„Berufliche Heimat“ in der Allianz Arena

Der Unterallgäuer Bernd Feil ist bei der Fußball-EM am Spielfeldrand dabei

Bernd Feil Fotograf Mindelheim
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Während sich Jogis Jungs auf dem Platz in der schweren Gruppe F mit Frankreich und Portugal durchsetzen wollen, beginnt für Bernd Feil (links) die Jagd nach dem besten EM-Foto.
  • Jessica Socher
    vonJessica Socher
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Mindelheim – Nur zwölf deutsche Fotografen dürfen dieses Jahr die Deutschlandspiele der Fußball-Europameisterschaft begleiten. Bernd Feil, der eine Agentur für Sportpressefotos in Mindelheim betreibt, ist einer von ihnen.

Der Bad Wörishofer darf bei den zwei Deutschland-Spielen in der Allianz-Arena direkt am Spielfeldrand dabei sein und fleißig knipsen: Sowohl beim Auftakt der Nationalelf gegen Frankreich am Dienstag, 15. Juni, als auch beim zweiten Gruppenspiel gegen Portugal am Samstag, 19. Juni, begibt sich Feil auf die Jagd nach den besten Fotos von Müller, Neuer & Co. Jedes Spiel werde dabei von insgesamt zwanzig Fotografen begleitet, sagt der 53-Jährige. „Das sind wahnsinnig wenige für die EM.“ Unter normalen Umständen wären es 50 akkreditierte Fotografen pro Spiel, bei geschätzten 100 Interessenten, so Feil. Zwölf der 20 Fotografen kommen dabei aus Deutschland. Die weiteren Fußballspiele ohne die deutsche Nationalmannschaft wird er mit seinen Kameras nicht begleiten können, denn es sei „zu schwierig mit der Quarantäne“: Wegen Corona müsste er nach jeder Auslandsreise erst einmal isoliert bleiben und da sei es ihm „zu risikoreich“, eines der beiden Deutschland-Spiele zu verpassen.

Wer als deutscher Fotograf die Spiele vor Ort verfolgen darf, wird von der Sportfotografen-Abteilung im Deutschen Journalisten-Verband ausgewählt. Dort gibt es spezielle Rang­listen mit „wichtigen“ Fotografen. Das heißt: Je länger ein Sportfotograf bereits seinen Job macht und beispielsweise die Fußball-Europameisterschaft schon begleitet hat, desto höher wird er in der Rangliste seinen Platz finden. Dabei sind Diskussionen und Streitigkeiten kaum zu vermeiden. „Man kann nicht hundertprozentig fair sein“, sagt Feil. Er selbst sei gelistet, weil er unter anderem für den Bayerischen Landes-Sportverband in Augsburg – insbesondere für den FCA – Empfehlungen für die Fotografen vergibt und deutschlandweit viele seiner Kollegen kennt. Zuletzt war er selbst beim Vorbereitungstrainingslager der deutschen Nationalmannschaft für die Europameisterschaft dabei, hat das Training inklusive zweier Testspiele pro Tag von einer Bühne aus mit der Kamera verfolgt. Zusammen mit weiteren 29 Fotografen war er in einer Skihütte in Seefeld in Tirol untergebracht. „Das war richtig toll“, schwärmt Feil.

Die Vorbereitung auf die Fußball-Europameisterschaft sei für ihn „nichts Besonderes“: Er muss Tastenkürzel von den Spielernamen aktualisieren und belegen, so dass es im Ernstfall schnell geht; Mitarbeiter einweisen, dass sie zügig Fotos verschicken; sich informieren, wann und wo er seine Platzkarte fürs Spiel bekommt. Denn als Fotograf hat er einen festen Platz zum Arbeiten. „Aufgrund von Corona darf ich mich vermutlich nicht mal bewegen“, sagt er. Auf seinem Platz bleibt er durchgehend sitzen, außer beim Wechsel mit einem ausländischen Kollegen. Das muss aber im Voraus abgesprochen sein. „Wenn man Glück hat, funktioniert es“, sagt er. Doch es ist ein großer Aufwand, bei dem es sich fast nicht lohnt, den Platz zu wechseln. Denn: „Mit meinem Teleobjektiv ist jeder Winkel einsehbar“, sagt Feil. Beim Fotografieren ist er fokussiert auf einzelne Spieler und Zweikämpfe, schießt mehr als 3.000 Fotos pro Spiel. Sein Platz ist dabei am Spielfeldrand, wo es ein extra LAN-Kabel gibt, das er in die Kamera einstecken kann. Mit einem einzigen Knopfdruck kann er so die Fotos an seine Mitarbeiterin in Hamburg schicken, die diese dann bearbeitet und an Kunden weiterschickt. „Das erleichtert uns die Arbeit sehr“, sagt der Bad Wörishofer. „So ist ein Bild in drei Sekunden draußen.“ Denn während das Foto bearbeitet wird, kann er sich wieder auf das Spiel fokussieren und verpasst keine spielentscheidenden Szenen.

Während der Partie ist Feil für alle Eventualitäten perfekt gerüstet, denn er arbeitet mit drei verschiedenen Kameras. Zum einen steht hinter einem Tor eine Kamera mit Weitwinkel-Objektiv, die per Funk ausgelöst werden kann. Zum anderen fotografiert er mit einer Kamera mit langem Teleobjektiv, die auf einem Stativ steht. Sobald die Spieler näherkommen, wechselt er auf die Kamera mit mittlerem Teleobjektiv, die er um seinen Hals trägt. „Es dauert, bis man die Technik drauf hat“, sagt der 53-Jährige. Das sei das „Geheimnis seines Berufs“. Doch nach jahrzehntelanger Erfahrung weiß er, wie es abläuft. Und da seine Ausrüstung immer „up to date“ ist, muss er sich nicht extra vorbereiten auf die Fußball-EM.

Auch auf einen Coronatest vor den Spielen kann Feil verzichten, denn an jedem Spieltag muss er einen „Führerschein“ am Handy mit einem 15-minütigen Fragekatalog absolvieren. Bereits als er sich die Akkreditierung für die Europameisterschaft abgeholt hat, musste er das Pamphlet durcharbeiten. Dabei geht es unter anderem um Fragen darüber, wie man in einer bestimmten Situation laufen würde, wann man sich die Hände desinfizieren würde oder ob bestimmte Gespräche unnötig sind oder geführt werden sollten. Jeder, der das Stadion betreten möchte, muss den „Führerschein“ korrekt durchgeführt haben.

Der Bad Wörishofer freut sich bereits auf die Heimspiele: Sie seien „total wunderbar“ und „super“ für ihn. „Ich kenne mein Stadion. Es ist meine berufliche Heimat und daher besonders.“ Der Vorteil: Er kann nach jedem Spiel mit seinem neuen E-Auto wieder nach Hause fahren – und hätte somit auch die Möglichkeit, Deutschland bei den weiteren Spielen zu begleiten. „Ich schätze mal, die kommen ins Finale, wenn sie gut gegen Frankreich spielen.“ Auch, wenn er natürlich hofft, dass Jogi Löw und seine Jungs ins Endspiel kommen, ist England für Feil der große Favorit. „Sie haben relativ viele junge Spieler“, erklärt der Fotograf. „Die scheinen wie ‚Underdogs‘, aber die unterschätzt man häufig.“

Für die darauffolgende Fußball-WM im Golfstaat Katar hat sich Feil auch schon akkreditieren lassen. Zweimal war der 53-Jährige bereits bei einem Trainingslager des FC Bayern München in Katar dabei. Die WM-Chance sei „ganz wichtig“ für ihn, er warte nur noch auf den Startschuss.

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