1. kurierverlag-de
  2. Mindelheim

„Der Toni“ – mehr als nur ein Maskottchen

Erstellt:

Von: Melanie Springer-Restle

Kommentare

Das 1981 zugelassene Löschfahrzeug der Türkheimer Feuerwehr hatte 2009 eigentlich ausgedient. Doch ein paar wehmütige Tüftler verwandelten den Hauer in einen Versorgungs-Lkw.
Das 1981 zugelassene Löschfahrzeug der Türkheimer Feuerwehr hatte 2009 eigentlich ausgedient. Doch ein paar wehmütige Tüftler verwandelten den Hauer in einen Versorgungs-Lkw. © Springer-Restle

Türkheim – Ältere Arbeitnehmer erfreuen sich am Arbeitsmarkt immer größerer Beliebtheit und können eine wertvolle Ressource für Unternehmen sein. Da schaut der Personalchef auch gern mal über das Alter hinweg. Ähnlich ist es bei „Toni“: Eigentlich hätte er vor zehn Jahren ausrangiert werden sollen, doch die Freiwillige Feuerwehr in Türkheim hing an dem charmanten Tanklöschfahrzeug und ließ sich etwas Besonderes einfallen.

Gerätewart Michael Zacher erinnert sich noch genau an das Jahr 2009, als das Löschfahrzeug TLF 16/25 des Baujahrs 1981 in den Ruhestand geschickt werden sollte. Der alte Aufbau war in die Jahre gekommen und entsprach nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Gerät. Deshalb wollte der Marktgemeinderat den „Hauber“ im Internet zum Verkauf anbieten. Doch irgendwie ließ das Michael Zacher und dessen Kollegen Markus Schöffel, ebenfalls Gerätewart und zudem Feuerwehrreferent des Gemeinderats Türkheim, keine Ruhe, denn die Karosserie war noch pfenniggut.

Auch andere Kollegen hegten nostalgische Gefühle für das Fahrzeug, wie etwa Hubert Schäffler. Er ist, genau wie Schöffel, bei der Firma Toni Maurer im Fahrzeugbau tätig. So entstand die Idee, das bestehende Fahrgestell mit Staffelkabine einfach zu behalten und einen neuen, zeitgemäßen Aufbau zu konstruieren. Was wie ein Hexenwerk klingt, war auch eins. Aber zum Glück gab es nicht nur viele handwerklich begabte Feuerwehrkollegen, sondern auch den Maurer Toni – den Türkheimer Spezialfahrzeughersteller und MAN-Servicepartner. Das familiengeführte Unternehmen ist weltweit bekannt für komplexe Umbauten und die Sonderanfertigung von Nutzfahrzeugen jeglicher Art. Der Slogan „Wir fangen da an, wo andere aufhören“ traf 1:1 auf die Umbau-Idee des Löschfahrzeuges zu. Als die Feuerwehrler Toni Maurer von der Idee des Umbaus erzählten, war er sofort Feuer und Flamme und versprach, die Kollegen bei dem Umbau zu unterstützen.

Vom Löschfahrzeug zum Versorgungs-LKW

Nach Maurers Zugeständnis stellte die Feuerwehr einen Antrag beim Gemeinderat, vom Verkauf des Tanklöschfahrzeuges abzusehen und den Feuerwehrlern zu gestatten, das Auto in Eigenleistung umzubauen. Seinerzeit stand ohnehin eine Umstrukturierung der Wehr an, denn in puncto Logistik wollte man flexibler werden. Um nicht ständig alle benötigten Einsatzmittel auf den vorhandenen Fahrzeugen verlasten zu müssen, hatten sich bereits verschiedene Feuerwehren im Unterallgäu zu einer umfangreichen Lagerlogistik entschlossen. Dieser folgend können Materialien beispielsweise bedarfsgerecht geholt und die Verschmutzung von Einsatzfahrzeugen minimiert werden. Auch weil das umgebaute Lösch­fahrzeug gut in das neue Logistik-Konzept passte, gab der Türk­heimer Gemeinderat grünes Licht zum Umbau.

