Gelebte Toleranz und gegenseitige Akzeptanz

„Eine-Welt-Kita: fair und global“: Mindelheimer Kita ist zertifiziert

St Stephan Mindelheim Kita Zertifizierung
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Sie durften sich zuletzt über eine besondere Zertifizierung freuen (v. links): Caren Rehm (Koordinierung und Fortbildung Eine-Welt-Netzwerkstelle Bayern); Heide Hoffmann (Rehms Nachfolgerin); Susanne Pech (Leiterin der St. Stephan Kindertagesstätte) und Elisabeth Rothen (Mitarbeiterin in St. Stephan).
  • Jessica Socher
    VonJessica Socher
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Mindelheim – Die Katholische Kindertagesstätte St. Stephan darf sich nun als „Eine-Welt-Kita: fair und global“ bezeichnen. Sie ist damit der erste Kindergarten in Mindelheim mit dieser Zertifizierung. Wie der „Eine-Welt“-Gedanke in der Kita gelebt wird, hat der Wochen KURIER im Gespräch mit Leiterin Susanne Pech erfahren. 

Das Projekt „Eine-Welt-Kita: fair und global“ hat sich zum Ziel gesetzt, Eine-Welt-Themen und damit globales und interkulturelles Lernen als Bildungskonzept in bayerischen Kindertagesstätten stärker zu verankern. Diesem Weg folgt auch die Katholische Kindertagesstätte St. Stephan in, die im Mai zertifiziert wurde. „Ich denke, alle Einrichtungen in Mindelheim machen dazu ganz viel, aber wir stehen auch dahinter“, sagt Susanne Pech. Ende Juni fand nachträglich eine Zertifizierungsfeier mit geladenen Gästen wie Landrat Alex Eder, dem Eine-Welt-Kreis und der Kirchenverwaltung statt.

Bereits vor drei Jahren war die Leiterin des Kindergartens auf das Projekt gestoßen. Der Weg zur Zertifizierung bereitete eigentlich nicht viel Arbeit, denn bis aufs Dokumentieren war es Alltag im Kindergarten. Für alle Mitarbeiter und Kinder war es dennoch eine lehrreiche und bereichernde Zeit, wie die Kita erklärt. „Man muss das ganze Jahr über die Themen einbeziehen und umsetzen“, sagt Pech. So sind Nachhaltigkeitserziehung, Bildungsarbeit für Frieden und Konfliktprävention, sowie interkulturelle und interreligiöse Erziehung in der Konzeption verbindlich vorgeschrieben und gelten als Orientierung für die pädagogische Arbeit.

Auch die Lern-, Bildungs- und Spielmaterialien spiegeln den „Eine-Welt-Gedanken“ wider. Die Kita setzt bei den Spielsachen vor allem auf das Material Holz. Die Verwendung von fair gehandelten und regionalen Produkten ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt. „Wir versuchen, den Eine-Welt-Gedanken in jedem Thema einzubringen – immer und immer wieder“, erzählt die Leiterin. So ist das Thema immer wieder im Alltag präsent: Beispielweise bei der verpackungsfreien Brotzeit oder der gesunden Ernährung. So sei die Leiterin auch stolz darauf, als einziger Kindergarten in Mindelheim eine eigene Köchin im Haus zu haben.

Offenheit und Toleranz als Selbstverständlichkeit

Durch das Projekt soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Globalisierung viele Chancen, aber auch große Herausforderungen mit sich bringt – vor allem, wenn sie nachhaltig gestaltet werden soll. So treffen auch in der Kita St. Stephan Kinder aus den verschiedensten Nationen und mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen aufeinander. Damit lernen die Kleinen ganz selbstverständlich verschieden Kulturen und Glaubensrichtungen kennen, verstehen und wertschätzen. Der St. Stephan Kindertagesstätte sei es gerade in der heutigen Gesellschaft wichtig, Werte wie gegenseitige Akzeptanz, Toleranz, Offenheit und Rücksichtnahme zu vermitteln, heißt es. Die Kinder sollen die Werte positiv erleben und sie als selbstverständlich verstehen. Ebenso wichtig wie ein positives Menschenbild ist das Bewusstsein, die Erde für zukünftige Generationen zu erhalten. Auch hier lernen die Kinder, wie sie oft bereits durch Kleinigkeiten zum Umweltschutz beitragen und Nachhaltigkeit fördern können.

„Aus diesem Bewusstsein heraus, liegt uns die Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern des Eine-Welt-Projekts sehr am Herzen“, schreibt der Kindergarten in einer Pressemitteilung. So habe sich die Kita bereits an den unterschiedlichsten Aktionen beteiligt wie „Meins wird deins“ (eine Initiative von Aktion Hoffnung und dem Kindermissionswerk „Die Sternsinger“), bei der es darum geht, zu lernen, wie St. Martin zu teilen. Oder bei der Mitmachaktion „Weihnachten weltweit“ (von Hilfswerke Adveniat, Brot für die Welt, MISEREOR und „Die Sternsinger“), die im Advent stattfindet, und den Kindern den praktischen Zugang zum Fairen Handel eröffnet.

Im letzten Projekt „Alles Müll, oder was?“, das zwei Monate lang gelehrt wurde, entwickelten sich die Kinder zu Müllexperten, die nun wissen, wie Müll getrennt, verwertet, recycelt und am besten sogar vermieden werden kann. Corona­bedingt wurden einzelne Themen mit vorbereitetem Material aus dem Kindergarten mit Hilfe der Eltern auch zuhause erarbeitet. So konnten die Kinder, die bei der Notbetreuung nicht dabei waren, freitags eine Tasche mit Bastelzeug und Geschichten zum Thema Mülltrennung und -vermeidung abholen und mittwochs zurückbringen. „Mit dem Lockdown war es schwierig, am Ball zu bleiben, aber ich glaube, es ist uns ganz gut gelungen“, meint Susanne Pech. So wurden zum Beispiel auch Spiele gebastelt zum richtigen Einsortieren von Müll und eine spezielle Form von „Mensch ärgere dich nicht“.

Das Projekt sei aber noch nicht abgeschlossen, sondern bleibt in der pädagogischen Arbeit verankert. „Es ist eine super Sache und wichtig, die Themen schon bei den Kleinsten zu verankern“, sagt Pech. „Wir sehen es als unsere Aufgabe, den Kindern die Basis beizubringen.“ Das tägliche Lernen bleibt für die Kleinen und Großen somit auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Kindergartenalltags. Bei allem Enthusiasmus wolle man den Kindern aber dennoch nur „eine gute Basis an die Hand geben“ und nicht die Eltern belehren. „Wenn eine Mutter beim Einkaufen im Hinterkopf hat, regionale Produkte zu kaufen, dann ist auch schon mal viel geholfen“, sagt Pech. Damit will der Kindergarten zeigen: „Es geht so, aber auch anders“ – frei nach dem Motto: „Man kann die Welt nicht verändern, aber kleine Schritte darauf zu machen“.

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