Bad Wörishofer Stadtrat beschließt weiteres Vorgehen

Dorferneuerungsprozess in Schlingen und Stockheim kommt in Gang

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Wie es mit dem ehemaligen Gasthof Rössle weitergehen soll, darüber sind sich die Schlingener Bürger bereits im Klaren.

Bad Wörishofen – Gegen den erklärten Willen des Bürgermeisters hat der Bad Wörishofer Stadtrat beschlossen, die Verwaltung damit zu beauftragen, die weiteren Schritte zum Anstoßen eines Dorf­erneuerungsprozesses für Stockheim und Schlingen in die Wege zu leiten. Vorangegangen war dem Beschluss, der erst auf Antrag des zweiten Bürgermeisters gefasst werden konnte, eine zähe Diskussion und die Vorstellung der Rahmenbedingungen für die Dorferneuerung. Auch was sich bislang in Schlingen am Dorfgemeinschaftshaus getan hat, erfuhren die Räte. Im Prinzip herrschte ein gutes Jahr Stillstand, nachdem die Bürger vor Ort ihre „Hausaufgaben“ gemacht hatten.

Die Diskussion um den Tagesordnungspunkt geht auf Anträge der CSU- Fraktion sowie der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zurück. Beide Parteien forderten einen Sachstandsbericht zur Dorferneuerung Stockheim und Förderung bzw. Fördermöglichkeiten für das Dorfgemeinschaftshaus in Schlingen. Dazu hatte Bürgermeister Paul Gruschka einen Vertreter des Amtes für Ländliche Entwicklung in Krumbach eingeladen. Zusätzlich sollte Wolfgang Tröber, der Vorsitzende des Musikvereins, über die bisher gemachten „Hausaufgaben“ der Schlingener berichten, die klare Vorstellungen davon haben, wie es mit dem ehemaligen Gasthof Rössle in der Dorfmitte weitergehen soll.

Die Ortsteile, die das „Leben maßgeblich prägen, müssen uns etwas wert sein“, so der zweite Bürgermeister Stefan Welzel, der für die Antragsteller die Vorstellung des Tagesordnungspunktes übernahm. Es sei eine Herausforderung, die Ortsteile attraktiv und lebenswert zu gestalten, weshalb man etwas über die Dorferneuerung erfahren wolle. Es gehe darum, dass, unter anderem Stockheim, fit für die Zukunft gemacht werde bzw. sei. Und „welche Möglichkeiten haben wir für die Zukunft?“. Es gehe um Dinge wie die Nahversorgung und das Ortsbild. In Schlingen und Dorschhausen habe man ja bereits mit dem Dorfgemeinschaftshaus einen Akzent gesetzt, nun gehe es um eine Information für die Stockheimer. Worte, denen sich Dr. Hofer für die Bündnisgrünen anschloss und vor allem ein Entwicklungskonzept forderte.

Fördermöglichkeiten

Wie dieses aussehen könnte, darüber informierte Christoph Graf, der beim Amt für Ländliche Entwicklung für das Thema Dorferneuerung zuständig ist. Neben der Vorgehensweise wusste dieser auch über die Fördermöglichkeiten bzw. die Höhe der Fördersätze Bescheid und zeigte anhand abgeschlossener Vorgänge – aus Schlingen etwa, aber auch anderen Orten in Schwaben – was mit einer gelungenen Dorferneuerung möglich ist. So kostete die Dorferneuerung in Schlingen gut 1,84 Millionen Euro, wovon die Stadt Bad Wörishofen mit 1,022 Millionen Euro etwas über die Hälfte (55 Prozent) der Kosten zu tragen hatte. Was nun aussteht, ist das weitere Vorgehen beim designierten Dorfgemeinschaftshaus, dem alten Gasthof Rössle. Allein hier, so Graf, gab und gibt es diverse Finanzierungsmöglichkeiten, die zwischen 60.000 in der Anfangszeit (2005) und aktuell bei bis zu 200.000 Euro liegen.

Es war nicht zuletzt Claus Thiessen (FDP), der darauf aufmerksam machte, dass man vieles bereits in Eigenregie angegangen sei und man nicht zu viel machen dürfe, nur weil es dafür Fördermittel gebe. Tatsächlich, so Wolfgang Tröber, sei das „Dorfgemeinschaftshaus“ ausgelastet und finanziere sich großteils bereits selbst. Man habe, so Tröber, vor über einem Jahr in einem Brainstorming ein Nutzungskonzept für das Haus erarbeitet, um die Fragen des Stadtrates beantworten zu können, etwa nach dem Raumbedarf, nach der Eigenleistung und daraus sich ergebend über Finanzierungsmöglichkeiten bis hin zum Zeitplan für den Umbau oder die Sanierung. Konkret wünschen sich die Schlingener ein Haus für die Vereinsarbeit mit Proben- und Lagermöglichkeiten. Für die Allgemeinheit soll es einen Saal für Bälle geben mit Küche und Lagerräumen sowie einen Platz für die Jugend und möglicherweise auch einen Dorfladen für den Bäcker. Man habe, resümierte Tröber, viel in Eigenleistung gemacht – auch einen Kostenrahmen. Nun gehe es um die Organisation des Hauses, dafür wünsche man sich eine neutrale Basis wie etwa einen Trägerverein.

Bis hierhin hatten die Räte „still gehalten“, doch dann ging Stefan Welzel (CSU) in die Offensive. Man sollte, forderte er, einen Beschluss fassen, und die Planungen für die Sanierung ins Rollen bringen. Gleichzeitig sollten die Stockheimer informiert werden und der Dorferneuerungsprozess angeschoben werden. Doris Hofer forderte zudem ein Entwicklungskonzept für alle Ortsteile. Bürgermeister Paul Gruschka widersprach beiden Forderungen, es sei doch nur um die Information gegangen, das Thema sei „zu komplex für einen Beschluss heute Abend“. Allein die fehlende Frage der Finanzierung mache einen Beschluss unmöglich, so der Rathauschef. Dem widersprachen aber nicht nur Welzel und Hofer und machten auf die Anträge aufmerksam, die sehr wohl einen Beschluss forderten als auch das Thema Finanzierung beinhalteten. Mit einem Antrag zur Geschäftsordnung brachte Wolfgang Hützler (Freie Wähler) das Gremium dazu, über einen Beschluss abzustimmen, mit 18 zu fünf Stimmen votierten die Räte für diesen. So stimmten die Räte dann, gegen die Stimme Gruschkas und zweier weiterer Stadträte, für den Antrag Welzels.

Mehr Wartezeit unzumutbar

So beauftragt der Stadtrat die Verwaltung, die weiteren Schritte zum Anstoß eines Dorferneuerungsprozesses, zunächst beginnend mit Stockheim, in die Wege zu leiten. Hierzu solle es auch eine gesonderte Informationsveranstaltung für die Stockheimer Bürger geben, forderte Welzel. Damit eine bestmögliche Förderung des Dorfgemeinschaftshauses „Rössle“ in Schlingen erreicht werde, wird die Verwaltung beauftragt, möglichst zeitnah die Gebäudeplanungen nebst deren Fördermittelbeantragung in die Wege zu leiten. Über die Forderung von Doris Hofer wird in einer der nächsten Sitzungen beraten. Mehrfach hatte Welzel betont, dass den Schlingener Bürgern ein weiteres Warten nicht zumutbar gewesen wäre – insbesondere nach den Vorleistungen und nachdem die Stadtverwaltung schon seit dem Frühjahr 2018 die Planung weiterer Schritte hätte angehen können.

Oliver Sommer

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