Wenn alles andere nicht mehr hilft

Debatte in Bad Wörishofen: Es soll weniger Salz gestreut werden, jedoch ist dies das beste Mittel

Geräumter Weg im Winter im Eichwald in Bad Wörishofen
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Der Sicherheit wegen werden Wanderwege wie hier im Eichwald bei Schnee gestreut, wenn nötig auch mit Salz.

Bad Wörishofen – Für Unmut bei einigen Spaziergängern haben mit Salz gestreute Wanderwege in Bad Wörishofen gesorgt. Im Bauhof der Stadt sieht man das Streuen der asphaltierten Wege aber als unumgänglich an, will man auch im Winter die Wanderwege zur Verfügung stellen. Auch in der jüngsten Stadtratssitzung ging es nochmals um das Thema Reinhaltung und Sicherung von Gehwegen und Straßen.

Schon im vergangenen Herbst hatte der Stadtrat eine neue Verordnung über die Reinhaltung öffentlicher Straßen und Gehwege beschlossen, die auch die Sicherung der Wege im Winter beinhaltet. Seinerzeit hatte Konrad Hölzle explizit darauf hingewiesen, dass der Bürger kein Streusalz einsetzen dürfe, um die Gehwege freizuhalten, außer, wenn dadurch Gefahrenstellen beseitigt werden. In der nun erneut beschlossenen, weil erweiterten Verordnung – es wurden Wege mit einbezogen, die unabhängig von Grundstücken verlaufen – wurde abermals der Einsatz von Streusalz thematisiert. Dabei befindet sich die Verwaltung im Spannungsfeld zwischen dem Umweltschutz auf der einen und der Verkehrssicherungspflicht auf der anderen Seite. Ordnungsamtsleiter Marcus Kleebaur wie auch der Bürgermeister betonten, dass man die Musterverordnung des bayerischen Städte- und Gemeindetages übernommen habe, die den Einsatz von Salz nach wie vor vorsieht.

Denn nicht nur Thomas Vögele hatte das Thema Streusalz angesprochen. So hatten sich zwei Bad Wörishofer ziemlich erregt scheinbar zunächst an den zweiten Bürgermeister Daniel Pflügl und anschließend an die Redaktion des Wochen KURIERS gewandt und beklagt, dass auf den Wanderwegen im Eichwald „Industriesalz“ gestreut werde. „Wir ärgern uns deswegen so, weil nicht nur die Natur geschädigt wird, sondern auch die Pfoten unseres Hundes“, schreibt Klaus Raschke in einer E-Mail an die Redaktion. Auch Wildtiere würden unter dem Streusalz leiden, das es, ihrer Ansicht nach, bei gerade einmal zwei Zentimeter Schnee nicht bräuchte. Auch Pflügl erklärte in der Sitzung, mit dem Bauhof Rücksprache halten zu wollen, nachdem aus seiner Sicht der Einsatz des Streusalzes zugenommen habe.

Eine Auffassung, die Joachim Köck, Leiter des Betriebshofs, so nicht teilt. Am Dreikönigstag etwa habe sehr nasser Schnee gelegen, erklärte Köck gegenüber dem Wochen KURIER. Während die ersten Leute noch da hindurch stapfen könnten, verfestige sich die „weiße Pracht“ aber immer mehr und irgendwann rutsche der erste Fußgänger auf dem glatten Schnee aus.

Die Verwaltung, so Köck, wolle die Wanderwege in den Wäldern auch im Winter zugänglich machen. Daher gelte es nach der Verkehrssicherungspflicht Sorge zu tragen, dass Fußgänger und Wanderer sich gefahrlos fortbewegen können. Während die natürlichen Wald- aber auch gekiesten Wege allenfalls geräumt werden, müssen asphaltierte Gehbahnen gestreut werden. Dazu aber, so Köck, verwende man kein „Industriesalz“, als Streumittel kommt quasi handelsübliches Kochsalz zum Einsatz. „Das Streusalz ist nur nicht so sauber“, erklärt Köck, sondern enthält einfach Verunreinigungen, die bei Lebensmittel unerwünscht seien. Auch den Vorwurf, man würde zu viel Salz auf den Straßen im Ort ausbringen, kann Köck nicht nachvollziehen. Dem Bürger ist es nicht erlaubt, etwas anderes als Splitt zu streuen, um gefährliche Wegpassagen zu sichern.

Demgegenüber müssen die Kommunen aber auf den Straßen vornehmlich mit Salz die Verkehrssicherheit aufrechterhalten; Splitt, Sand oder Asche erhöhen die Griffigkeit, sind aber nach Neuschnee wirkungslos. Salz hingegen wird genutzt, um Eis dauerhaft auf Wegen und Straßen abzuschmelzen. Der Nachteil dabei: Mit dem Sickerwasser gelangt das Streugut in den Boden und reichert sich dort an. Viele Pflanzen vertragen den erhöhten Salzgehalt nicht, wie auch viele Tiere, deren Pfoten durch das Natriumchlorid gereizt werden, was bis zur Entzündung gehen kann. Selbst bei Autos kann Streusalz negative Folgen nach sich ziehen: Bauteile aus Aluminium oxidieren und die Bildung von Rost wird beschleunigt. Deshalb auch habe er an seine Mitarbeiter die Weisung gegeben, nur zu streuen, wenn dies absolut nötig sei, sagte Köck.

Auch in der Diskussion zeigten sich Stadträte überzeugt, dass es ohne Salz kaum möglich sei, der Verordnung nachzukommen. So müssten vor allem Hausmeister Salz einsetzen, um die Vorgaben, bis 7 Uhr morgens die Gehwege von Schnee und Eis befreit zu haben, einhalten zu können. Nicht nachprüfbar, aber deswegen nicht weniger dramatisch, klang die Aussage eines Stadtrates, der noch im Mai zentimeterdicke Salzlagen auf einem Gehweg vor seinem Haus wahrgenommen haben will. So ging der Appell des Bürgermeisters dahin, doch weniger Salz einzusetzen oder ganz darauf zu verzichten.

Oliver Sommer

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