Aufklärungsversuch: Bürgerinitiative „Lautenwirtswiese“ stellte sich Bürgern

Mit allen Mitteln für einen Erhalt

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Die Lautenwirtswiese soll, laut der Initiatorinnen, auch in Zukunft Wiese bleiben und ein Platz für jedermann sein.

Mindelheim – Es geht weiter mit dem Thema „Lautenwirtswiese“: Bereits vor einem Monat hatte der Stadtrat zu einer Veranstaltung im Forum geladen, zu der jedoch die Initiatorinnen der Bürgerinitiative – die sich für den Erhalt der Wiese ausspricht – nicht erschienen waren (Der Wochen KURIER berichtete). Nun hat die Initiative selbst zur Infoveranstaltung ins Forum Mindelheim eingeladen. Aufklärungsarbeit wollten die Initiatorinnen damit leisten.

Der Widerstand gegen eine Bebauung der Wiese habe sich bei ihnen kurz nach dem 17. August formiert, erklärte Susanne Streitel den Interessierten, die zur Infoveranstaltung gekommen waren. An diesem Tag habe man einem Familien-Picknick beigewohnt, zu dem auch Stadträte hinzugekommen waren. Ziel dieses Picknicks sollte ein Dialog zwischen Stadt und Anliegern sein, erinnert sich Streitel.

Um Einfluss auf die mögliche Bebauung zu erhalten, hat sich die Initiative schließlich gegründet; die im Anschluss daran gesammelten Unterschriften sollten für ein dazu notwendiges Bürgerbegehren reichen. Als die Stadt Mindelheim daraufhin kurzfristig einen Termin für die erste Informationsveranstaltung zum Bürgerbegehren bekannt gab, war dies den Initiatorinnen allerdings terminlich zu kurzfristig gewesen. Deshalb habe man sich nun für eine eigene Infoveranstaltung entschieden.

Ziel der Bürgerinitiative ist der Erhalt der Wiese als Gemeinbedarfsfläche für die Zukunft. Gleichzeitig sprechen die Initiatorinnen der Wiese auch großen ökologischen Nutzen zu, da die Wiese mehr Sauerstoff produzieren würde, als die gleiche Menge Wald. Diese ungedüngte und ungespritzte Fläche sei auch Wohnraum für viele Insekten und Pflanzen. Sollte die Stadt bebauen, wäre nicht mehr viel übrig von diesem „grünen Herzen“ Mindelheims, bedauerten die zwei Initiatorinnen. Man solle doch zuerst andere brach liegende Grundstücke bebauen, wie zum Beispiel das ehemalige Riebel-Gelände oder Flächen im Mindelheimer Norden. Gerade eine wachsene Stadt wie Mindelheim sollte vorausschauend planen und nicht vorschnell die Wiese „opfern“, erklärten sie. Denn ohne das Bewahren stadtnaher Flächen gäbe es heute kein Seniorenzentrum und keine Förderschule am Lautenwirtsgäßchen.

Michael Thiede von Real Estate Solutions, der ebenfalls als Gast der Infoveranstaltung beiwohnte, erklärte anschließend, dass das Kloster für den Plan verantwortlich sei und man kein Grundstück ohne Zweck dem Gemeinbedarf zuteilen kann. Laut der Stadt Mindelheim sei kein Bedarf gegeben, sagte er. Dort wo jetzt die Einfamilienhäuser an der Lautenwirtswiese stehen, waren ursprünglich Geschosswohnungen geplant. Der Bedarf herrschte damals schon. Mit einer schönen Wiese und Sauerstoffproduzierung gegen eine Bebauung zu argumentieren, halte er für schlecht.

Auch an diesem Abend sollten einige Stadtratsmitglieder vor Ort sein. So äußerte sich etwa Stadtrat Peter Miller (ÖDP), dass er sich seit 25 Jahren mit Ökologie beschäftige. Zunächst bestätigte er, dass eine Wiese 50 Prozent mehr Sauerstoff als ein Wald produziert, jedoch speichere ein Baum den Sauerstoff in seinem Stamm. Eine Wiese dagegen rottet und speichert nichts. Somit nutze ein Baum mehr als die Wiese. Ökologisch gesehen, mache es auch keinen Sinn im Norden zu bauen, aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens. In einigen Jahren müsse die Stadt weiter im Norden planen, doch nötig sei dies noch nicht, erklärte Miller. Zum allgemeinen Verständnis erklärte er noch einmal, dass jedes Begehren – auch das der Initiative – von einer Bebauung ausginge, die Wiese als solche also nicht bleiben würde.

Auch Stadtrat Christoph Walter (CSU) versuchte den Inititorinnen nahe zu bringen, dass Wohnungsnot in Mindelheim ein massives Problem sei und dauerhaft Thema des Stadtrates und der Verwaltung. Da auch der Verkehr in Mindelheim zunähme, möchte man nicht noch mehr dazu beitragen, indem man den Norden bebaue.

Noch einmal pflichtete Schwester Marianne als Vertreterin des Klosters, dass man für eine Bebauung im Norden Ausgleichsflächen bräuchte und für die Bebauung der Lautenwirtswiese nicht. „Man kann es nicht so darstellen, dass die Kirche nur abzocken möchte“, konterte sie. Das Kloster habe die letzten 500 Jahre einiges für die Stadt getan und jetzt sei es an der Reihe, den Schwestern etwas Gutes zu tun. Schließlich offenbarte sie den anwesenden Zuhörern, dass ein Kindergarten alleine nicht entstehen könne, da das Kloster nicht verkaufen werde, weil es vom „Gesamtpaket“ der Baumaßnahmen überzeugt sei.

Stadtrat Stefan Drexel (FW) fragte die anwesenden Vertreter der Schulen, ob Bedarf bestünde, was ihm die Stellvertretende Schulleiterin der Mittelschule Elfriede Röthinger als auch Angela Börner, Schulleiterin der Grundschule, verneinten. Für die Grundschule sei die Strecke viel zu weit, um dort in Zukunft eine Turnhalle oder ähnliches zu bauen. Schließlich erinnerte Christoph Walter noch einmal daran, dass man nicht gegen, sondern für die Bürger planen wolle. Der Bebauungsplan sei im Vorfeld ausführlich diskutiert worden, der Stadtrat habe jede Schule befragt. Jetzt habe man das Gefühl, dass die Bürgerinitiative einen Bedarf zu finden versucht, der einfach nicht existiere.

Dass eine große Anzahl der Bürger für den Erhalt der Wiese gewesen sei, daran hielt Susanne Streitel noch einmal fest. Diese sollten auch mitsprechen können. Man könne doch gemeinsam eine Lösung, einen Mittelweg finden.

von Antonela Kelava

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