Zweiter Roman nach "Der Bornholm-Code" in Planung

Autor Thorsten Oliver Rehm: "Tiefgang im doppelten Sinne"

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Sieben Jahre lang hat Thorsten Oliver Rehm aus Irsingen an seinem ersten Roman „Der Bornholm-Code“ geschrieben. Ideen für sein nächstes Werk hat er bereits.

Türkheim – Ein „sehr, sehr schönes Gefühl“ sei das gewesen, als er endlich das Wort „Ende“ symbolisch auf die letzte seiner 518 Seiten gesetzt hatte. Auch wenn dieses heutzutage im Buchdruck eigentlich nicht mehr auftaucht, wie Autor Thorsten Oliver Rehm im Gespräch mit dem Wochen KURIER verrät. Dass er seinen ersten Roman „Der Bornholm-Code“ veröffentlicht hat, liegt bereits ein paar Tage zurück: Seit dem 8. Dezember letzten Jahres besucht der Irsinger beispielsweise Buchmessen oder hält Lesungen, um seinen Roman publik zu machen – was bei zahlreichen positiven Feedbacks freilich auch dazu motiviert, ein weiteres Buch zu schreiben.

Zunächst aber zum „Bornholm-Code“: Darin geht es um ein rätselhaftes Schiffswrack, das vor der Ostseeinsel Bornholm gefunden wurde. Dieses weckt auch den Forschergeist von Hauptfigur Frank Stebe, der sich zehn Jahre zuvor mit seinem einstigen Arbeitgeber – einem Forschungsinstitut – überworfen hatte. Als sein ehemaliger Kollege ihn aber wegen den Wracks um Hilfe bittet, beißt Stebe an. Nach einer wasserarchäologischen Grabung stoßen die beiden auf interessante Spuren, geraten aber auch ins Fadenkreuz einer fanatischen Organisation. Auch der sagenumwobene Nibelungenschatz spielt eine Rolle. „Gut, dass den in der Zwischenzeit nicht zufällig jemand gefunden hat“, lacht Rehm.

Gier und Fanatismus

Dabei beleuchtet der Autor auf seinen 518 Seiten aber nicht nur alte Geschichte sondern blickt auch tief in die Psyche des Menschen. „Gier und was sie aus Menschen machen kann“ sei beispielsweise ein zentraler Aspekt im „Bornholm-Code“. Auch die nicht immer klare Grenze zwischen Leidenschaft und Fanatismus werde deutlich. „Was bin ich bereit zu tun, um ein Ziel zu erreichen?“, fragt Rehm in diesem Zusammenhang. So gebe es im Roman Figuren, die zwar das richtige wollen aber sich trotzdem in einer Grauzone bewegen.

„Ich habe das Bestreben, dass mein Buch die Menschen berührt und zum Nachdenken anregt“, wünscht sich der 48-Jährige. Rehm ordnet es dem Genre der „spannenden Romane“ zu – „Thriller“-Elemente seien zwar auch allgegenwärtig aber „nicht so dominant wie bei einem Thriller-Thriller“. Wichtig war dem Autor nämlich auch, geschichtliche Informationen zu verpacken. „Wenn man das Buch durchgelesen hat, dann hat man auch über Archäologie und deutsche Geschichte dazugelernt“, meint Rehm. Diese Mischung kommt offenbar an, denn beispielsweise bei Amazon haben 42 Leser dem Autor eine Durchschnittsbewertung von 4,5 von fünf Sternen beschert. Und auch bei Online-Leserunden, wo die Diskussionsteilnehmer zum Teil mehrere hundert Bücher im Jahr lesen, sei das Feed­back positiv gewesen. „Ich habe gedacht: Hoffentlich zerreißen sie dich nicht in der Luft“, sagt der Irsinger. Stattdessen hätten ihn die Kritiker mit überwiegend positiven Worten „sehr berührt.“

