Versorgung steht in der Krise über allem

Corona-Bewältigung in Wörishofen: Was Krisenstab und Initiativen unternehmen

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Vor der Bad Wörishofer Eishalle könnte es bald eine Testmöglichkeit für Coronapatienten geben. Das hat Bürgermeister Gruschka dem Gesundheitsamt vorgeschlagen.

Bad Wörishofen – Im Angesicht der Krise raufen sich auch in der Kneippstadt die Menschen zusammen. Noch vor den ersten Maßnahmen des Freistaates wurde die Initiative „Wörishofen hilft“ ins Leben gerufen. Sie soll alle Aktionen und Maßnahmen zum Wohle der Bevölkerung bündeln. Aufhorchen ließ die Meldung, dass das Kneippianum, von Bürgermeister Paul Gruschka als Corona-Klinik ins Spiel gebracht, nicht mehr bewohnbar ist. Auch der Ruf nach einem Krisenstab unter Leitung der Stadtverwaltung wurde laut.

Hatte der Wochenbeginn noch im Zeichen der gerade abgehaltenen Kommunalwahlen gestanden, drängten immer mehr Meldungen zum Thema COVID-19, also die Erkrankung, die auf das Coronavirus SARS-CoV-2 zurückgeht oder kurz „Corona“, in die Schlagzeilen. Insbesondere Bad Wörishofen, wo mehrere Angestellte eines Hotels positiv getestet wurden, stand dabei schnell im Fokus. Nachdem schließlich auch seitens der Staatsregierung die Schließung der Beherbergungsbetriebe angeordnet wurde, fanden sich in Bad Wörishofen mehrere Organisationen zusammen, die Hilfsmaßnahmen für die Betriebe und Bürger bündeln, vor allem aber auch als zentrale Anlaufstelle bei Fragen, für Informationen und Anregungen dienen sollen. Man habe sich in den letzten Tagen mit zahlreichen Personen aus unterschiedlichen Bereichen der Stadt über die aktuelle Situation ausgetauscht, so Stefan Welzel, Sprecher von „Wörishofen hilft“. „Wir können nicht mehr einfach warten, bis die nächste Verfügung von oben kommt.“ 

Deshalb habe man, gemeinsam mit dem Kneippbund-Bundesgeschäftsführer Thomas Hilzensauer und anderen Beteiligten, beschlossen, im Kneippzentrum in der Adolf-­Scholz-Allee ein Hilfszentrum einzurichten, um unbürokratisch gerade für die Bürgerinnen und Bürger Hilfe anzubieten. „Wenn wir das erst in zwei Wochen aufbauen, ist es zu spät.“ Zu den Beteiligten, quasi die Basis von „Wörishofen hilft“, gehören der Nachbarschafts- und Seniorenhilfeverein, das Mehrgenerationenhaus, das Kurhotel Edelweiß und der Stamm-Kneipp-Verein. Dabei betont Welzel: „Corona betrifft alle. Wenn nicht gesundheitlich, dann doch zumindest in ihrem Alltags­ablauf oder auch wirtschaftlich. Bad Wörishofen wird es wirtschaftlich hart treffen.“ So sei es jetzt wichtig, dass die Mitbürger gut durch die Krise kommen, betonte Stefan Welzel als Vorsitzender des Stamm-Kneipp-Vereins. Kneipp habe allen geholfen und das müsse man auch jetzt beherzigen. „Wir brauchen deshalb genau jetzt einen Schutzschirm für Bad Wörishofen.“

Schutzschirm

Nach einer ersten Zusammenkunft (noch vor den Ausgangsbeschränkungen) im Kneippzentrum, wo sich Vertreter der beteiligten Organisationen zur Koordination und Organisation trafen, steht nun auch fest, dass sich weitere Firmen, Organisationen und Freiwillige an der Kooperation beteiligen werden. So hätten die evangelische und katholische Kirche schon ihre Hilfe signalisiert, so Welzel. Dabei geht es insbesondere auch darum, dass die Bad Wörishofer Tafel ihre Arbeit einstellen musste.Sie soll in ihrer Arbeit unterstützt werden. Ebenso hätten sich einige Firmen bereits gemeldet, deren Dienste man weitervermitteln werde. Je nach Bedarf werde man aber weitere Freiwillige benötigen, so Welzel, die beispielsweise Telefondienste oder auch die Auslieferung von Lebensmitteln übernehmen sollen. „Wir bauen hier ein zentrales Wörishofer Netzwerk, damit unsere Bevölkerung weiß, an wen sie sich wenden kann“, sagte Stefan Welzel. Telefonisch ist „Wörishofen hilft“ unter der Tel. 08247/3002134 zu erreichen, per E-Mail an woerishofenhilft@gmx.de

Sobald genug Freiwillige gefunden seien, hofft Welzel, könne sich jeder Bürger von Bad Wörishofen an die Hotline wenden. Dabei sollen Fahrdienste vermittelt, Besorgungen und Bringdienste organisiert werden und auch seelsorgerische Anliegen einen Platz finden, wobei Welzel auch auf Freiwillige hofft, die die eine oder andere Aufgabe übernehmen wollen. „Viele, gerade ältere Mitbürger haben als Corona-Risikogruppe verständlicherweise Angst.“ Diese Angst könne der Schutzschirm nicht nehmen, aber doch helfen, mit der Situation besser umzugehen. „Ich weiß aus meiner bisherigen Arbeit als Zweiter Bürgermeister, dass Einsamkeit in Bad Wörishofen ein großes Problem ist. Wenn die Menschen sich jetzt nicht mehr außer Haus trauen, dann müssen wir dem etwas entgegensetzen“, fasst Welzel zusammen. Für Unternehmer und Selbstständige sind bereits Hilfsmittel seitens der Staatsregierung bereitgestellt worden und könnten abgerufen werden. Das hatte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger am vergangenen Freitag in einer Pressekonferenz klargestellt. Über das Prozedere kann man sich auf den Seiten des Ministeriums informieren.

