Gerüstet für eine wachsende Gemeinde

Der Kita-Neubau in Wiedergeltingen ist fertig

Bischof Bertram Meier wird am Sonntag den Kindergartenanbau in Wiedergeltingen bei einem Gottesdienst segnen
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Bischof Bertram Meier wird am Sonntag den Kindergartenanbau in Wiedergeltingen bei einem Gottesdienst segnen
  • VonOliver Sommer
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Wiedergeltingen – Wenn am kommenden Sonntag, 17. Oktober, der Augsburger Bischof Dr. Bertram Meier den Neu- bzw. Kindergartenanbau segnet, gehen für alle Beteiligten zweieinhalb Jahre der Planungen und Beratungen zu Ende. Nicht zuletzt auch ein anstrengendes Jahr, in dem quasi aus dem Nichts, neben dem historischen Pfarrhof, der Anbau gewachsen ist. Begonnen hatte alles mit der Zahl der Geburten und Kindern zur Mitte des Jahrzehnts.

„Für die Zeit nach 2022 hatten wir eine klare Unterdeckung“, erinnert sich Bürgermeister Norbert Führer. In einer der Gemeinderatssitzungen vor drei Jahren war die Entwicklung der Geburtenzahlen und Anmeldungen für den Kindergarten und die Grundschule vorgestellt worden. Und es wurde deutlich, dass es für so viele Kinder nicht ausreichend Platz im derzeitigen Kindergarten geben würde. Schon jetzt sind die Gruppen unter anderem auch im Rathaus sowie in der Grundschule untergebracht. Damals gab es die ersten Ideen und Vorschläge, schließlich ging der Gemeinderat Anfang 2019 in Klausur und hatte nur ein Thema: den Kindergarten und die notwendige Erweiterung. Damals gab es auch eine staatliche Sonderförderung, erinnert sich Norbert Führer, das vierte Sonderinvestitionsprogramm, das weitere 35 Prozent Förderung versprach. Das Problem aber: das Programm und die Förderung waren bis 31. August 2019 befristet.

Tradition seit den 1940-er Jahren

Vor nicht einmal drei Jahrzehnten öffnete der erste Kindergarten in Wiedergeltingen seine Pforten. Tradition hat die Kinderbetreuung in Wiedergeltingen aber schon seit den 1940er Jahren. Als Entlastung für die Bauern im Sommer konnte man damals die Kinder in den „Kindergarten“, damals in der alten Schule, dem Rathaus, bringen. In den 70er und 80er Jahren schließlich besuchten die Wiedergeltinger Kinder den Kindergarten Don Bosco im benachbarten Buchloe, bis auch dort die Geburtenzahlen nach oben gingen und keine Gastkinder mehr angenommen wurden. So wurde seinerzeit beschlossen, eine entsprechende Betreuung in Wiedergeltingen zu schaffen, die schließlich 1993 eröffnete und Platz für zwei Kindergruppen bot. Als Frau der ersten Stunde leitete Helga Oppawsky die Einrichtung, die mehrfach erweitert wurde.

„Seit mehr als 16 Jahren gibt es die Kinderhortgruppe“, sagt Bettina Wenger. Sie kam vor fast genau 16 Jahren als sozialpädagogische Fachkraft an den Kindergarten. An ihre Anfangszeit kann sich die damals 18-Jährige noch gut erinnern: „Ich war das Küken.“ Unter der Leitung von Helga Oppawsky wuchs die Einrichtung, wurde zum Schuljahr 2002/2003 um eine Kindergartengruppe und 2010 um eine Krippengruppe erweitert. Schließlich wurde Wenger zur Stellvertreterin Oppawskys und übernahm schließlich im Mai die Leitung. Auch die anfänglich kleine Gruppe der Fachkräfte wuchs deutlich, von fünf auf mittlerweile 15 Damen an; neben acht Erzieherinnen und sieben Kinderpflegerinnen arbeiten immer wieder auch Praktikantinnen der Fachakademie für Sozialpädagogik sowie für Kinderpflege im Haus, das mittlerweile aus allen Nähten platzt. Dazu kommen die Raumpflegerinnen, eine Hauswirtschaft- und Küchenkraft sowie der Hausmeister.

