Bauausschuss des Kreistags gibt grünes Licht für Aufstockung

Das Mindelheimer Landratsamt wächst nach oben

Die Aufstockung soll optisch in drei rhythmisierte Bereiche unterteilt werden. Die beiden Loggien zwischen den Einheiten sorgen für den Einfall von natürlichem Tageslicht.
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Die Aufstockung soll optisch in drei rhythmisierte Bereiche unterteilt werden. Die beiden Loggien zwischen den Einheiten sorgen für den Einfall von natürlichem Tageslicht.
  • Melanie Springer-Restle
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Mindelheim - Bereits Mitte letzten Jahres war klar, dass das Landratsamt aus allen Nähten platzt und neue Räumlichkeiten für die Mitarbeiter geschaffen werden müssen. Der Ausbau einer vierten Etage erschien als sinnvolle Lösung. Mittlerweile haben die Planer ihre Hausaufgaben gemacht und präsentierten dem Bauausschuss ihre Entwürfe sowie die Kostenberechnung. Beides wurde im Anschluss kontrovers diskutiert.

Zunächst stellte Architekt Jochen Schurr des Architektenbüros m2s Architekten Marktoberdorf die architektonische Ausarbeitung der Aufstockung vor. Grundsätzlich soll der komplette Aufbau in drei Bereiche aufgeteilt werden, die jeweils durch eine Dachterrasse unterbrochen sind und für eine optische Auflockerung sorgen. Für den Bau selbst ist eine nachhaltige Holzbauweise mit hohem energetischen Standard (KfW 40) vorgesehen, bei der die Wandkonstruktion in Holzständerbauweise und die Decke aus Massivholzelementen umgesetzt werden soll. Die einspringenden Dach­terrassen dienen der Belichtung der Flure und gliedern die Fassade in drei Elemente, sodass der Gesamteindruck der Aufstockung nicht wuchtig, sondern ästhetisch ansprechend wirkt.

Imposanter Blick auf die Mindelburg

Die vorgeschlagenen Aufstockung hätte diverse Vorteile. So würde Besuchern, die die Treppe nach oben kommen, sofort Tageslicht entgegenströmen. Landrat Eder begrüßte diese Idee, zumal man derzeit auf eine Wand blicke, wenn man die Treppe nach oben kommt. Bei Umsetzung der vorgestellten Planung hätten Besucher einen Blick auf die Mindelburg, was Eder auch aufgrund der repräsentativen Wirkung sehr gut gefiel. Architekt Schurr sah in den tageslichtspendenden Terrassenelementen die Chance, Verkehrswege stärker miteinzubinden. So könnten beispielsweise auch kleinere, lockere Besprechungen in Sitzgruppen oder auch mal ein Stehempfang auf dem Flur stattfinden.

Bei einer Vollbelegung der geplanten Doppel- und Dreierbüros würden insgesamt 46 neue Büroarbeitsplätze entstehen. Weiter geplant ist ein großer Besprechungsraum für circa 20 Personen. Auch der Einbau einer behindertengerechten Toilette im vierten Obergeschoss ist vorgesehen. Diese könnte dann auch bei Veranstaltungen im Raum 400 genutzt werden. Des Weiteren ist – je nach Variante – das Schaffen kleinerer, offener oder geschlossener Besprechungseinheiten im Bereich der Dachterrassen möglich oder der Bau von Büros. Ferner soll der zweite Aufzug künftig auch den vierten Stock erreichen und müsste daher entsprechend erweitert werden.

Ganz in Gretas Sinn

Andreas Füssinger von der Firma hls.plan in Erkheim stellte die Pläne zur technischen Gebäudeausrichtung vor. Für die Aufstockung ist eine Bauweise nach Passivhausstandard bzw. KfW-Effizienzhaus 40 angedacht, die nach dem Bauenergiegesetz unter besonderer Berücksichtigung des sommerlichen Wärmeschutzes gefördert wird. Nach Füssingers Berechnungen beliefe sich die CO2-Emission auf nur 60 Gramm pro Kilowattstunde. Die Wärmeversorgung kann über das Fernwärmenetz wie am Bestandsgebäude mit sehr gutem Primärenergiewert erfolgen.

Ein Punkt, der später noch für Diskussionen sorgte, war die Kältezufuhr. Laut Füssinger müsse die Wärme, die Menschen und Technik produzieren, mithilfe einer entsprechenden Lüftungsanlage abgeführt werden. Aufgrund der guten Dämmung sei eine aktive Kühlung notwendig. Den großen Vorteil einer Lüftungsanlage hat die Pandemie erst deutlich gemacht: Jeder bekommt seine eigene Zuluft ins Büro. Die Luft wird nicht nur umgewälzt, sondern es wird Frischluft von außen zugeführt. Die Abluft wiederum wird, so sehen es die Pläne vor, über den Flur nach draußen geleitet.

