Fachreferentin Dr. Christine Margraf auf Einladung der Wertachfreunde in Türkheim

„Patientin“ Wertach

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Ortsbesichtigung Waltermühle: (v.l.) Dr. Christine Margraf mit den Wertachfreunden Leo Rasch, Bernd Schweisser und Manfred Harzenetter.

Türkheim – Auf Einladung der Wertachfreunde Unterallgäu kam die Fachreferentin für Wasser des BUND Naturschutz, Dr. Christine Margraf, kürzlich nach Türkheim. Im Rahmen einer Besichtigung des Walterwehrs wurden dazu vor Ort die dringlichsten Probleme der Wertach besprochen.

Eine bessere Anbindung der Auwälder an den Fluss, die Schaffung von Übergangsbereichen am Ufer und weitgehende Beseitigung der Versteinung, aber auch das Herstellen der biologischen Durchgängigkeit auch ohne dem geplanten Wasserkraftwerk – das alles stand auf der Agenda. Die Wertachfreunde schlagen hier ein möglichst naturnahes Umgehungsgewässer vor. Ein Fischlift ist nur eine Notlösung, falls alle anderen Lösungen scheitern, heißt es dazu aus den Reihen der Wertachfreunde (der Wochen KURIER berichtete). Auch die hohe Bedeutung der Kiesbank in der Wertach unterhalb des Wehres wurde von den Wertachfreunden erörtert, ist sie – in ihren Augen – sowohl für Fische als auch für die Anwohner unersetzbar. Gut besucht war denn auch der Vortrag „Lebensadern Flüsse und Auen aus Sicht des Naturschutzes“, den Christine Margraf am Abend referierte. Mehrmals ging sie darin auf die Wertach ein. Der Ausbau der kleinen Wasserkraft sei für das Gelingen der Energiewende nicht nötig, sagte sie dabei. „Vorrang an ökologisch so stark beeinträchtigen Flüssen wie der Wertach muss die weitest mögliche Renaturierung haben“, erklärte sie. „Jede energetische Nutzung fixiert technische Verbauungen. Ökologischer Stand der Technik ist aber heute der Umbau von Abstürzen in sogenannte Raue Rampen, die für Fische und Geschiebe in beide Richtungen durchgängig sind. In Verbindung mit einer besseren Anbindung des umgebenden Auwaldes an die Wertach könnte hier die Situation für die Tier- und Pflanzenwelt deutlich verbessert werden. Auch die Anwohner würden von einer naturnäheren Wertach profitieren.“ Christine Margraf verweist dabei auf das Projekt „Wertach vital“ im angrenzenden Landkreis Augsburg und auf die „geplanten Maßnahmen“ des Wasserwirtschaftssamtes zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Wichtig wäre aus ihrer Sicht, dass die ökologisch anspruchsvollen Maßnahmen aus dem Gewässerentwicklungskonzept zeitnah umgesetzt werden. Auch für den Langweidbach sollten Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung ergriffen werden. 

Im Rahmen des Vortrags sprach sie ein weiteres grundsätzliches Problem an: Durch die vielen Querbauwerke und Speicher im Oberlauf der Alpenflüsse kommt seit vielen Jahrzehnten kein „Geschiebe“, also Geröll aus den Alpen, mehr durch. In Verbindung mit der Einengung auf ein schmales Flussbett können die Flüsse ihre Kraft nur noch in die Tiefe lenken und haben sich daher massiv eingetieft – mit weitreichenden ökologisch katastrophalen Folgen. Daher ist – nicht nur – für die Wertach wichtig, mehr Kies zu bekommen, mittelfristig aus dem Oberlauf durch Herstellung der Durchgängigkeit von Querbauwerken und Stauseen und kurzfristig durch ein entsprechendes Geschiebemanagement. 

von wk

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