"Besserer Hasenstall" statt Tiefgarage

Bewusste Täuschung bei Bauantrag? Bad Wörishofer Stadtrat verweigert Zustimmung zur Tektur

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Für diese Treppe anstelle einer barrierefreien Rampe wollten die Bauwerber eine Genehmigung, die aber versagt wurde.

Bad Wörishofen – Einmal zu oft hat ein Bauwerber versucht, die Verwaltung der Stadt Bad Wörishofen zu täuschen. Nach einem „Hasenstall“, so die Sicht der Stadträte, statt einer Tiefgarage sollten sie nun eine Treppe anstatt einer barrierefreien Zuwegung zum Servicewohnen akzeptieren.

Das ehemalige Kursanatorium in der Hermann-Aust-Straße 3 wurde mit Zustimmung des Landratsamtes in ein Betreutes Wohnen mit Tagespflege umgewandelt. Bei diesem sogenannten Servicewohnen können per Mietvertrag bestimmte „Unterstützungsleistungen“ wie Hausnotruf oder ambulanter Pflegedienst in Anspruch genommen werden, somit ist dieses quasi die Vorstufe zum Pflegeheim für zumeist Senioren.

Pläne nicht eingehalten

Weshalb zu einem Betreuten Wohnen auch Parkplätze gehören, die im Fall des Kursanatoriums unterirdisch in einer Tiefgarage angelegt werden sollten. So sahen es zu mindestens die vorgelegten Pläne vor, erinnerte Bernhard Oberstaller bei seinem Vortrag. Allerdings sei seinerzeit, noch vor Baubeginn, bei der Stadt ein Tektur-Bauantrag vorgelegt worden. Dieser sah vor, die Anbindung dieser Tiefgarage nicht auszuführen sondern deren Niveau um ca. 1,50 Meter anzuheben. „Begründung des Antragstellers war seinerzeit die Notwendigkeit einer barrierefreien Zugänglichkeit zwischen der Tiefgarage und dem Hauptgebäude für die Bewohner“, so Oberstaller. Nur mit dieser niveaumäßigen Veränderung sei, so die Aussage des Antragstellers seinerzeit, die Einhaltung der Vorgaben möglich. Eine barrierefreie Rampe zwischen Garage und Haus darf demnach eine maximale Steigung von sechs Prozent nicht übersteigen, Rampen im öffentlichen Bereich und im Mietwohnungsbau müssen nach der DIN-Norm gebaut werden. Um also eine Treppen-Stufenhöhe von 36 Zentimeter zu überwinden, ergibt sich eine Rampenlänge von sechs Metern. Nun hat der Bauwerber aber nicht nur die geforderte Tiefgarage nicht verwirklicht, sondern auch keine Rampe gebaut, wie der vorgelegte, neuerliche Tektur-Plan zeigt.

So hat der Bauwerber eine Treppe angelegt und dies damit begründet, dass offensichtlich mit „unrichtigen Aufmaßen im Rahmen der ersten Tektur-Planung gearbeitet worden sei. So wären, zitierte Oberstaller den Plan, „mehrere Rampen mit Sechs-Prozent-Neigung nötig, um den Höhenunterschied tatsächlich bewältigen zu können“. Dadurch aber würde der Gartenbereich erheblich beeinträchtigt, weshalb die Stadträte nun gefordert waren, der Tektur nachträglich zuzustimmen und somit den Schwarzbau zu sanktionieren.

Keine Zugeständnisse mehr

„Der Stadtrat ist getäuscht worden“ – so sahen es Stadträte wie auch Verwaltung. Man habe seinerzeit schweren Herzens der quasi Carport-Lösung zugestimmt, die über einen Fahrstuhl und unterirdischen Gang problemlos an das Hauptgebäude hätte angeschlossen werden können. Dies umso mehr, wie einer der Stadträte erinnerte, weil deshalb eine alte Rotbuche, die auf dem Gelände gestanden hatte, gefällt werden musste. Nachdem Oberstaller Bilder vom aktuellen Zustand präsentierte, zeigten sich die Stadträte noch empörter über den mit einer Querlattung abgegrenzten Parkplatz mit Dach. „Das ist ein besserer Hasenstall statt einer Tiefgarage oder eines Carports“, sagte der Baureferent Wilfried Schreiber. Man dürfe nun keine Zugeständnisse mehr machen, so seine Auffassung, sondern müsse die Umsetzung der Pläne durchsetzen. Man sei veräppelt worden. Auch Ilse Erhard war angesichts der Fotos erschrocken: „Ich bin entsetzt, so haben wir dem nicht zugestimmt“.

Die Fotos Oberstallers lassen zudem vermuten, dass die Treppe ohne Handlauf oder Geländer auch für rüstige Senioren bzw. Personen, die gut zu Fuß sind, bei Schnee und Eis nicht mehr passierbar ist. So müssen diejenigen, die in der Garage parken, den Umweg über die Hermann-Aust-Straße und den Haupteingang der Seniorenresidenz nehmen. Interessanterweise finden sich auf der Homepage der Immobiliengesellschaft, die dieses Projekt gebaut hat, Visualisierungen des Architekten, die bereits eine Treppe, ohne Geländer, zeigen. So ist auf einem Bild die Gartenanlage mit Treppe, Bepflanzung und Beleuchtung zu sehen, wie es sie aktuell noch gar nicht gibt.

Mehr Kontrolle

Bevor die Wortbeiträge „noch heftiger“ wurden, so Paul Gruschka, ließ der Bürgermeister abstimmen. Die Räte folgen der Empfehlung Oberstallers, die Tektur nicht zu genehmigen. Nun muss das Landratsamt die Einhaltung der Pläne bzw. den Umbau der Zuwegung überwachen. Auch die Stadt werde nun dort kontrollieren, so Oberstaller auf Nachfrage.

Oliver Sommer

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