Mit Plakaten und Bienenkostümen zum Bad Wörishofer Rathaus

Demonstrationszug zum Volksbegehren „Rettet die Bienen“ findet großen Anklang

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Zu der Demonstration in Bad Wörishofen waren rund 70 Bürger gekommen. Mit Plakaten, Bannern und Trillerpfeifen ging es dann zum Rathaus, um sich in die Unterschriftenliste einzutragen.
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Die Menschen bildeten eine lange Schlange im Bad Wörishofer Rathaus, um sich einzutragen.
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Alexander Siebierski, zweiter Vorsitzender des BUND Naturschutz der Ortsgruppe Bad Wörishofen, war der Erste, der sich in die Unterschriftenliste im Bad Wörishofer Rathaus eintrug.

Bad Wörishofen – Mit einem Demonstrationszug vom Bad Wörishofer Kurhaus zum Rathaus hat das Aktionsbündnis den Beginn der Unterschriftensammlung zur Rettung der Artenvielfalt eingeläutet. Noch bis zum 13. Februar kann man sich eintragen, um das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ zu unterstützen.

Mit Plakaten, Schildern, Bannern und Trillerpfeifen machten sich Bürger, die Parteien ÖDP und die Grünen, die Bürgerini­tiative „Kneippjubiläum 2021“ sowie der BUND Naturschutz und der Verschönerungsverein auf den Weg. Das Ziel der rund 70 Beteiligten war das Rathaus, wo eine Kundgebung von Alexander Siebierski, zweiter Vorsitzender des BUND Naturschutz der Ortsgruppe Bad Wörishofen, und das gemeinsame Singen eines Bienenliedes folgte, bevor sie sich als Privatpersonen in die Unterschriftenliste des Volksbegehrens eintragen konnten.

Regine Glöckner von der Bürgerinitiative „Kneippjubiläum 2021“ zeigte sich bei der Demonstration mit einem Imkerhut. Auch andere waren verkleidet, trugen Blumenaccessoires oder Oberteile im Bienenmuster.

„Im Sinne von Sebastian Kneipp müssen wir tätig werden. Sein Leben und seine Werte müssen wir uns ins Bewusstsein rufen“, sagt Glöckner. Kneipp war nicht nur Pfarrer, sondern auch Landwirt und Imker. „Er hat den ersten Imkerverein gegründet“, weiß Glöckner. Sie ist der Meinung, dass man den Planeten nicht „verfüttern“ dürfe und die Schöpfung bewahrt werden müsse.

Dem Volksbegehren steht die Landwirtschaft gegenüber. Zwar steigt die Zahl der Biolandwirte, aber die Mehrheit düngt ihre Felder und benutzt Pestizide, um ein schnelleres Wachstum der Pflanzen zu erzielen. „Die Kleinbauern können bei den Weltmarktpreisen nicht mithalten“, so Robert Keller, stellvertretender Kreisvorsitzender der ÖDP. Deshalb würden sie mehr düngen, um höhere Erträge zu erwirtschaften. „Die Großbauern unterstützt der Bauernverband.“ Doch die Kleinbauern würden dabei auf der Strecke bleiben. Ganze Generationenbetriebe würden so aussterben, weil die jungen Bauern von der Landwirtschaft nicht mehr leben können. „Wenn du mehr Fläche besitzt, bekommst du auch mehr Fördermittel“, erklärt Keller. Er ist der Meinung, dass die Berufsschulen den angehenden Landwirten mehr ökologische Landwirtschaft und Nachhaltigkeit beibringen sollten. „Die Schüler müssen wieder an das alte Handwerk geführt werden.“ Das Ziel sei, dass zehn Prozent Fläche in Bayern für Insekten geschaffen werden sollen.

„Die Insekten haben gar keine Möglichkeit mehr, Rast zu machen“, sagt Siebierski. Dabei stehen die Bienen nur als Symbol für das Artensterben. Ohne Insekten gibt es keine Vögel und keine Pflanzen, ohne die gibt es viele andere Tiere auch nicht mehr, denn alles beruht auf einer Nahrungskette der Natur. Wenn diese unterbrochen wird, dann hat es Folgen für die ganze Flora und Fauna. „Ohne Pflanzen gibt es bald auch keine Kneipp-Heilkunde mehr“, bedauert er.

„Bis zu 1.000 Arten sterben pro Jahr aus. Das ist das größte Massensterben seit der Zeit der Dinosaurier“, so Siebierski. Schuld hat seiner Ansicht nach der Mensch. Mit Pestizide, Düngemittel, häufiges Mähen sowie die Habitatzerstörung durch die Flurbereinigung mache der Mensch den Lebensraum vieler Tiere zunichte.

Mittlerweile seien mehr als 75 Prozent der Insekten zurückgegangen und 54 Prozent aller Biene seien gefährdet. Jetzt sei ein günstiger Zeitpunkt, sich dafür einzusetzen, denn die Bürger seien wach, meint Siebierski.

Auch Tina Melder sagt: „Das Insektensterben ist schon länger in aller Munde. Man kann davor nicht mehr die Augen verschließen. Die Landwirtschaft ist ein wesentlicher Verursacher dafür.“ Mit ihrer Tochter beteiligt sie sich an dem Demonstrationszug.

„Wir wollen die Bienen und die Bauern retten“, sagt auch Gabriela Schimmer-Göresz, Kreisvorsitzende der ÖDP im Unterallgäu. „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die wir gemeinsam angehen müssen.“

Bei einem Verlust der Artenvielfalt würde es zu einem Verlust der Wirtschaftsgrundlage kommen. Da ist sich auch Rudolf Mendle sicher, der Marktgemeinderat und Imker in Türkheim ist. „Wir müssen weg von der Flächensubvention, hin zu Leistungen für die Natur kommen. Ein Systemwechsel für die Landwirtschaft muss her“, meint Mendle, der ein Schild mit „Rettet die Bienen“ trägt.

Diese Ansicht untermauert auch Siebierski bei seiner Kundgebung vor dem Rathaus, indem er die 15-jährige Greta Thunberg zitiert, die auf dem Klimagipfel in Kattowitz sprach: „Wenn die Lösungen in diesem System nicht zu finden sind, sollten wir vielleicht das System ändern.“

Um dieses System zu ändern, müssten die Forderungen des Volksbegehrens von der Politik in die Tat umgesetzt werden. Dazu zählen: Biotopverbunde schaffen, natürliche Gewässerrandstreifen, eine nachhaltige Ausbildung für die Landwirte, mehr Biolandbau und mehr Blühwiesen. Bayern soll mit seinem Volksbegehren anderen Bundesländern als Vorbild dienen. 

Julia Böcken

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