Dabei hätte es auch durchaus anders kommen können: Sich hinsichtlich des Genres nicht hundertprozentig zu positionieren, das hätte theoretisch schon einige Monate zuvor das Aus bedeuten können, wie Rehm verrät. Denn ein Lektor bekomme etwa bis zu 6.000 Leseproben jährlich auf den Tisch gelegt, wovon schlussendlich etwa sechs Stück veröffentlicht würden. Und weil der Markt jedes Buch gerne einem bestimmten Genre zuschreibt, sei der Weg zum eigenen Roman mit einem Genre-Mix wesentlich schwerer – insbesondere beim Debüt. Abgegeben hätte er ein Exposé mit Seiten aus seinem Buch, Anschreiben und seiner Vita bei etlichen Verlagen. „Das ist nichts anderes als eine normale Bewerbung“, sagt der Irsinger. Der Trick dabei: Den Verlauf der Geschichte so vage wie möglich und so genau wie nötig darzustellen. Das schien dem 48-Jährigen ganz gut gelungen zu sein, denn auf seine Bewerbung hin gab es gleich drei Zusagen. „Da war ich total baff“, sagt Rehm, der mit diesem verhältnismäßig großen Zuspruch nicht gerechnet hatte. So hatte der Autor die Qual der Wahl und wählte zwei der Verlage ins Finale. „Und dann habe ich mich für den Verlag entschieden, wo ich gedacht habe, dass mein Buch am Besten reinpasst.“ Marschroute beim Ruhland-Verlag, der schließlich den Zuschlag bekam, sei nämlich, „nicht nur etwas zu erzählen sondern auch etwas zu sagen zu haben“.

Kein Belehren

Und das hat sich Rehm auch für seinen Roman auf die Fahne geschrieben. Auch zeitkritische Botschaften wolle er vermitteln. „Messages sind oft Teil von guten Geschichten. Mitunter machen gerade sie die Geschichte erst so richtig gut“, meint der Autor. Der Leser müsse sich seine Meinung selbst bilden und dürfe nicht belehrt werden. „Ich mag Bücher, die spannend und tiefgründig sind“, sagt Rehm. Und seines sei „ein Buch mit Tiefgang im doppelten Sinne“ – schließlich spielen Tauchgänge und die Unterwasserwelt ja eine gewichtige Rolle.

Dass das so ist, hat Rehm auch seinem Hobby zu verdanken. Er selbst ist „Divemaster“ und entdeckt seit Jahrzehnten gerne das Leben unterhalb der Wasseroberfläche. Deshalb sei es für ihn auch ein Leichtes gewesen, darüber zu schreiben. Wesentlich mehr Bearbeitungszeit nahm da schon die Recherche geschichtlicher Fakten in Anspruch. Auch da wisse er zwar Vieles, aber Daten und geschichtliche Ereignisse gelte es natürlich auf den Punkt korrekt darzustellen. Etwa 400 Stunden hatten Rehm die Vorarbeiten und die aufwendige Informationssuche für den „Bornholm-Code“ gekostet, stolze 2.000 Stunden investierte er insgesamt in sein Werk – das Ganze über sieben Jahre hinweg.

Und nun, wo von seinem ersten Roman schon etliche über die Ladentheke gegangen sind, entstehen allmählich Ideen für ein weiteres Buch. Rehm selbst hat Lust darauf, sein Verlag wäre ebenfalls im Boot – einziger limitierender Faktor ist die Zeit. „Familie und Beruf dürfen darunter nicht leiden“, sagt der Familienvater. „Die Zeit des Schreibens ist für mich die Zeit, die ich mir ganz für mich alleine zugestehe.“

Ideen jedenfalls hat Rehm schon: Thema werde wohl eines aus der Gegenwart mit weniger geschichtlichem Hintergrund sein – ergo auch weniger Recherche. Ferner seien auch einzelne Fragmente schon vorhanden. Diese könne man zwar anfangs noch nicht richtig greifen, aber peu à peu mit Gedanken und Eingebungen bekäme die Geschichte Substanz. Fehlt nur noch die Zeit, die es braucht, um den Roman aufzuschreiben.

Zu hören in der vhs

Wer Auszüge aus dem „Bornholm-Code“ hören will, mit Thorsten Oliver Rehm über sein Buch sprechen oder sich ein persönliches Exemplar signieren lassen will, der hat am Donnerstag, 13. Dezember, Gelegenheit dazu. Dann ist der Autor ab 19 Uhr in der Türkheimer Volkshochschule zu Gast.

Marco Tobisch

Thorsten Oliver Rehm: Der Bornholm-Code. Ruhland Verlag 2017. 518 Seiten. Überall im Handel erhältlich.

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