Zukunft des Gasthofs Adler 

Bürgerentscheid am Sonntag: "Jetzt gilt’s" in Kirchheim

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Die Vereine, die im Gasthof Adler ihr neues Zuhause finden sollen, haben sich im Vorfeld des Projektes ausgiebig unterhalten. Sie stehen dem Umbau überwiegend positiv gegenüber.

Kirchheim – „Jetzt gilt’s“ – mit diesem Slogan und für ein gemeinsames Zuhause im Bürger- und Kulturzentrum Gasthof Adler hatten die Gemeinde und Vereine Kirchheims am vergangenen Sonntag zu einer Informationsveranstaltung in den Adlersaal des gleichnamigen Gasthofs eingeladen. Am kommenden Sonntag, 16. Februar, gilt es dann wirklich für die Bürger: Sie müssen sich entscheiden und ihr Kreuz machen, wenn sie die Pläne unterstützen wollen oder ablehnen. Dem Bürgerbegehren gegen den Adlerumbau steht ein Ratsbegehren entgegen, das mittlerweile alle Vereine in Kirchheim unterstützen.

Schon gleich nach der Kirche ist viel los im Adlersaal, der gleichsam guten Stube des Gasthofs Adler. Hier schlug in all den Jahrzehnten das Herz des Hauses bei Veranstaltungen und auch künftig soll sich hier das Geschehen konzentrieren. Dafür aber muss der um 1580 errichtete Adler umgebaut und ein Anbau auf der dem Marktplatz abgewandten Seite hochgezogen werden. Geschätzte Kosten: rund dreieinhalb Millionen Euro. Während die einen das Poten­zial des Umbaus sehen – immerhin würde hier eine neue Heimstätte für acht Vereine entstehen, die somit ihre teils desolaten Vereinsheime aufgeben könnten – schlagen bei den anderen angesichts der Kosten die Alarmglocken. Dabei gibt es aber außer einer Kostenschätzung für das im vergangenen März in der Bürgerversammlung vorgestellte Projekt noch keine verlässlichen Aussagen außer einer fest zugesagten Finanzspritze durch die Staatsregierung (der Wochen KURIER berichtete).

Der Adler im Ensemble der Fuggerschen Gebäude bietet viel Potenzial. Neben der Gastronomie im Erdgeschoss gibt es den großen Adlersaal, wo schon in den vergangenen Jahren die Garden tanzten und die Vereine Theater machten. Und darüber hinaus gibt es noch Gästezimmer und eine Wohnung für den Wirt sowie viel Platz unter dem Dach. All das, hat die Wiggensbacher Architektin Anja Spillner, festgestellt, könnte man nutzen, um den Vereinen ein Heim zu geben. Im neuen Anbau die Schießbahnen der Schützen und eine moderne Küche sowie Probemöglichkeiten für die Musik, im Bestand Probenräume für den Theaterverein, und viel Platz, um Kostüme zu lagern, sich umzuziehen oder die Arbeitsmittel der Vereine zu lagern. Und schlussendlich auch viel Platz für Feiern wie Hochzeiten oder der Kirchengemeinde, die gern in der Nähe der Pfarrkirche zusammenkommen würde. Fehlt nur noch ein Betreiber der Gastronomie, auch dazu sollte ein Konzept erarbeitet werden.

Mitten in Bedarfsermittlung

Die Idee für das Bürgerzentrum im Gasthof Adler wurde schon vor einiger Zeit geboren und Spillner beauftragt, dieser Idee planerisch und optisch ein Aussehen zu geben. Dann war man auf die Vereine zugegangen und hatte diese ins Boot geholt. Das muss wohl schon Ende 2017 gewesen sein, erinnert sich Tobias Dannhart, der Vorsitzende des Theatervereins. Man habe einen Fragenkatalog bekommen und der Raumbedarf der Vereine sei ermittelt worden. „Unsere Wünsche und der Bedarf wurden , wo es möglich war und zum größten Teil berücksichtigt“, sagt Dannhart. Und wo das nicht ging, etwa bei den Proberäumen für die beiden Musikgruppen, habe man sich auf einen Kompromiss geeinigt, mit dem beide Vereine leben können. Das ist den Anwesenden wichtig, alle acht Vereine zeigen Flagge und sind mit ihren Vereinsvorständen vertreten. Kommt man mit den Mitgliedern oder Vorständen ins Gespräch, bekommt man auch rasch zu hören, dass sehr wohl die Ideen der Bevölkerung mit eingeflossen sind. Die war über die Vereine eingebunden, die in Workshops am Entstehen des Bürgerzentrums mitarbeiteten. Wobei sich Vereine und Architektin ergänzten und optimale Lösungen und Vorschläge erarbeitetet hätten. Lösungen, auf deren Grundlage die Kosten für den Umbau hätten ermittelt werden sollen.

