24. Filmfest-Auflage im Türkheimer Filmhaus Huber

Cine-Maniacs: Henker, Mondmädchen und eine tödliche Lederjacke

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Sie waren bei Cine-Maniacs schon zum dritten Mal vertreten: die Schwestern Hannah (rechts) und Sophia Schuster, zusammen mit Kai Erfurt vom Filmhaus Huber.

Türkheim – Das Programm stand, die Tickets waren verkauft und für das 24. Cine-Maniacs-Filmfest war alles bereit. Aber dann kam Corona und wie so vieles musste die beliebte Filmnacht abgesagt werden – jedoch nicht ganz: Vier Monate später als geplant pilgerten die Filmfans doch noch nach Türk­heim.

Bei der Moderation hatten Kai Erfurt und Annika Kähler dieses Jahr doppelt so viel zu tun: Denn um die momentan nötigen Abstände einzuhalten, wurde das Publikum diesmal auf zwei Säle aufgeteilt. Das Programm lief dort zeitversetzt, um zu verhindern, dass sich in den Pausen 120 Gäste gegenseitig auf die Füße treten. Außer am Sitzplatz galt außerdem im ganzen Gebäude Maskenpflicht – woran sich die Filmfans auch noch nachts um halb vier vorbildlich gehalten haben.

So war das 24. Cine-Maniacs-Filmfest wegen des Corona­virus zwangsweise zwar eine etwas andere Erfahrung als sonst, aber kein bisschen weniger schräg, emotional, aberwitzig und unterhaltsam. 20 Kurz- und drei Langfilme hatte das Filmhaus Huber dieses Jahr in petto. Dazu 200 Dosen Energydrinks – was kann da noch schief gehen?

Und so ging es in den Kurzfilmen unter anderem um Prostituierte, die sich aus Umweltschutzgründen nicht mehr mit dem Auto vom Straßenstrich abholen lassen wollen, um einen Henker in spe beim Bewerbungsgespräch und um einen Tankstellenwart, der auf sehr eigene und leicht brutale Weise dem Elektroauto-Trend entgegenwirkt.

Mondmädchen im Gepäck

Bereits zum dritten Mal dabei waren die Schwestern Sophia und Hannah Schuster mit „Feind oder Freund“, für den sie bereits mit dem Filmhaus-Huber-Preis und dem Hauptpreis des JuFinales ausgezeichnet wurden. Ihre Geschichte dreht sich um die junge Emma, die aus Angst vor ihrem gewalttätigen Vater ihr Zuhause verlässt und in die Drogenszene abrutscht. Diesem schwierigen und emotionalen Thema nähern sich die jüngsten Filmemacherinnen dieses Abends mit einem Feingefühl, bei dem sich so manch große Mainstream-Produktion durchaus etwas abschauen könnte. Sophia Schuster hatte sogar noch einen zweiten Film im Gepäck: „Mondmädchen“, eine Mischung aus Experimentalfilm und Stop-Motion, erzählt, wie der Mond in den Himmel kam.

Der einzige, der noch mehr Filme mitgebracht hatte, war Dennis Klose, seit 15 Jahren regelmäßiger Gast bei Cine-Maniacs. Er fasste seine drei grundverschiedenen Projekte zusammen als „einen Gangsterfilm, einen Arthouse-Streifen und einen ganz, ganz schönen Film“. Das sind respektive „Brainbomb“, „Himmelfahrt“ und „Dino-Experte“. Star von letzterem ist Kloses kleiner Sohn, der dem Publikum auf sehr charmante Art und Weise sein umfangreiches Wissen über T-Rex, Triceratops und Co. näherbrachte.

Bei den Langfilmen machte „Deerskin“ von Regisseur Quentin Dupieux den Anfang. Erweckte Dupieux in „Rubber“ einen Autoreifen zu mörderischem Leben, dreht sich sein neuester Film um eine Wildlederjacke und ihren Besitzer ­Georges. Dessen größter und etwas bizarrer Wunsch ist es, der einzige Mensch zu sein, der eine Jacke trägt. Und um diesen Traum zu verwirklichen, muss eben manchmal auch Blut fließen.

Derweil kämpfen im postapokalyptischen „Live Or Let Die“ von Manuel Urbaneck Nick und John nach dem Ausbruch eines Zombievirus ums Überleben. Die Untoten sind dabei aber bei weitem nicht ihr einziges Problem.

Extrem absurd

Den Abschluss machte an diesem Abend – oder eher Morgen – die japanisch-ghanaisch-deutsche Koproduktion „African Kung-Fu Nazis“: Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fliehen Adolf Hitler und der japanische Premierminister Hideki Tojo nach Ghana. Mit ihrer neuen Armee aus gehirngewaschenen „Ghan-Ariern“ wollen sie mit der Macht des Karate die Welt erobern. Ihnen entgegen stellt sich der junge Kung-Fu-Schüler Horst, der ein Kampfturnier auf Leben und Tod bestehen muss, um seine Freundin Eva zurückzugewinnen und seinen Meister zu rächen. Und ja, das Ganze ist exakt so absurd und unterhaltsam, wie es klingt.

Morgens um halb vier war das Spektakel dann vorbei. Und die Vorbereitungen für nächstes Jahr laufen schon – denn bis zum 25. Cine-Maniacs-Filmfest kommenden März ist es ja gar nicht mehr so lange hin.

Anna Müller

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