Aus »altem Glump« wird bald ein »Schmuckkästchen«

Dirlewang stellt sein neues Dorfgemeinschaftshaus vor

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Freuten sich über den Förderbescheid, den Christian Kreye (Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben, 4. v. links) und Staatsminister a.D., Franz Josef Pschierer (3. v. rechts), im Dirlewanger Rathaus übergaben (v. links): Max Henle (3. Bürgermeister), Peter Schöllhorn (Gemeinderat), Anton Kuhn (Gemeinderat), Alois Mayer (1. Bürgermeister) Frank Irsigler (2. Bürgermeister) und Geschäftsstellenleiterin Bianca Maier.

Dirlewang – Wie sich ein in die Jahre gekommenes Wohn- und Lagerhaus ideal nachnutzen lässt, dafür zeigt die Gemeinde Dirlewang derzeit ein Musterbeispiel. Mit finanzieller Unterstützung des Freistaats Bayern wird das ehemalige Polizeigebäude in der Mindelheimer Straße bald zum neuen Dorfgemeinschaftshaus umfunktioniert. Neben einem 125 Quadratmeter großen Veranstaltungsraum, unter anderem für kulturelle Events, sollen auch Vereine und Gruppen ausreichend Platz für Besprechungen und geselliges Beisammensein finden.

Mit 742.000 Euro wird sich der Freistaat im Rahmen des Programms „Innen statt außen“ am Projekt beteiligen und damit 80 Prozent der förderfähigen Kosten tragen. So könne Dirlewang das insgesamt 1,2 Millionen Euro teure Vorhaben stemmen, freute sich Bürgermeister Alois Mayer.

Staatsminister a.D., Franz Josef Pschierer, der gemeinsam mit dem Leitenden Baudirektor vom Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben, Christian Kreye, den Förderbescheid übergab, lobte Dirlewang für seine Pläne. Um Integration – insbesondere Zugezogener – zu gewährleisten, brauche es neben einer regen Vereinskultur auch Begegnungsstätten. „Ohne diese bricht uns der Zusammenhalt weg“, so Pschierer. Und in Sachen Dorferneuerung könne Dirlewang mit seinem neuen Gemeinschaftshaus „ein Zeichen setzen“.

Die Idee des Hauses geht unter anderem auf eine Bürgerwerkstatt vom Dezember 2017 zurück. Dort hatten zahlreiche Bürger, Organisationen und Vereine ihre Anregungen vorgetragen. Sie alle, hofft Bürgermeister Mayer, „sollen im neuen Haus ihre Wünsche wiederfinden. Aus dem alten Glump wird jetzt ein nettes Schmuckkästchen.“

Langjährige Vita

Die Ursprünge des Gebäudes reichen offenbar bis ins Jahr 1720 zurück, so die Schätzung der Marktgemeinde. Das inzwischen denkmalgeschützte „alte Polizeigebäude“, wie es bezeichnet wird, wurde einst auch als Rathaus genutzt. Zuletzt erfüllte es mehrere Funktionen: Im Erdgeschoss befindet sich eine ehemalige Schusterwerkstatt mit Nebenräumen, die als Wohnung genutzt wurden, inzwischen aber leer stehen. Darüber liegen zwei Wohnungen, die wegen baulicher Mängel ohnehin „leerfallen“ würden, wie es in der Bestandsaufnahme des Mindelheimer Architektenbüros Kern heißt. Der Westteil des Gebäudes wurde zu landwirtschaftlichen Zwecken und als Lagerraum genutzt, weshalb in den 1970er Jahren Garagentore eingebaut wurden. Das Dachgeschoss ist nicht ausgebaut.

So sieht das Haus in der Mindelheimer Straße im aktuellen Zustand aus.

Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll sich einiges ändern: Im Parterre entstehen kleinteilige, barrierefreie Gruppenräume. „Die historische Bausubstanz, bestehend aus dem gliedernden Innenmauerwerk, kann somit vollständig erhalten bleiben“, teilt das Architekturbüro Kern mit. Im östlichen Bereich wird es laut der aktuellen Pläne drei Räume für kleinere Einheiten geben, etwa für eine Mutter-Kind-Gruppe, Kinder- und Jugendgruppen oder als Treff für Vereine. Hinterhalb der Garagen, die zurückgebaut werden, ist künftig Platz für einen rund 50 Quadratmeter großen Raum, der vor allem für die Seniorenarbeit eine Bereicherung sein wird. Auch hier könnten sich nach dem Bericht des Architektenbüros Vereine versammeln oder VHS-Kurse stattfinden.

Entwurf des neuen Dorfgemeinschaftshauses

Prunkstück des neuen Dorfgemeinschaftshauses dürfte allerdings das Obergeschoss sein, wo ein 125 Quadratmeter großer Veranstaltungssaal zu finden sein wird – auch erreichbar mit dem Aufzug. Mauern und Decken werden deshalb vollständig entfernt; konstruktive Elemente, unter anderem der Zerrbalken, werden denkmalgeschützt restauriert und bleiben erhalten. Bis zur Zerrbalkenebene ist der Saal also geöffnet, sodass „ein offener Luftraum“ entsteht.

Ort für Kultur

125 Besuchern soll der Saal Platz bieten, weshalb die Marktgemeinde schon eine große Auswahl an Veranstaltungsangeboten ins Auge gefasst hat. Chöre, kleine Ensembles oder Bands könnten hier ebenso auftreten wie Theatergruppen oder Kleinkünstler.

Nachdem der Förderbescheid des Freistaates nun vorliegt und auch das Landratsamt schon vor rund einem Jahr grünes Licht gegeben hatte, kann die Marktgemeinde in die weiteren Planungen einsteigen. Wie Bürgermeister Mayer sagte, sei man aktuell damit befasst, die Ausschreibungen für die Bauarbeiten vorzubereiten. Je nach Wetterlage könne man dann voraussichtlich im Herbst mit den Umbauarbeiten beginnen. „Ende der Fahnenstange“, wie Mayer meinte, ist der 30. Juni 2021 – später darf es aufgrund der Förderung nicht werden. Deshalb plant der Bürgermeister die Fertigstellung im Frühjahr 2021.

Marco Tobisch

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