Prozess am Landgericht Memmingen

Bad Wörishofen: Drei Frauen mit Messer schwer verletzt - Opfer sagen vor Gericht aus

Mann mit Handschellen
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Der Mann, der die Frauen angegriffen haben soll, wurde noch in derselben Nacht von der Polizei festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.
  • vonAnna Müller
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 Memmingen/Bad Wörishofen – Ein 48-Jähriger soll im Mai 2020 in Bad Wörishofen seine Partnerin, deren Mutter und eine Nachbarin mit einem Küchenmesser attackiert haben. Alle drei Frauen wurden schwer verletzt. Nun steht der Mann wegen versuchten Totschlags und versuchten Mordes vor Gericht.

Der Angeklagte selbst wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Sein Verteidiger erklärte aber, dass es seinem Mandanten leid tue und er therapiewillig sei. Der zuständige psychiatrische Gutachter hat sich zwar noch nicht geäußert, jedoch haben mehrere Zeugen bei ihrer Vernehmung ausgesagt, dass der 48-Jährige ein Alkoholproblem habe. Auch in der Tatnacht im Mai sei er betrunken gewesen.

Am zweiten Prozesstag sagten die drei Opfer des Angriffs aus, die allesamt auch als Nebenklägerinnen auftreten. Den Anfang machte die damalige Partnerin des Angeklagten. Wie die 35-Jährige erklärte, sei der 48-Jährige nach einer verbalen Auseinandersetzung auf sie losgegangen und habe ihr einen Faustschlag verpasst, von dem sie zu Boden ging. Dann soll er mit einem Küchenmesser zweimal auf ihren linken Oberarm eingestochen haben. Durch den Tumult wachte die Mutter der Frau auf. Als der Mann sich der Rentnerin zuwandte, klammerte sich seine Partnerin laut eigener Aussage an sein Bein, um ihn von ihrer Mutter fernzuhalten. Daraufhin habe er mit dem Messer noch zweimal auf seine Partnerin eingestochen.

Die Rentnerin selbst konnte sich vor Gericht nicht daran erinnern, wie genau sie verletzt wurde. Sie sei erst nach mehreren Tagen Koma im Krankenhaus wieder aufgewacht. Laut Staatsanwaltschaft erlitt sie neben einer ganzen Reihe an Stich- und Schnittwunden eine Mittelgesichtsfraktur, eine Unterkieferfraktur, einen Schlüsselbeinbruch und ein Brillenhämatom. Außerdem habe sie mehrere Zähne verloren.

Zwischenzeitlich kam laut Zeugenaussagen eine Nachbarin angelaufen. Sie war in dieser Nacht von einem Klopfen an ihrer Tür aufgewacht. Davor stand die kleine Tochter des 35-jährigen Opfers und bat um Hilfe. Die Nachbarin ging mit dem Kind zurück zur Wohnung und fand dort nach eigener Aussage die 35-Jährige am Boden liegend vor. Über ihr sei der 48-Jährige mit dem Messer gestanden. Als die Nachbarin dem Mädchen sagte, es solle über die Treppe verschwinden, habe der Mann sie bemerkt und habe auch sie mit dem Messer verletzt. Wie die 39-jährige Frau am Memminger Landgericht erzählte, habe der Mann dann auch das Kind angreifen wollen, jedoch sei sie dazwischen gegangen und habe es in Richtung Treppe geschoben. In diesem Moment habe der Angeklagte sie von hinten am Hals gepackt und weiter auf sie eingestochen.

Als der Angreifer einen Moment durch das 35-jährige Opfer abgelenkt war, habe die Nachbarin die Gelegenheit genutzt, um zusammen mit dem Kind zu fliehen. Die beiden rannten nach draußen, wo die Frau laut um Hilfe schrie. Ein Nachbar war zu dieser späten Stunde noch wach und ließ die beiden in seine Wohnung. Ein Bekannter, der zu diesem Zeitpunkt ebenfalls vor Ort war, erinnerte sich vor Gericht, dass die Frau stark geblutet hatte. Er habe noch versucht, die Blutung mit den Händen zu stoppen, als der Angeklagte in die Wohnung gelaufen kam. Bevor er jedoch jemanden verletzen konnte, habe der Nachbar ihn mit der Faust niedergeschlagen. Gemeinsam beförderten die beiden Männer den Angeklagten dann vor die Tür und hielten sie zu. Wie der Zeuge berichtete, habe der Angeklagte dann noch ein paar Mal versucht, in die Wohnung einzudringen, dies aber nicht geschafft. Die Polizei konnte den Mann noch im Haus festnehmen.

Laut Staatsanwaltschaft wurden die drei Frauen bei dem Angriff schwer verletzt, die Mutter und die Nachbarin trugen sogar lebensgefährliche Verletzungen davon. Dies sei laut Aussage des 35-jährigen Opfers auch nicht das erste Mal gewesen, dass ihr Partner gewalttätig wird. Nur einige Tag vor den Geschehnissen im Mai habe sie ihn angezeigt, weil er sie körperlich angegriffen und ihre Tochter bedroht habe. Daraufhin sei gegen ihn ein zehntägiges Annäherungsverbot verhängt worden. Nachdem er sie jedoch gebeten habe, ihn wieder zu ihr zu lassen, habe sie die Anzeige zurückgezogen, erzählte die 35-Jährige vor Gericht. Das sei einen Tag vor dem Messerangriff gewesen.

Ein Urteil soll im Lauf der Woche fallen.

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