Fortan verbrachte so mancher Kamerad nahezu jedes Wochenende in der Werkstatt von Toni Maurer, die der Tüftler unentgeltlich zur Verfügung stellte. Circa anderthalb Jahre lang werkelten die ehrenamtlichen Helfer rum und wurden dabei engmaschig von Toni Maurer begleitet.

Dann führte die Firma Dachser eine Achsverwiegung des Fahrgestells durch. Danach kam das Fahrzeug erstmal unter die Dusche und wurde bei der Firma Maurer bis in die kleinste Ritze gewaschen; alle nicht mehr benötigten Teile wurden entfernt.

Von einem verunfallten Post-LKW kaufte die Feuerwehr die Ladebordwand für die Rückseite des geplanten des Aufbaus. Der Fahrgestellrahmen wurde um 1.000 Millimeter verlängert, die Hinterachse um 800 Millimeter zurückgesetzt sowie die Aufnahme für das nun erforderliche Zwischenlager der Kardanwelle zur Hinterachse hergestellt. Die Helfer fertigten einen Hilfsrahmen an und schnitten Teile für den Aufbau zu, passten Aufbaurahmen und Zwischenstreben an und hefteten diese. Auch der Kühler wurde instandgesetzt. Nach unzähligen weiteren Zwischenschritten wurde der Aufbau lackiert und final auf dem Fahrgestell montiert.

Alte Liebe rostet nicht? Manchmal leider schon

Auch die Roststellen am Fahrerhaus und dem vorderen Radlauf besserten die Kameraden aus. Zudem wurde ein gebrauchtes Martinshorn beschafft, die Elektrik auf Vordermann gebracht, Luftsitze montiert, das Heck beklebt, die Funktechnik instandgesetzt und eine Rückfahrkamera gab es auch noch on Top, um nur die wichtigsten Stationen herauszugreifen. Mitte November 2011 fertigte der TÜV ein Gutachten zur Erlangung der Betriebserlaubnis an und die Hauptuntersuchung wurde ohne Bedenken durchgeführt. Das Fahrzeug erhielt den Funknamen „Florian Türkheim 81/1“.

Am 4. Mai 2012 war es dann so weit: Die Neuzulassung erfolgte und das transformierte Löschfahrzeug wurde im Rahmen eines Festaktes eingeweiht und in den Dienst genommen. Das Datum war kein Zufall, denn der 4. Mai ist der Florianitag – der Gedenktag des Heiligen Florian, dem Schutzpatron der Feuerwehr. Für die Kameraden stand fest, dass das umgebaute Feuerwehrauto einen Namen brauchte. Fest stand auch, nach wem es benannt werden sollte: nach dem Mann, der den Umbau ermöglichte, Toni Maurer. Michael Zacher blickt den „roten Oldie“ liebevoll an und sagt abschließend: „Der Toni ist wie der Maurer Toni selbst. Er hat ein gewisses Alter, ist aber auf dem neuesten Stand und man kann ihn zu allem gebrauchen.“ Tonis große Stärke: Er ist extrem flexibel. Die Beladung, die auf Rollcontainern, Gitterboxen und Paletten verlastet ist, kann entsprechend der Situation schnell geändert werden. Er bietet Platz für einen Maschinisten und fünf Einsatzkräfte.

Erst kürzlich war der „Toni“ bei einem Großeinsatz auf der A96 unterwegs, als ein Sattelzug nahe Wiedergeltingen in einen LKW-Anhänger rauschte. (Der Wochen KURIER berichtete). Toni war bei den Bergungsmaßnahmen dabei, fuhr zwischendurch mal nach Buchloe, um Ölbindemittel zu holen, denn aus dem LKW waren 400 Liter Diesel ausgelaufen. Toni und die Kameraden werden wohl noch einige Einsätze zusammen meistern – bis dass der TÜV sie eines Tages scheidet.

Auch interessant

Kommentare