Letzte Weichen gestellt

Bebauungsplan: Bad Wörishofer Stadtrat billigt finalen Entwurf für Hahnenfeldstraße

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In der Idylle des Bad Wörishofer Nordens entsteht ein neues Baugebiet, das nun die letzten Hürden genommen hat.

Bad Wörishofen – Nach einer durchaus lebhaften Diskussion hat der Bebauungsplan Hahnenfeld im Norden der Kneippstadt die letzten Hürden genommen. Unter anderem ging es um Besucherparkplätze und das „Bauen im Wald“. Dazu mussten noch zahlreiche Anregungen und Einwendungen abgewogen bzw. in den Entwurf aufgenommen werden.

Es war die erste Arbeitssitzung für den Wörishofer Stadtrat und dessen teilweise neugewählten Mitglieder. Hatten sie mit dem Thema Abriss des alten Pfarrheims den Anfang einer Bebauungsplanänderung zu diskutieren, so ging es beim Thema Hahnenfeld um den Abschluss einer Bebauungsplanaufstellung. Geht es am Anfang darum, die Rahmenbedingungen für ein Vorhaben festzulegen, so steht an deren Ende das fertige Regelwerk, in dem Planer, Öffentlichkeit und Behörden sowie Experten ihre Meinung eingebracht haben.

Das fragliche, 1,7 Hektar große Areal liegt an der Hahnenfeldstraße und schließt südlich an die unter Schutz stehende Lindenallee an. In dem neuen Baugebiet will die Bauträgergesellschaft sechs zwei-, drei- und viergeschossige Mehrfamilienhäuser mit unterschiedlichem Wohnungsgrundriss errichten. Dabei muss die Lindenallee erhalten werden und das Baugebiet selbst wird von Autoverkehr freigehalten. Die künftigen Bewohner können ihre Kraftfahrzeuge in Tiefgaragen unterstellen, für die Besucher soll es Stellplätze entlang der Hahnenfeldstraße geben. Dabei bat ­Daniel Pflügl (Grüne), die Pläne so zu ändern, dass die Parkenden vorwärts in die Hahnenfeldstraße abfahren müssen. Die vorgestellten Pläne sahen vor, dass die Fahrzeuge vorwärts in die Parklücke hätten fahren sollen, um dann rückwärts auszuparken; nachdem die Hahnenfeldstraße aber eine der Fahrradstraßen ist, die vor allem auch von Kindern genutzt wird und man beim Zurückfahren Fahrradfahrer nicht sehen könnte, regte Pflügl diese Änderung an, die schließlich auch in den Beschluss mit aufgenommen wurde.

Bau im Wald

Im Areal Hahnenfeld soll „bezahlbarer“ Mietwohnraum (im Gegensatz zum Areal Pfarrheim, dort Eigentumswohnungen) geschaffen werden, erklärte Bürgermeister Stefan Welzel. Dabei müsse man aber im Auge behalten, dass das Baugebiet an das FFH-Schutzgebiet (Natura 2000) grenzt bzw. Gebäude im zu schützenden Wald entstehen sollen. Dort gibt es Bestände verschiedener Fledermausarten, die derzeit kartiert werden und entsprechende Schutzmaßnahmen erfordern. So kommt die Waldfledermaus nur (noch) in Süddeutschland vor.

Dass „im Wald“ gebaut wird, liegt am Grundstück der St. Lukas-Stiftung mit der Krippenausstellung. So votierte Ludwig Filser (ÖDP), der neue Umweltreferent des Stadtrates, bei entsprechenden Fragen bzw. Beschlüssen als einziger dagegen. Die ÖDP bzw. der Bund Naturschutz hatten das Baugebiet von Anfang an kritisch gesehen und eine Nachverdichtung innerorts gefordert – deshalb auch die Einlassungen Welzels. Insbesondere stehen die fraglichen Grundstücke in der Kernstadt für eine Bebauung derzeit nicht zur Verfügung. Filser meinte auf Nachfrage des Wochen KURIERS: „Ich war mir bewusst, dass das Baugebiet bei der Abstimmung so durchgeht. Aber ich wollte das ‚Bauen im Wald‘ und den Flächenverbrauch nicht mittragen.“ In der finalen Abstimmung zum Entwurf votierte Filser mit seinen Amtskollegen. Unter anderem hatten neben dem Bund Naturschutz weitere Fachbehörden und Träger Öffentlicher Belange ihre Stellungnahmen abgegeben. Der nun vorgestellte Entwurf bzw. die Beschlussfassung tritt aber erst in Kraft, wenn der Fledermausexperte bzw. Biologe seine Kartierung und Untersuchungen auf dem Baugrundstück und dem Waldareal abgeschlossen hat. Dies soll im Sommer 2020 der Fall sein.

Weiterhin muss die Verwaltung Sorge tragen, dass eine Haftungsverzichtserklärung des Bauträgers abgegeben wird für den Fall, dass Sachschäden durch Bäume der Lindenallee (nach Starkwindereignissen etwa) auftreten. Dies soll auch als Dienstbarkeit in die Satzung des Bebauungsplans mit aufgenommen werden – und gelte auch für das Waldgrundstück und eine 15 Meter breite Waldsaumfläche. Neben einem Einfriedungsgebot muss der Eigentümer auch Fledermauskästen finanzieren bzw. aufstellen, die Brutbäume ersetzen. Die Bauanträge für das Hauptareal südlich der Lindenallee können nun ein gereicht werden, für das Waldgrundstück muss zunächst das Gutachten abgewartet werden. Die Abwägung der eingegangenen Stellungnahmen hatten das Büro für Städtebau Reiser München und das Landschaftsarchitekturbüro Mohrenweis aus Emmenhausen be- und erarbeitet. Beide Firmenvertreter trugen in der Sitzung ihre redaktionellen Stellungnahmen vor, auch der Biologe Peter Harsch kam beim Thema Fledermaus zu Wort.

Oliver Sommer

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