Der diesjährige Neujahrsempfang der Kneippstadt fand wieder mit persönlicher Präsenz statt

Das neue Jahr in der Kneippstadt beginnt „live“ mit Begegnung und Zuversicht

Bad Wörishofens Erster Bürgermeister Stefan Welzel hielt am Ende des ökumenischen Gottesdienste seine Rede zum Jahresbeginn
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Bad Wörishofens Erster Bürgermeister Stefan Welzel hielt am Ende des ökumenischen Gottesdienste seine Rede zum Jahresbeginn
  • VonOliver Sommer
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Bad Wörishofen – Er hatte Tradition wie die Weihnachtssitzung des Stadtrates oder die Entmachtung des Bürgermeisters im Fasching, der Neujahrsempfang der politischen und kirchlichen Gemeinde Bad Wörishofens. Nachdem vergangenes Jahr die Pfarrer gemeinsam mit Bürgermeister Stefan Welzel die Wörishofer nur virtuell begrüßen konnten, war die Zusammenkunft von Kirche und Kommune heuer live und in Farbe in St. Justina.

Das neue Jahr fängt gut an, meinte Bürgermeister Stefan Welzel in seiner Rede am Ende des ökumenischen Gottesdienstes. „Es gibt eine Zusammenkunft von Kirche und Kommune“, begann der Rathauschef vor der, verhältnismäßig vollen Pfarrkirche. Und das Beste sei, dass diese Zusammenkunft, wie man früher bei Fernsehübertragungen zu sagen pflege, „live und in Farbe und hier“ stattfinde. Wobei sich der Bürgermeister für die Gastfreundschaft der Kirche bedankte, die eine Zusammenkunft der Menschen im Gotteshaus möglich gemacht hatte. Zwar ohne Häppchen, Sekt oder Bier zum Anstoßen, wie Pfarrer Andreas Hartmann bedauert hatte. Doch die Menschen wären wohl auch ohnedies seiner Einladung, die Hartmann gemeinsam mit der neuen Pfarrerin Tatjana Schnütgen und Stefan Welzel ausgesprochen hatte, gefolgt.

Das sei, so der katholische Geistliche, der sich den Gottesdienst mit seiner evangelischen Amtskollegin teilte, „Gemeinschaft, das ist Begegnung“. Die musste zwar mit Abstand und Maske erfolgen, doch Hartmann gab den Menschen mehr als eine Gelegenheit, sich auf den Nachbarn in der Bank und im Gotteshaus zu konzentrieren. Und auch den Menschen in Bad Wörishofen zu danken. Denn man könnte wohl eine ganze Nacht lang dem einen oder der anderen danken, befand Hartmann und würde am Morgen danach feststellen, dass man jemanden vergessen habe. Aber im stillen Gedenken gab Hartmann den Besuchern die Möglichkeit all jenen zu danken, die sich um die Kommune in irgendeiner Form verdient gemacht hatten. Ein Dank im Übrigen, den Hartmann als von Herzen verstanden haben wollte und nicht, weil man so sagt, wenn man etwas bekommt, wie er in seinem „Gleichnis“ vom Kind an der Wursttheke zu zeigen versuchte: „Wie sagt man? Danke!“.

Dabei griff Hartmann die Worte Tatjana Schnütgen auf, die ihm Hoffnung und Zuversicht verheißen hatten. Die evangelische Pfarrerin, die sei gut zwei Monaten in Wörishofen zusammen mit ihrem Mann wirkt, schaute zurück auf das erste Krisenjahr 2020 und meinte, mit Blick nach Vorn, dass man erahnen könne, dass neue Herausforderungen auf die Menschen in Deutschland warteten. Herausforderungen, gepaart mit Ärger, Zweifel und Angst, aber das sei das Leben. Dabei zitierte sie den evangelischen Dietrich Bonhoeffer, den das Regime vor knapp 80 Jahren ermordete und der den Menschen Worte der Zuversicht mitgegeben hatte in ihrem Widerstand gegen das damalige politische Regime.

Auch Stefan Welzel dankte den Beteiligten in ihrem Einsatz für Normalität und dem Schaffen von Perspektiven für die Menschen. In den vergangenen beiden Jahren seien die Kirchen für viele zum Zufluchtsort geworden und zu einem Ort der Seelsorge. Sein Dank ging an all, die gekommen waren. „Leben heißt nicht, zuhause in der Komfortzone sitzen bleiben, sondern sich einbringen“, so Welzel, der betonte, dass die Menschen (die gekommen waren) der Kitt seien, „der unsere Gemeinschaft zusammenhält: Kirchen, Vereine, Feuerwehren, Polizei, Rettungsdienste, öffentliche Institutionen und engagierte Persönlichkeiten“. Das zeige, dass eine Stadt wie Bad Wörishofen mehr als die Summe ihrer Gebäude sei .

Und Welzel zollte den Menschen Respekt, lobte sie für das Geleistete. In vielen Gesprächen habe er noch mehr Einblicke bekommen und gesehen, dass überall ein Einsatz für Normalität sei, und der Versuch, Perspektiven zu schaffen. Vereine, Chöre, Kapellen müssten den Wust aus immer neuen Regelungen managen, die Blaulicht-Vertreter Notsituationen meistern und in den Schulen, Kindergärten oder der Rathausverwaltung gebe es Mehrfachbelastung und notwendigerweise kurzfristige Reaktionen auf die laufend neue Vorgaben.

Perspektiven schaffen als Gemeinschaftsaufgabe

Dabei aber sei die gemeinsame Aufgabe die Schaffung von Perspektiven. „Für die Menschen und für unsere schöne Stadt“. Nun sei die Konzentration gefragt auf das, was wirklich wichtig sei. In der aktuellen global-wirtschaftlichen Situation brauche es ein Handeln mit Bedacht, für ein Wünsch-Dir-Was sei in Krisenzeiten kein Platz. Hier werde man im Stadtrat noch genau abwägen müssen, wo die Schwerpunkte und zeitlichen Prioritäten zu setzen seien. Klar aber sei, dass „Wir müssen jeden Tag handeln, neu, anders, kreativ“. Man setze sich für die Menschen ein. Für die Gesundheit und unterstützend bei Problemlösungen. Und „wir setzen uns ein für die Natur und den Umweltschutz“. Die Stadt engagiere sich, man siedle neue Unternehmen an und tausche sich mit den Unternehmen vor Ort aus. Bad Wörishofen werde digitaler und plane die Zukunft von Bad Wörishofen. Die Stadt wolle Kur- und Tourismusstandort bleiben und die Basis dafür erhalten. „Daran werden wir unsere Weichen ausrichten und Städtebauförderung nutzen, so wie bereits bei der Erneuerung des Kurhauscafé“.

„Und wir werden feiern“ Nach dem Jubiläum sei vor dem Jubiläum: „2022 feiern wir - mit dem 125. Todestag - Kneipps Lebenswerk“. Mit Blick auf die Einwohnerzahlen war Welzel auch nicht bange, denn: „Wir haben Fans. Bad Wörishofen wächst und wird jünger“. Zum Ende des Jahres zählte die Stadt mit 17.598 Personen 270 Bürger mehr. Ein Zuwachs, der vor allem im Altersbereich von 19 – 65 Jahre stattgefunden habe.

„Zum Abschluss wünsche ich Ihnen daher neben Gesundheit auch Mut. Den Mut, optimistisch nach vorne zu schauen. Gemeinsam funktioniert das“, forderte Welzel die Bad Wörishofer Bürger auf.

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