Am Memminger Landgericht

War es Brandstiftung? Mutter und Sohn schweigen zum Prozessauftakt

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Derzeit wird am Landgericht ein Brand vom Februar verhandelt. Einem 48-Jährigen Hofbesitzer wird vorgeworfen, diesen selbst inszeniert zu haben.

Unterallgäu/Memmingen – Besonders schwere Brandstiftung, Körperverletzung und versuchter Betrug: All das wirft die Staatsanwaltschaft Memmingen einer 79-jährigen Unterallgäuerin vor. Sie soll im vergangenen Februar den Hof ihres Sohnes in Brand gesteckt haben – weil er sie darum gebeten haben soll.

Nur fünf Tage vor dem Brand hatte der ebenfalls angeklagte 48-Jährige eine Feuer- und Sturmversicherung für das verpachtete Anwesen abgeschlossen – aus Sicht der Staatsanwaltschaft kein Zufall. Sie geht davon aus, dass die beiden aufgrund seiner „desaströsen finanziellen Situation“ abgemacht haben, den Hof anzuzünden, um die Versicherungssumme zu kassieren. Laut Anklage soll die Rentnerin deshalb in der Nacht auf den 25. Februar gegen 1 Uhr morgens Heu im Stall in Brand gesteckt haben. Ihr Sohn befand sich derweil in Ungarn; aus Sicht der Staatsanwaltschaft, um sich ein Alibi zu beschaffen.

Bis Polizei und Feuerwehr vor Ort waren, war der Stall bereits vollkommen in Flammen aufgegangen. Obwohl das Dach bereits einzustürzen drohte, schaffte es dessen Pächterin, fast alle ihrer dort untergebrachten Pferde und Kühe zu retten. Ein Tier verendete jedoch, zwei wurden laut Anklage erheblich verletzt. Bei dieser Rettungsaktion erlitt die Frau, die im Prozess als Nebenklägerin auftritt, Verbrennungen und eine Rauchgasvergiftung.

Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen des Brandes auf das angrenzende Wohnhaus zwar noch verhindern. Dennoch belief sich der Sachschaden auf rund 500.000 Euro. Die Versicherungssumme wurde bis heute nicht ausgezahlt.

Vorsitzende Richterin der 2. Strafkammer am Landgericht Sabine Schuhmann, betonte zu Beginn des ersten Verhandlungstages, dass – sollten sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft als wahr erweisen – auf diese Art der Brandstiftung eine Mindesthaftstrafe von fünf Jahren zu erwarten sei und zwar „ohne Kompromiss“.

Beide Angeklagten wollten vorerst noch keine Angaben zur Brandnacht machen. Anders die Ehefrau des 48-Jährigen: Die 44-Jährige sprach ausführlich über dessen finanzielle Verhältnisse und gesundheitlichen Zustand. Sie selbst lebt schon seit einiger Zeit getrennt von ihrem Mann, aber immer noch in der Nähe. So hat auch sie den Brand miterlebt. Geweckt habe sie in dieser Nacht starker Brandgeruch und dann ein lauter Knall. „Das hat so laut gescheppert“, sagte sie vor Gericht. Sie habe in dieser Nacht den 48-Jährigen auf dem Handy angerufen, um ihm von dem Brand zu erzählen. Wie er aber darauf reagierte, konnte sie nicht mehr sagen. Was sie auch nicht mehr wusste: Ob der 48-Jährige ihr erzählt hatte, dass seine Mutter den Hof in Brand gesteckt habe oder nicht. Bei der Festnahme ihres Mannes hatte sie das gegenüber der Kripo noch erwähnt – vor Gericht war sie sich dann nicht mehr sicher.

Verschlafen gewirkt

Der Bruder beziehungsweise Onkel der beiden Angeklagten war ebenfalls vor Ort. Während sein Sohn den Notruf wählte, habe er versucht, mit Klingeln seine Schwester aus dem Wohnhaus zu holen. Die habe jedoch erst reagiert, nachdem er in sein Haus zurückgerannt und sie von dort aus zweimal auf dem Telefon angerufen hatte. Er erinnere sich noch genau an ihren Schrei, als er ihr sagte, dass der Stall brennt, erzählte der 68-Jährige vor Gericht. Zwischenzeitlich hatte ein hinzugekommener Polizist am Haus der Rentnerin bereits mit einer Axt ein Fenster im Erdgeschoss eingeschlagen, um ins Gebäude zu gelangen und die Frau in Sicherheit zu bringen. Die schaffte es dann jedoch ohne Hilfe von selbst nach draußen. Der Polizeibeamte erzählte der Kammer, dass die Rentnerin auf ihn einen „total verschlafenen Eindruck“ gemacht habe. Für den Prozess sind vorerst sieben weitere Termine angesetzt. Ein Urteil soll voraussichtlich Mitte Dezember fallen.

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