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Aldi reagiert auf Milchbauern-Proteste

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Von: Melanie Springer-Restle

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Aldi wirbt auch auf seinen Fleisch-Produkten mit Tierwohl-Standards. Anhand eines weiteren Labels können Verbraucher auch die Haltungsform erfahren.
Aldi wirbt auch auf seinen Fleisch-Produkten mit Tierwohl-Standards. Anhand eines weiteren Labels können Verbraucher auch die Haltungsform erfahren. © wk

Unterallgäu – Alle fordern mehr Tierwohl, aber niemand möchte dafür bezahlen. Das wird der Bauernverband auch Aldi vor. Der Discounter werbe zwar mit Tierwohl-Standards, betreibe jedoch aggressive Niedrigpreisstrategien, wie der Bayerische Bauernverband Aldi unter anderem in einem offenen Brief vorwirft.  

In seiner Pressemitteilung möchte der Discounter ausdrücklich betonen, dass die Unternehmensgruppe großes Verständnis für die Situation der Landwirte habe. Ihr sei bewusst, dass sich die Nutztierhaltung in Deutschland in einem Transformationsprozess befinde, der in den kommenden Jahren große Veränderungen und Herausforderungen mit sich bringen würde. Dabei sei die Situation der Landwirtschaft für Aldi ein besonderes Anliegen, da die Bäuerinnen und Bauern mit die wichtigsten Partner bei der Umsetzung dieser Transformation seien. Darum werde ALDI weiterhin einen konstruktiven und partnerschaftlichen Dialog mit allen landwirtschaftlichen Vertretern führen, die diesen Weg gemeinsam mit der Unternehmensgruppe gehen möchten.

Auch werde Aldi sich weiterhin in der öffentlichen Debatte und in der Politik dafür einsetzen, dass der landwirtschaftliche Transformationsprozess für alle Beteiligten zufriedenstellend verlaufe. Dazu soll auch der angekündigte Ausbau der Tierwohl-Haltungsformen 3 und 4 im Frischfleisch- sowie im Milch-Sortiment beitragen, mit dem Aldi den Wünschen seiner Kunden nach mehr Tierwohlware aus Deutschland entsprechen möchte. Gleichzeitig möchte Aldi den Landwirten damit Planungssicherheit geben.

Mehrkosten werden auf Verbraucher umgelegt

Klar sei, so Aldi: Die höheren Kosten der Landwirte für bessere Haltungsbedingungen, zu denen unter anderem mehr Platz und Zugang zu frischer Luft für die Tiere zählen, wirken sich auf den Preis aus. Fleisch und Milch der Tierwohl-Haltungsformen kann es daher nicht zum Preis von konventioneller Ware geben. Das habe Aldi auch nicht so kommuniziert. Wie sich die Preise langfristig entwickeln, lasse sich heute jedoch noch nicht verlässlich vorhersagen. Als Handelsunternehmen sei Aldi Teil einer komplexen Lieferkette, da die Unternehmensgruppe in der Regel keine Vertragsbeziehungen zu Landwirten sondern zu den verarbeitenden Unternehmen wie Schlachtereien und Molkereien (hier sind die Landwirte oft selbst Anteilseigner) pflegen. Darüber hinaus würden viele landwirtschaftliche Produkte wie Milch oder Fleisch international gehandelt und unterlägen dadurch starken Preisschwankungen. Auch, weil die deutsche Nutztierhaltung bisher auf den Export ausgerichtet gewesen sei, müsse Aldi Bio-Fleisch oftmals aus anderen EU-Ländern einführen und konnte bislang keine ausreichenden Mengen aus deutscher Herkunft anbieten.

Schlussendlich müsse sich auch, so Aldi, der Lebensmittelhandel nach Angebot und Nachfrage auf dem Markt richten. Wie hoch der Auszahlungspreis an die Landwirte letztlich sei, könne Aldi – durch das Kartellrecht festgelegt – nicht unmittelbar beeinflussen. Erste Ideen aus dem Agrardialog für abgestimmte Preissetzungen entlang der Lieferkette seien zuletzt vom Bundeskartellamt im Sinne des Verbraucherschutzes abgelehnt worden. Dennoch sei es aus Aldis Sicht der richtige Schritt, dass die gesamte Lieferkette an einem Strang ziehe, um existenzsichernde Erlöse für die deutsche Landwirtschaft trotz der steigenden Anforderungen sicherzustellen.

Das heiße im Klartext: Preisaufschläge im Handel allein würden bei den komplexen Marktstrukturen nicht ausreichen, damit mehr Geld bei den einzelnen Landwirten ankomme oder die gesellschaftlich geforderte Transformation der Nutztierhaltung hin zu mehr Tierwohl finanziert werden könne. Vielmehr könne nur die Politik die nötigen gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen, um die laufende Transformation in geordnete Bahnen zu lenken und den landwirtschaftlichen Betrieben über Jahre hinweg finanzielle Sicherheit zu geben.

Aldis Fahrplan für mehr Tierwohl

Aldi habe aus zahlreichen Gesprächsrunden unter anderem mit Landwirten, Lieferanten, Verbänden und NGOs die folgenden Forderungen abgeleitet:

1. Zügig einen klaren rechtlichen Rahmen für die Transformation der Landwirtschaft vorlegen

2. Finanzielle Perspektiven für Landwirte schaffen

3. Baurecht für Tierwohl-Ställe vereinfachen

4. Verpflichtendes Haltungskennzeichen voranbringen.

5. Errungenschaften der Initiative Tierwohl fortführen

6. Öko-Landbau fördern

Aldi betonte, dass das Unternehmen zu seiner gesellschaftlichen Verantwortung stehe, sich gegenüber der Politik für einen ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Wandel einzusetzen.

wk/ms

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