Am Sonntag konnten sich Interessierte bei den Vereinen informieren, wie sie zum Adler-Umbau stehen und warum.

Erst dann, heißt es, hätte man an die Öffentlichkeit gehen wollen. Ein Fehler, wie die Gemeinde inzwischen eingeräumt hat. Doch, das sagt etwa Hans Hampp, waren im Prinzip alle informiert, die in den Vereinen aktiv sind. Und schließlich ging die Gemeinde in der Bürgerversammlung im März 2019 mit dem Projekt an die Öffentlichkeit. Damals, so erinnert sich der zweite Bürgermeister Werner Welser, hätten alle Pläne im Adlersaal ausgelegen und jeder hätte sich ein Bild vom Projekt machen können. Wieso es dann nochmals so lange gedauert hat, bis Othniel Leitner mit der Unterschriftenaktion begann (der Wochen KURIER berichtete), weiß niemand. Was aber mittlerweile jeder sieht – und viele ärgert – ist, dass durch das Bürgerbegehren die Kostenermittlung auf Eis liegt. So hatte die Architektin im November berichtet, dass man bereits Bodenproben genommen und ein Statiker sich den Dachstuhl angesehen habe. Weitere Untersuchungen zum Zustand von Heizung und Installationen waren geplant, aber alle Arbeiten, die bis zum Zeitpunkt des Bürgerbegehrens nicht vergeben waren, liegen nun auf Eis. Deshalb auch hatte man Leitner um eine Verschiebung des Bürgerbegehrens gebeten, um alle aussagekräftigen Zahlen ermitteln zu können.

„Da beißt sich die Katze in den Schwanz“, meint Hans Hampp. Denn ohne Zahlen (der Voruntersuchungen) könne man keine realistischen Baukosten angeben. Doch genau dies möchte Othniel Leitner und schreibt: „Warum können und wollen die sich nicht festlegen?“ Das ist, vermutet der eine oder andere, auch der Grund für den Riss, der durch den Ort, teils durch die Familien, geht. Diejenigen, die die Gelegenheit genutzt und sich informiert hätten, seien für das Projekt. Sie kennen auch die vorläufigen Zahlen und wüssten, dass man mitten in den Planungen stecke, so Hampp. Deshalb auch gibt es noch keinen Erbbauvertrag, den Leitner immer wieder sehen möchte. Bislang sind alle Zusagen und Abmachungen mündlich, erklärt Hampp, auch mit dem Grafen. Demgegenüber aber stehen diejenigen, die nur die nackten Zahlen sähen und ein Millionengrab befürchten.

Welche Alternativen gibt es?

Schließlich steht da noch die Frage der Alternativen im Raum, die Othniel Leitner beschwört. Er fordert eine neue Planung unter Beteiligung der Bürger und spricht auch immer davon, dass es Alternativen zum Gasthof Adler, vor allem aber zum Standort, gebe. Aussagen, die für Kopfschütteln sorgen. Denn Leitner nennt zwar ein halbes Dutzend anderer Standorte, hat aber weder ein Konzept erarbeitet noch mit den Grundstücksbesitzern gesprochen, wie die Befürworter ihm vorwerfen. Leitner glaubt, nicht wenige Kritiker am Projekt Adler hinter sich zu wissen und möchte das neue Konzept mit den Bürgern erarbeiten, favorisiert dabei aber klar den TSV-Sportplatz. Dabei hatte sich der Vorstand des Sportvereins erst vergangene Woche noch einmal deutlich für das Adler-Konzept ausgesprochen. Auch die einem offenen Brief des TSV zugrundeliegenden Forderungen habe man in Gesprächen klären können, heißt es von beiden Seiten.

So müssen die Kirchheimer Bürger am Sonntag entscheiden, wie es weitergehen soll. Dabei dürfte klar sein, und das konnte man vergangenen Sonntag im Adlersaal deutlich spüren, dass viele Bürger das Konzept begrüßen würden. Bringt es doch viele Vorteile für die Ortsmitte des Marktes. Und auch wenn Leitner die Aussage des Ersten Bürgermeisters als Drohung sieht – dann gibt es auf Jahre keine Möglichkeiten für die Vereine – so dürfte das Adlerprojekt in seiner Dimension, auch aufgrund der Förderungen, wohl einmalig sein und bleiben. 

Oliver Sommer

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