Sauna versus Eiskeller

Mit einer entsprechenden Lüftungsanlage können die Raumtemperatur und der Luftaustausch für jedes Büro individuell eingestellt werden. Denn für den Einen sorgt Wärme für Behaglichkeit, ein Anderer zieht eher frische Temperaturen vor. Ein sogenannter VOC-Fühler misst die Luftqualität im Raum und sorgt so für die entsprechende Regulierung. Auch auf die Sonneneinstrahlung von außen kann je nach Jahreszeit entsprechend reagiert werden.

Robert Kettner, Geschäftsführer des Ingenieurbüros für Elektrotechnik aus Memmingen brachte den Kreisräten die geplante Elektrotechnik näher. Alle sicherungstechnischen Einrichtungen basieren dabei auf den Anforderungen des Brandschutzes. Notwendige Treppenhäuser müssen beispielsweise mit einer Sicherheitsbeleuchtung ausgestattet werden. Im vierten Stock spare eine tageslichtangepasste Steuerung enorme Energiekosten. Der Nutzer merke dabei gar nicht, dass im Hintergrund ein Steuersystem agiert, so Kettner. Eine künstliche Beleuchtung komme nur dazu, wenn es die Tageslichtsituation erfordere.

Auf dem Dach soll im Zuge der Aufstockungsmaßnahme eine Photovoltaikanlage zur Eigenstromnutzung errichtet werden. Circa 90 Prozent würden für den Eigenverbrauch verwendet und nur ein kleiner Anteil eingespeist werden. Deshalb lohne sich das Speichern nicht wirklich. Nach sieben Jahren hätte sich die Anlage amortisiert.

Jochen Schurr präsentierte einen ersten Überblick zur Kostengestaltung für die geplante Aufstockung. Die Kosten für die Baukonstruktion liegen derzeit bei knapp 1,7 Millionen Euro, die technische Gebäudeausrüstung bei etwas unter 900.000. Hinzu kommen gut 36.000 Euro für die Freianlagen, eine knappe Million für die Baunebenkosten, also 3,1 Millionen Euro insgesamt. Dabei berücksichtigt sind die Erweiterung des Aufzuges mit gut 50.000 Euro und das behindertengerechte WC mit rund 15.000 Euro. Die erwartete Förderung des BEG liegt bei etwa 300.000. Außerdem sei damit zu rechnen, dass die Baukosten steigen.

„Braucht´s des allz?“

Kreisrat Franz Renftle (CSU) hatte gleich mehrere Kritikpunkte. Er verstand nicht, warum man die Loggien braucht und nicht mehr Büroräume schafft, war der Platzmangel doch der Grund für die Aufstockung. Der Kreisrat hatte ferner Zweifel an der Notwendigkeit der Lüftungsanlage. „Reicht es nicht, wenn man einfach mal ein Fenster aufmacht?“, fragte er plakativ.

Architekt Schurr räumte ein, die Loggien auch mit Glas zu schließen oder Büroheinheiten an deren Stelle zu generieren. Bei der Technik mache es allerdings Sinn, auf dem neuesten Stand zu sein. Die Fenster blieben weiterhin öffenbar und alle technischen Komponenten würden clever eingesetzt werden und könnten mehrere Funktionen übernehmen.

Kreisrat Martin Osterrieder (CSU) stellte die Notwendigkeit von ästhetischen Belangen in Frage. Außerdem erschließe sich die Notwendigkeit eines zweiten Aufzuges nicht. „Und muss das alles jetzt sein, wo die Baupreise so hoch sind?“, fragte er in die Runde. „Jeder Tag, den wir warten, kostet uns bares Geld“, sagte Landrat Alex Eder dazu, der nicht davon ausgeht, dass die Baupreise wieder sinken.

Auch im Sommer einen kühlen Kopf bewahren

Zur Notwendigkeit der Kühlungsanlage merkte Kreiskämmerer Sebastian Seefried an: „Überall, wo wir die Kühlungsanlage nicht sofort eingebaut haben, wurde sie nachgerüstet.

Hermann Lochbronner (FW) sprach sich deutlich gegen die Dachterrasen bzw. Loggien zugunsten von mehr Büroräumen aus. Eder war erst der gleichen Meinung gewesen; ihn überzeugte allerdings die Tageslichtgewinnung. Die Frage, ob ein weiterer Besprechungsraum nötig sei, antwortete Franz Sirch, Leiter des Sachgebiets „Organisations- und IT-Management“ mit einem klaren Ja. Das sei genau der Raum, der bisher immer fehlte.

Der Bauausschuss beschloss die Aufstockung des Gebäudes, den Ausbau des zweiten Aufzuges und den Bau einer Photovoltaikanlage. Auch die entsprechenden KfW-Förderanträge sollen gestellt werden. Die Loggien im südlichen Bereich sollen lieber zu Büros werden. Die nördliche Loggia soll mit Glas versehen und als Aufenthaltsraum genutzt werden können. Bis zur nächsten Kreistagssitzung werden die Pläne von den Architekten angepasst.

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