Bestmöglich versorgt

Corona-Pandemie: Heute öffnet die Infektpraxis und soll Hausärzte damit entlasten

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Leiter des Gesundheitsamtes Dr. Ludwig Walters, Landrat Hans-Joachim Weirather und der Unterallgäuer Versorgungsarzt Dr. Max Kaplan (v. links) stellten die Infektpraxis vor.

Mindelheim – Am heutigen Donnerstag, 9. April, öffnet die Infektpraxis im ehemaligen Riebelgebäude, Reinpoldstraße 5. Um diese aufsuchen zu können, braucht man aber zuerst eine Überweisung vom Hausarzt. Mit der Infektpraxis, die der Versorgungsarzt des Unterallgäus, Dr. Max Kaplan, leitet, will der Landkreis die niedergelassenen Hausärzte entlasten.

In „Windeseile“, nur eineinhalb Wochen nach der ersten Begehung, öffnet heute die Infektpraxis, wie Landrat Hans-Joachim Weirather bereits am Montag verkündet hatte. Wie auch schon beim Drive-In, der nach wie vor in Betrieb ist, darf man auch bei der Infektpraxis nicht einfach so vorbeischauen. Wenn man corona-typische Symptome hat, sollte man zunächst den Hausarzt anrufen, nicht aufsuchen. Verhärtet sich der Corona-Verdacht, überweist der Hausarzt den Patienten an die Infektpraxis, die wiederum telefonisch einen Termin vergibt. Nachdem man einen Fragebogen ausgefüllt hat, wird man einer ersten Sichtung unterzogen, bevor man selektiert wird. Denn ein Wartebereich ist nur für Corona-Verdachtsfälle vorgesehen, ein zweiter für andere Infektionen. In den beiden Wartebereichen haben insgesamt 14 Personen Platz. Am Tag, schätzt Kaplan, kann die Praxis 40 bis 60 Patienten versorgen, die dynamische Entwicklung der Pandemie aber immer im Blick. Bei einem größeren Ansturm könnte man diese Kapazität sogar um eine Einheit (zwei Wartezimmer, ein Behandlungsraum) erweitern, erklärt er.

Bei der Untersuchung der Corona-Verdachtsfälle wird eine „schmale Diagnostik“ durchgeführt, das heißt, es wird der Puls und die Atmungsfrequenz gemessen sowie die Lunge abgehört. Erst dann wird ein Abstrich gemacht und der Patient gegebenenfalls in die Klinik eingewiesen. Im ehemaligen Riebelgebäude, das in unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus liegt, befindet sich zudem die Bereitschafts­praxis, die dorthin ausgelagert wurde. Dort können sich Menschen behandeln lassen, deren Erkrankungen nicht aufschiebbar sind.

Für das Gebäude zahlt der Landkreis im nächsten Quartal keine Miete, sondern muss lediglich für die Nebenkosten aufkommen. Ziel sei es, die im Unterallgäu niedergelassenen Ärzte zu entlasten, da Schutzausrüstung nach wie vor Mangelware ist, und sie somit den Patienten schutzlos ausgeliefert wären. Behandeln sie unwissend einen mit Corona infizierten Patienten, könnte daraufhin die ganze Arztpraxis lahmgelegt werden. Deshalb will Kaplan, der eigentlich schon im Ruhestand ist, das Infektionsrisiko der Ärzte und der medizinischen Fachangestellten auf ein Minimum reduzieren.

Als Versorgungsarzt sei man zudem immer gut mit den anderen Ärzten und Institutionen vernetzt und man arbeite zusammen. „Alleine kann ich gar nichts erreichen“, sagt Kaplan, sodass er auf medizinisches Personal angewiesen ist. Da die Infektpraxis in zwei Schichten arbeitet (Montag bis Freitag von 10 bis 13 Uhr und nachmittags von 16 bis 19 Uhr sowie am Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 19 Uhr) muss auch Personal her. Das sei bei 180 niedergelassenen Ärzten im Unterallgäu, davon knapp die Hälfte Hausärzte, auf die zuerst zurückgegriffen wird, aber kein großes Problem, da mittlerweile Patienten die Arztpraxen meiden und somit schon viel Personal in Kurzarbeit sei.

Mittlerweile gibt es rund 190 bestätigte Corona-Fälle im Landkreis, davon kann ein Drittel wieder aus der häuslichen Quarantäne entlassen werden, klärt Dr. Ludwig Walters, Leiter des Gesundheitsamtes, auf. Man habe schon verschiedene Krankheitsverläufe erlebt, berichtet er. Natürlich sei die große Masse Menschen mit Vorerkrankungen, aber auch ein 30-Jähriger kämpfe mit einem schweren Verlauf. Dagegen konnte zum Beispiel ein 80-Jähriger wieder gesund aus dem Krankenhaus spazieren. Vor Kurzem ist ein weiterer Patient an den Folgen von Corona gestorben. Er war 59 Jahre alt und litt an Vorerkrankungen.jb

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