanken, die man sich zum Thema Energieversorgung gemacht hatte und schloss mit der ungefähren Zeitschiene, die nach jetzigem Stand eine Fertigstellung bis zum Oktober 2022 vorsieht. Allerdings nur, wenn es keine groben Verzögerungen gibt.

Eigentlich sollte die Halle bereits weg sein, so Baur. Doch der Naturschutz habe dem Abriss nicht zugestimmt. Zuerst müsse in der alten Produktionshalle eine Bestandsaufnahme stattfinden – eventuell, so Baur, könnten Fledermäuse in dem Gebäude nisten und leben. Die Kartierung werde im Juni oder Juli stattfinden. Daran könnte sich im Sommer die Abrissarbeiten (voraussichtlich Juli oder August) anschließen – und im September dann das Bauleitverfahren, sodass man im Oktober mit der Erschließung beginnen könne. Derzeit kalkuliert Baur mit einer zwölf bis 14-monatigen Bauphase, sodass im Oktober 2022 die Gebäude bezugsfertig sein könnten.

Womit der Architekt zu den Plänen und der Motivation überleitete. „In Bad Wörishofen fehlt Wohnraum“, so Peter Baur. Vor allem fehlt es, wie sich auch in der Diskussion zeigte, an bezahlbarem Wohnraum. Den will Baur mit diversen Wohnformen schaffen, nicht mehr als zehn Euro pro Quadratmeter sollen die nach KfW55-Standard gebauten Wohnungen und Häuser kosten. Wobei Baur betonte, sein Investor, der nicht namentlich genannt wurde, wolle zu 100 Prozent nur vermieten. Und der Startpreis für die Miete werde deutlich niedriger sein als in der (Kern-)Stadt. Zusätzlich sollen niedrige Nebenkosten inklusive einem innovativen Energiekonzept für den Wohnraum erschwinglich machen.

Highlight Energieversorgung

Auf der knapp eineinhalb Hektar großen Liegenschaft sollen nach den Plänen Baurs im nördlichen Bereich vier Doppelhäuser mit eigenen Garagen an einer neu zu bauenden Erschließungsstraße entstehen. Die Reihe voll macht dann das erste von drei Mehrfamilienhäusern, die vor allem die östliche Seite des Areals dominieren und Platz für 58 Mieter in unterschiedlichen Wohnungen inklusive einem Pent­house bieten werden. Die drei Mehrfamilienhäuser bekommen zudem eine eigene Tiefgarage. Auch die Reihenhäuser auf der Westseite der neuen Stichstraße, aufgeteilt in zwei nord-süd verlaufende Blöcke mit acht bzw. fünf Einzelhäusern und zwei ost-west angelegten Blöcken mit ebenfalls fünf und einmal sechs Einzelhäusern, erhalten eine eigene Tiefgarage, die von der Königsberger Straße angefahren werden kann. In zwei der drei Mehrfamilienhäuser, die sich um einen zentralen Zugang arrangieren, ist zudem eine kleine Gastronomie oder Nahversorgung möglich. Zudem soll es oberirdische Stellplätze für Besucher geben und Lösungen für Fahrradfahrer. Highlight in den Plänen sind nicht nur die Photovoltaikanlagen, sondern das geplante Energieversorgungskonzept. Das sieht eine zentrale Wärmeerzeugung für alle Wohneinheiten vor. Dabei soll eine Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) mit einem Blockheizkraftwerk zum Einsatz kommen. Den Worten Baurs konnte man entnehmen, dass mithilfe der Solarzellen Wasserstoff (Elektrolyse) erzeugt werden soll, mit dessen Hilfe wiederum Methangas als Energieträger produziert wird. Mit dieser Power-to-Gas-Anlage ist eine konstante Wärme- und Stromerzeugung mit Zwischenspeicher möglich, über ein Nahwärmenetz werden dann die einzelnen Wohnungen versorgt. Das sei die Zukunft, so Baur. Vergleichbare, vor allem CO2-neutrale Anlagen gebe es beispielsweise bereits in Augsburg.

Futuristisch hört sich auch eine weitere Idee an, die Baur vorstellte: Man wolle ein Carsharing-Konzept anbieten, bis zu vier Elektroautos sollen den Bewohnern der Wohnanlage zur Verfügung stehen und somit den Zweitwagen zum Shopping ersetzen. Außerdem dienen diese E-Autos auch als Pufferspeicher für den Sonnenstrom. Entsprechende Wallboxen für die gesetzlich geforderte Elektromobilität sollen das Mobilitätskonzept in der Wohnanlage abrunden.

Innovative Geschichte

In Summe eine innovative Geschichte, befand Baur. Man wolle Vorreiter sein und dafür nehme der Investor auch richtig Geld in die Hand. „Eine schöne Portion Mietwohnungen“, befand dann auch Dr. Doris Hofer und lobte die Planung. Für die allerdings, wie Eduard Obermeier einräumte, an die 40 große Bäume fallen müssen bzw. schon gefallen sind, weil sie für den Abriss im Weg sind. Dafür aber plant man Ersatzpflanzungen, mindestens 30 teils große Bäume können wieder auf dem Areal wachsen, weitere könnten als Kompensation im Stadtgebiet gepflanzt werden.

Auch von anderen Seiten gab es Lob für die Planungen, die allerdings eine massive Betonbauweise vorsehen und lediglich Holzverschalungen einplanen. Zum einen sei der Holzpreis massiv gestiegen, meinte Baur, zum anderen hätten die örtlichen Holzverarbeiter keine Kapazitäten mehr frei. Hinsichtlich der Vorschläge Hofers nach „Wasser auf der Anlage“ gab sich Baur offen; eine Wassertretanlage oder ein Teich seien möglich und man sei bereit, die Ideen umzusetzen.

Pläne, die auch in der Verwaltung und beim Bürgermeister auf große Zustimmung stießen. Wobei Stefan Welzel anmerkte, dass auch, wenn es Wohnbedarf gebe, das „in Bad Wörishofen schon etwas Besonderes“ sein sollte.

In der kommenden Bauausschusssitzung am 19. April sollen dann weitere Details diskutiert werden. Nun aber stimmten die Stadträte zunächst dafür, die Bebauungspläne zu ändern bzw. einen neuen aufzustellen. So wird das Areal von einem Mischgebiet mit Gewerbe und Wohnen zu einem reinem Wohngebiet, neu sind öffentliche Straßen auf dem Areal. Und entsprechend muss auch der Flächennutzungsplan für das gut fünf Hektar umfassende Gebiet geändert werden.

Oliver Sommer

Auch interessant

Meistgelesen

Bombendrohung gegen Unterallgäuer Impfzentren: Polizei gibt Entwarnung
Bombendrohung gegen Unterallgäuer Impfzentren: Polizei gibt Entwarnung
Schwarz gekleidete Unbekannte schlagen auf Mindelheimer ein
Schwarz gekleidete Unbekannte schlagen auf Mindelheimer ein
Landratsamt schlüsselt auf: Wo genau im Unterallgäu das Coronavirus nachgewiesen wurde
Landratsamt schlüsselt auf: Wo genau im Unterallgäu das Coronavirus nachgewiesen wurde

Kommentare