Kneippianum bewohnbar?

Währenddessen hatte Bürgermeister Gruschka beim Orden der Barmherzigen Brüder und dem Gesundheitsministerium angeregt, das leerstehende Kneippianum als Coronaklinik zu nutzen. Derzeit würden überall Kapazitäten für Untersuchungsmöglichkeiten und Betreuung von Coronapatienten gesucht, so Gruschka. Der Orden sei Träger von sechs Krankenhäusern mit mehr als 2.000 Betten in Bayern, so Gruschka in einer Presseerklärung. Damit arbeite der Orden bereits an vorderster Front im Kampf gegen das Virus. Der Orden habe Gruschkas Vorschlag „sehr schnell geprüft“ – sei aber leider zum Ergebnis gekommen, dass der Leerstand des Kneippianums seit 2018 dazu geführt hat, dass das Gebäude inzwischen als nicht mehr bewohnbar bezeichnet werden müsse. 

Das Kneippianum als Coronaklinik zu nutzen, scheidet aus. Das Gebäude ist derzeit nicht bewohnbar.

Auch eine Kliniknutzung sei derzeit nicht möglich. Weiterhin hatte Gruschka dem Gesundheitsamt Mindelheim vorgeschlagen, eine Untersuchungsmöglichkeit für Coronapatienten im Bad Wörishofer Eisstadion zu eröffnen. Dieses befinde sich außerhalb des Ortes und verfüge über einen großen Parkplatz. Daher könnte die Untersuchung wie bei einem „­Drive-In“ erfolgen. Nachdem die Infektionszahlen weiter steigen würden, habe der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Ludwig Walters, in einem Telefonat mit Paul Gruschka zugesagt, dass man die Ideen bezüglich Kneippianum und Eishalle in die Überlegungen mit aufnehme. Sollte allerdings das Gesundheitsministerium auf den Orden zugehen und trotz dieser Mängel das Gebäude nutzen wollen, stünde der Orden einer Gebäudeanfrage positiv gegenüber, sagte Gruschka.

Handlungsfähige Kommune

Schon kurz nach dem Beginn der Corona-Krise wurden in Bad Wörishofen auch auf Verwaltungsseite die Weichen gestellt. So wurde in einer Mitteilung der Pressestelle schon am 20. März gegenüber dem Wochen KURIER auf die laufende Arbeit des Krisenstabes im Rathaus verwiesen. Dieser komme mit Bürgermeister Gruschka täglich zusammen und die Verwaltung versuche, schnellstmöglich auf die sich täglich verändernde Situation zu reagieren. Die Stadt Bad Wörishofen habe die Einrichtung des Krisenstabs bereits seit dem 26. Februar vorbereitet, heißt es in einer diesbezüglichen Mitteilung. Und nur einen Tag nach Ausrufung des Katastrophenfalls am 17. März habe der Krisenstab seine Arbeit aufgenommen. In einer Pressemitteilung ging der Zweite Bürgermeister darauf ein und lobte das rasche Handeln. Man dürfe jetzt wirklich keine Zeit mehr verlieren, die drängendsten Probleme gemeinsam anzupacken, schreibt Welzel. Dabei betont er, dass es auch um die finanzielle Handlungsfähigkeit der Kommune gehe, nachdem nun weitere Ausfälle aufgrund der Schließung der Hotellerie und Gastronomie drohten. So schreibt Welzel, dass durch Corona die Einnahmen einbrechen werden und sich somit neue Herausforderungen stellen würden. Derzeit bereite die Kämmerin Beate Ullrich, die zum ersten Mai die Bürgermeisterposition in Wolfertschwenden übernimmt, den Haushaltsentwurf 2020 vor. Dieser ist bereits mit fünf Millionen Euro Schulden wegen im vergangenen Jahr geschobener Investitionen belastet.

Klarheit über Rahmen

Dazu kommen dann wegbrechende Gewerbesteuereinnahmen in diesem Jahr, die so eigentlich bereits in den Investitionen und laufenden Ausgaben verbucht sind. Deshalb sei es dringend notwendig, betont Welzel, Klarheit über die Rahmenbedingungen zu haben und eine Neuausrichtung vorzunehmen. „Das geht aber nur, wenn die Verwaltung in Reaktion auf die Krise belastbare und realistische Haushaltseckpunkte vorbereitet“, so Stefan Welzel. Darüber hinaus solle die Verwaltung analysieren, ob angesichts der Krise und des damit einhergehenden momentanen Wegfalls von Kur- und Fremdenverkehr das Sommerbauverbot vorübergehend aufgehoben werden kann. Eine wichtige Forderung der CSU ist weitergehend auch die Sicherstellung der technischen Handlungsfähigkeit des Stadtrats. Während der Kreistag plane, ins Mindelheimer Forum umzuziehen, sollte die Möglichkeit eröffnet werden, dass der Stadtrat im Kursaal tagt, fordert Welzel. Alternativ könnte die Verwaltung die Aktivierung von Videokonferenz-Möglichkeiten ins Auge fassen. Zusätzlich müsste das bereits vorhandene Ratsinformationssystem noch viel stärker in die Arbeit einbezogen werden, glaubt der Zweite Bürgermeister: „Die Stadträte haben einen deutlichen Informationsbedarf.“ In den Sitzungen Ende April sollte der Haushaltsentwurf für 2020 beraten werden. 

Oliver Sommer

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