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Cine-Maniacs-Filmfest in Türkheim: Von Aliens, Monstern und Zeitreisefernsehern

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Sie sind vom Cine-Maniacs-Filmfest in Türkheim nicht mehr wegzudenken: Thomas Zeug, bekannt für seine „2 Aliens“-Reihe und die Filmemacherinnen Hannah und Sophia Schuster mit Kai Erfurt vom Filmhaus Huber (v. links).
Sie sind vom Cine-Maniacs-Filmfest in Türkheim nicht mehr wegzudenken: Thomas Zeug, bekannt für seine „2 Aliens“-Reihe und die Filmemacherinnen Hannah und Sophia Schuster mit Kai Erfurt vom Filmhaus Huber (v. links). © Filmhaus Huber

Türkheim – Wo schlagen sich Aliens mit komplizierten philosophischen Fragen herum? Wo nimmt ein Spion seinen Auftrag in einer bunten Geschenktüte entgegen? Und wo sieht man Trailer für Filme, die gar nicht existieren? Darauf gab das Filmhaus Huber am letzten Samstag wieder die Antwort: Beim Cine-Maniacs-Festival in Türkheim.

Die vergangenen zwei Jahre haben die Kulturschaffenden hart getroffen. Umso stolzer ist Kai Erfurt vom Filmhaus Huber darauf, dass das Cine-Maniacs-Filmfest während der Pandemie kein einziges Mal pausieren musste. Termine wurden verschoben, strenge Hygienekonzepte umgesetzt – aber komplett absagen musste man die Nacht des sonderbaren Films nie. Tatsächlich ist es laut Erfurt sogar das einzige stationäre Filmfest in Deutschland, das weder ausgesetzt hat noch auf das Internet ausgewichen ist. Und ganz ehrlich: Als Online-Stream wäre Cine-Maniacs einfach nicht Cine-Maniacs.

540 Filme aus 48 Ländern wurden dieses Jahr bei dem Türkheimer Festival eingereicht. Wie wählt man da seine Favoriten aus? Ganz einfach: „Man muss es spüren“, erklärte Erfurt. Budget und technische Mittel sind nicht wichtig, bei Cine-Maniacs geht es vor allem um die Freude am Filmemachen.

Und so gab es auch dieses Jahr wieder bis morgens um 4 Uhr Spannendes, Lustiges, Emotionales und Skurriles zu sehen. Eine Lanze für die Kulturbranche brach dabei „Hamburg High Noon“. Der Kurzfilm zeigte, dass Theater, Musik und eine Schwäche für Bibi und Tina die Rettung aus der ein oder anderen verfahrenen Situation sein können – wenn man zum Beispiel zwei Gangstern der alten Schule eine größere Summe Geld schuldet.

Nutznießer des Lockdowns?

Dass uns das Coronavirus noch lange nicht losgelassen hat, sah man auch in Türkheim, sei es im prägnanten und emotionalen „+1“ oder im Kurzfilm „While We Stayed Home“ aus Israel. Letzterer zeigte, wie Maskenpflicht und lockdownbedingt menschenleere Straßen dem ein oder anderen Monster ganz neue Möglichkeiten bieten.

Rolf Höhne machte sich mit seinem Kurzfilm „Spion“ über etwas abstruse Handlungsstränge in „Mission Impossible“ und Co. lustig, während die Stammgäste aus der ersten Reihe mit „Greed“ ihren eigenen humorvollen Beitrag zum Festival lieferten.

Dieses Jahr fiel auf, dass einige der Filmemacher anscheinend eine neue Lebensphase erreicht haben: das Elterndasein. So zeigte der Kurzfilm „The Good, the Bad and the Buggy“ was passiert, wenn statusbewusste Hipsterväter auf dem Spielplatz aufeinander treffen. Und Michael Valentin, seit 15 Jahren fester Bestandteil von Cine-Maniacs, hat mit „Der Drache Feuerzahn“ das erste Drehbuch seines Sohns verfilmt. Alle wichtigen Entscheidungen in Bezug auf Handlung und filmische Umsetzung hat dabei der Sechsjährige selbst getroffen. Und so erzählt der Kurzfilm eine „uralte Geschichte, die jetzt gerade geschehen ist“ um einen Jungen, der sich in einen Drachen verwandelt und dann eine monströse 100 – ja, die Zahl – bekämpft. Dabei werden ähnlich viele Häuser zerstört wie beim Kampf zwischen Godzilla und King Kong. Man darf gespannt sein, was in Zukunft noch aus der Feder diesen jungen Autors kommen wird.

Wieder mit von der Partie war Thomas Zeug, der zur großen Freude des Publikums eine neue Folge seiner „2 Aliens“-Reihe im Gepäck hatte. Die skurrilen Abenteuer von Hämat und Quiqueck, die gemeinsam mit dem Roboter IDJ auf der QSS Bulldock durch das All reisen, genießen schon längst Kultstatus. In „Brain Freeze“ musste sich Hämat mit komplizierten philosophischen Fragen um Leben und Tod herumschlagen – und das mit nur zwei Sekunden Zeit.

Herzschmerz und ein Blick in die Zukunft

Emotional wurde es mit „Odessa“. Sophia und Hannah Schuster, Arash Akrami, Bernhard Levin und Maximilian Bauert waren mit diesem Kurzfilm um die erste große und schmerzhafte Liebe auch dieses Jahr wieder stark vertreten. Etwas fürs Herz war auch einer der drei Hauptfilme des Abends: „Das Licht, aus dem die Träume sind“ erzählt die Geschichte des kleinen Samay, der im ländlichen Indien seine Liebe zum Kino entdeckt. Fasziniert davon, wie man mit Licht Geschichten erzählen kann, baut er gemeinsam mit seinen Freunden heimlich einen eigenen Filmprojektor.

Bemerkenswert schräg kam derweil „Beyond the Infinite Two Minutes“ aus Japan daher. In diesem Film findet Cafébesitzer Kato heraus, dass sein Computerbildschirm und sein Fernseher mit einer Zeitverzögerung von zwei Minuten miteinander verbunden sind und er damit ein winziges Stück in die Zukunft schauen kann. Als seine Freunde davon erfahren, bricht das Chaos aus.

Den Abschluss machte mit dem Horror-Slasher „X“ „ein guter Film übers schlechte Filme machen“, wie es Kai Erfurt umschrieb. Es ist 1979 und auf einer abgelegenen Farm in der amerikanischen Südstaaten findet eine Pornocrew heraus, dass sie ihre höchst anspruchsvollen Film vielleicht besser doch woanders gedreht hätte. Das ältere Ehepaar, bei dem die Gruppe sich einquartiert hat, ist nämlich bei weitem nicht so harmlos, wie zuerst gedacht. Den blutigsten Hauptfilm am Schluss zu zeigen, hat bei Cine-Maniacs fast schon Tradition. So kann man schon mal sicher gehen, dass die Zuschauer für den nächtlichen Heimweg wieder schön wach sind.

Anna Müller

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