Der heutige Kindergarten selbst hat eine wechselvolle Geschichte, war Pfarrhof und Sitz des Amtsrichters, seit 1966 bis Anfang der 1990er Jahre schließlich ein Wohnhaus. Es sei klar gewesen, dass man erweitern müsse, sagt Führer, der zusammen mit dem Kirchenpfleger Alois Karl und der Leiterin des Kindergartens seit gut drei Jahren an den Planungen beteiligt ist. Schon seit einiger Zeit sind die Kindergruppen nicht mehr unter einem Dach, verteilen sich die knapp 100 Kinder auf die Grundschule, das Rathaus und eben den eigentlichen Kindergarten. „Eine Betreuung nach aktuellem pädagogischen Stand ist so nicht möglich“, sei allen Beteiligten klar gewesen. So habe man Gas gegeben, skizziert Führer, was sich vor zwei Jahren im Rathaus abgespielt hat. Noch im Frühjahr erhielt die Regierung von Schwaben die Förderanträge, im August kam schließlich die Zusage und damit wurde ein vorzeitiger Baubeginn möglich. Noch im selben Jahr stand fest, dass der Buchloer Architekt Ulrich Förg die Planungen übernehmen würde. 2020 wurden die Gewerke ausgeschrieben und vergeben. Den Startschuss für die Bauarbeiten schließlich gab der Transport der Spielburg vom Platz hinter dem alten Kindergarten zum Sportplatz Ende August und am ersten September 2020 begannen die Tiefbauarbeiten. „Alle zusammen haben eine tolle Leistung hingelegt“, meint Norbert Führer anerkennend.

1.000 Quadratmeter Platz für die Kinder

Schließlich entstanden in den vergangenen gut 13 Monaten in dem neuen Gebäude 1.000 Quadratmeter Raum auf zwei Etagen für Spiel und Betreuung sowie Verpflegung. Dafür allerdings schrumpfte der Garten, in dem die Kinder spielen können, auf 1.200 Quadratmeter. Neben den Sanitärräumen mit Duschen für Personal und Kinder gibt es Umkleideräume, Spiel- und Betreuungszimmer sowie Bereiche, wo die Kinder essen können. Besonders freut man sich über die dezentrale Lüftungsanlage, die alle Zimmer mit vorgewärmter Frischluft versorgt. Spezielle Lärmschutzdecken sorgen dafür, dass man unten nicht hört, wer oben spielt oder tobt. „Eine große Erleichterung für meine Mitarbeiterinnen“, so Wenger. Gespielt wird auf einem natürlichen Linoleumboden mit einer Fußbodenheizung. Verbunden sind alle Etagen, die beiden im Neubau sowie die beiden im Altbau, die rund einen halben Meter versetzt zum Neubau liegen, durch einen Aufzug, der das gesamte Gebäude barrierefrei macht. Deshalb gab es auch vom Landratsamt Lob für die Leistung: dieser enorme Bau in der Zeit sei einfach Wahnsinn. Es sei aber klar, fügt Norbert Führer an, dass das heute nicht mehr möglich wäre. „Wir haben alle Ausschreibungen noch vor der Baukrise durchbekommen.“ Nur ein halbes Jahr später wäre man heute im Verzug, von den gestiegenen Baukosten nicht zu reden. Das haben aber auch die Firmen möglich gemacht, die fast zur Gänze aus der Region kommen und aufeinander abgestimmt bauen konnten.

Platz für 100 Kinder

Nach der Sanierung des Altbaus, die bis Februar abgeschlossen sein soll, entsteht so Platz für mehr als 100 Kinder in derzeit zwei Krippen-, drei Kindergarten- und einer Kinderhortgruppe. Die bietet die Betreuung der Kinder zwischen sieben und 16 Uhr an. Neben der Vollverpflegung von VitaClara gibt es auch die Möglichkeit, das Mittagessen von zu Hause aufzuwärmen. Die Betreuung der Kinder ist, dank des Elterngeldes vom Freistaat, nahezu kostenfrei.

Für den kommenden Sonntag, 17. Oktober, ist die Segnung des Neubaus der Kindertagesstätte St. Nikolaus durch H.H. Bischof Dr. Bertram Meier geplant. Nach dem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Nikolaus Wiedergeltingen um 9.30 Uhr wird Meier die Räumlichkeiten gegen 10.30 Uhr feierlich weihen. Die Staatsministerin Carolina Trautner und Landrat Alex Eder werden sich mit Grußworten an die Gäste wenden, ehe es gegen 11.30 Uhr Mittagessen in der Mehrzweckhalle, umrahmt von der Musikkapelle Wiedergeltingen, gibt. Für die gesamte Veranstaltung gilt die 3-G-Regel (geimpft, genesen, getestet).

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