Wenn alles andere nicht mehr hilft

Bad Wörishofer Bauhof klärt auf: Nach Neuschnee muss Salz auf Wanderwege gestreut werden

Wald Wanderweg Schnee Winter gestreut rutschig
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Damit kein Fußgänger ausrutscht, werden Wanderwege bei Schnee gestreut, wenn nötig auch mit Salz.

Bad Wörishofen – Für Unmut bei einigen Spaziergängern haben mit Salz gestreute Wanderwege in Bad Wörishofen gesorgt. Im Bauhof der Stadt sieht man das Streuen der asphaltierten Wege aber als unumgänglich an, will man auch im Winter die Wanderwege zur Verfügung stellen. Das Stichwort dabei heißt Verkehrssicherungspflicht.

Ziemlich erregt wandten sich zwei Bad Wörishofer an die Redaktion des Wochen KURIERS und beklagten, dass auf den Wanderwegen im Eichwald „Industriesalz“ gestreut werde. „Wir ärgern uns deswegen so, weil nicht nur die Natur geschädigt wird, sondern auch die Pfoten unseres Hundes.“ Auch Wildtiere, so Marion Götz und Klaus Raschke, würden unter dem Streusalz leiden, das es, ihrer Ansicht nach, bei gerade einmal zwei Zentimeter Schnee nicht bräuchte.

Eine Auffassung, die Joachim Köck, Leiter des Betriebshofs, so nicht teilt. Am Dreikönigstag etwa habe sehr nasser Schnee gelegen, erinnert sich Köck. Während die ersten Leute noch da hindurch stapfen könnten, verfestige sich die „weiße Pracht“ aber immer mehr und irgendwann rutsche der erste Fußgänger auf dem glatten Schnee aus. Die Verwaltung, so Köck, wolle die Wanderwege in den Wäldern auch im Winter zugänglich machen. Daher gelte es, nach der Verkehrssicherungspflicht Sorge zu tragen, dass Fußgänger und Wanderer sich gefahrlos fortbewegen können.

Während die natürlichen Wald- aber auch gekiesten Wege allenfalls geräumt werden, müssen asphaltierte Gehbahnen gestreut werden. Dazu aber, so Köck, verwende man kein „Industriesalz“.Stattdessen kommt als Streumittel quasi handelsübliches Kochsalz, wie man es zum Würzen in der Küche verwendet, zum Einsatz. „Das Streusalz ist nur nicht so sauber“, erklärt Köck, sondern enthalte einfach Verunreinigungen, die bei Lebensmittel unerwünscht seien.

Auch den Vorwurf, man würde zu viel Salz auf den Straßen im Ort ausbringen, kann Köck nicht nachvollziehen. Dem Bürger ist es nicht erlaubt, etwas anderes als Splitt zu streuen, um gefährliche Wegpassagen zu sichern. Demgegenüber müssen die Kommunen aber auf den Straßen vornehmlich mit Salz die Verkehrssicherheit aufrechterhalten; Splitt, Sand oder Asche erhöhen zwar die Griffigkeit, sind aber nach Neuschnee wirkungslos. Salz hingegen wird genutzt, um Eis dauerhaft auf Wegen und Straßen abzuschmelzen.

Der Nachteil dabei: Mit dem Sickerwasser gelangt das Streugut in den Boden und reichert sich dort an. Viele Pflanzen vertragen den erhöhten Salzgehalt nicht, wie auch viele Tiere, deren Pfoten durch das Natriumchlorid gereizt werden, was bis zur Entzündung gehen kann. Selbst bei Autos kann Streusalz negative Folgen nach sich ziehen: Bauteile aus Aluminium oxidieren und die Bildung von Rost wird beschleunigt. Deshalb auch habe er an seine Mitarbeiter die Weisung gegeben, nur zu streuen, wenn dies absolut nötig sei, sagte Köck im Gespräch mit dem Wochen KURIER. Ein Widerstreit zwischen Pflichten (und Aufgaben) sowie dem Bürgerwunsch, dem sich so jede Kommune stellen muss.

som

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