Wohlfühloasen für die Brummer

Blühpakt Bayern soll auch in Türkheim umgesetzt werden

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Auch rund um Türkheim könnte es schon bald wieder mehr Blühflächen geben. Der Gemeinderat hat sich vergangene Woche jedenfalls dafür ausgesprochen.

Türkheim – Gerade eben ist das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ bzw. zur Artenvielfalt zu Ende gegangen. Während per Gesetz den Tieren, vor allem Insekten wieder mehr Lebensraum gegeben werden soll, soll der Blühpakt Bayern der Bayerischen Staatsregierung, gemeinsam mit den Landschaftspflegeverbänden in Bayern, dafür sorgen, dass vor allem in den Kommunen Flächen geschaffen werden, wo sich die kleinen Brummer wohlfühlen. Jens Franke, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Unterallgäu, informierte die Türkheimer Gemeinderäte über den Blühpakt, im Zuge dessen aus „Eh-da-Grünflächen“ zu blühenden Wiesen werden sollen.

Drei Millionen Euro investiert das Bayerische Umweltministerium, um – in Kooperation mit den Landschaftspflegeverbänden – über die nächsten fünf Jahre insektenfreundliche Maßnahmen in den Kommunen umzusetzen. Ziel sei es, so heißt es auf der Seite

bluehpakt.bayern.de, möglichst viele bepflanzte öffentliche Flächen zu schaffen, die sich als Nahrungsquellen für Bienen eignen. Von den drei Millionen, erklärte Jens Franke, würden 60.000 Euro ins Unterallgäu fließen, wo kommunale Flächen aufgewertet und in „blühende Landschaften“ verwandelt werden sollen. Einen Eigenanteil, so Franke, müsse Türkheim erbringen – nämlich zehn Prozent , also 6.000 Euro. Allerdings schießt der Landkreis 2.500 Euro zu. Ins Boot holen möchte Franke allerdings zwei weitere Kommunen, eventuell Babenhausen und Ottobeuren, wo die Maßnahmen, die Franke erläuterte, umgesetzt werden sollen. Man habe diverse Flächen untersucht und dabei die Pflanzengesellschaften gezählt, im Schnitt gebe es 40 bis 50 Arten pro Fläche, Spitzenreiter sei eine Wiese mit 115 Arten auf dem Standort. Diese Vielfalt wieder herzustellen, ist das Ziel des Blühpaktes.

Dazu sollen auf den vorwiegend kommunalen und eben nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen die Samen von artenreichen Spenderflächen per Hand ausgebracht werden. Eine solche, eben jene mit 115 Arten, liegt bei Irsingen. Die Nektarpflanzen, die man ansiedeln möchte, sollen die vorherrschenden Gräser verdrängen und als Nahrungsgrundlage für Bienen und allerlei Insekten dienen, so Franke in seinen Ausführungen. Denn in der Folge siedeln sich wieder mehr Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten auf diesen Standorten an – zum Vorteil weiterer Pflanzenarten und wiederum weiterer Tiergesellschaften, die sich gegenseitig bedingen und brauchen. Er habe, erklärte Franke, innerhalb weniger Minuten über ein halbes Dutzend Insekten auf einer Witwenblumenwiese zählen können. Dabei sei diese eine Allerweltsblume, so Franke, wichtig einerseits und eben rar und durch die Gräser verdrängt worden.

Seit 2013 beschäftige man sich mit dem Thema, so der Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes, seit dem vergangenen Jahr besonders intensiv, nachdem 2018 die Staatsregierung den Blühpakt ausgerufen hatte. Auf Seiten der Gemeinderäte erkannte man die Chance, die die Teilnahme an dem Projekt böte, vor allem das Image, mit dem man für Türkheim werben könnte.

Und dabei bliebe die „Arbeit“ nicht auf den Landschaftspflegeverband beschränkt, wie Franke darstellte. Er erhalte von zahlreichen Gartenbesitzern und Landwirten Anfragen, ob man das nicht auf ihren Flächen machen könne. Und auch Schulen oder Kindergärten könnten bei der Aussaat mithelfen. Ein Projekt, das von den Gemeinderäten einhellig begrüßt wurde. 

Oliver Sommer

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