Für den Fall der Fälle

Einkaufen in Zeiten von Corona: Über Sicherheitsmaßnahmen und Dauerbrenner

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Kurz vor den Osterfeiertagen dürfte es wieder voll in den Supermärkten werden. Doch auch da ist es wichtig, den Mindestabstand einzuhalten.

Bad Wörishofen – Muss man beim Einkaufen Angst haben, sich mit Covid-19 zu infizieren? Muss man befürchten, nicht mehr das gewünschte Produkt zu bekommen? Auf welche Lebensmittel haben es die Kunden besonders abgesehen? Der Wochen KURIER hat sich am Beispiel des V-Marktes selbst davon ein Bild gemacht. Zudem beantwortet Martin Glöckner, Pressesprecher des V-Marktes, die wichtigsten Fragen.

Das Einkaufen in der heutigen Zeit ist anders. Für viele ist es ein beklemmendes Gefühl, in einer Schlange an der Kasse anzustehen. Man geht vorsichtig durch die Regalreihen, in der Hoffnung, niemanden dort anzutreffen, den man notfalls auch noch überholen müsste und somit den Sicherheitsabstand nicht mehr einhalten könnte. Manche Regalfächer sind leer. „Ware momentan nicht lieferbar“, steht auf einem Schild, das auf einem Regalboden liegt, auf dem sich eigentlich Konserven mit passierten Tomaten stapeln sollten. Doch nicht nur die sind vergriffen, sondern auch der Turm aus Klopapier ist niedriger als sonst. Immerhin gibt es noch welches. Vor drei Wochen war das noch keine Selbstverständlichkeit sondern eher ein Glücksfall. Wenn man da eine Packung Klopapier erbeutet hat, weil daheim einfach keines mehr vorrätig gewesen wäre, hätte man sich wohl direkt beschämt gefühlt. Nicht jeder geht hamstern, nur sieht es manchmal einfach danach aus. Doch Mütter machen weiter ihren Wocheneinkauf für die Familie, Singles legen sich weiter ihre wohldosierten Vorräte an, um nicht jeden Tag einkaufen gehen zu müssen. Manche aber kauften auch über ihren normalen Bedarf hinaus. So trat jemand vor drei Wochen noch aus dem Supermarkt, der acht Klopapierpackungen auf den Armen trug. Ein anderer hatte drei Acht-Liter-Kanister Wasser im Einkaufswagen. Da war selbst die Kassiererin verblüfft.

Zettel zieren leere Regale

Die Nudelregale sind mittlerweile wieder gut gefüllt, ebenso die Dosenabteilung und die Reisvorräte. Auch haltbare Milch gibt es wieder. Beim V-Markt sei die Sicherstellung der Warenverfügbarkeit die größte Herausforderung, so Martin Glöckner. „Alle arbeiten am Limit, deshalb klappt es bisher recht gut.“ Zwar könne punktuell auch mal ein Produkt vergriffen sein, doch gebe es bei einer Größe wie der des V-Marktes auch meistens alternative Produkte. Spätestens mit der übernächsten Warenlieferung seien die Lücken wieder gefüllt. Nur die Regale für Desinfektionsmittel bleiben weiterhin verwaist, denn so schnell kommt keine neue Ware nach. „Desinfektionsmittel jeglicher Art ist ausverkauft!!!“, steht auf einem Blatt Papier, das am Regal hängt. Direkt daneben hängt gleich ein weiterer Zettel – nur für den Fall der Fälle, wenn mal wieder welches da wäre: „Liebe Kundin, lieber Kunde, aufgrund der hohen Nachfrage und Lieferengpässen können wir von diversen Desinfektionsmitteln nur eingeschränkte Mengen (maximal zwei Packungen) abgeben.“

Gefragt seien Produkte, die das ganze Warensortiment betreffen, berichtet der Pressesprecher. Vor allem haltbare Lebensmittel von Mehl über Nudeln bis hin zu Konserven landen häufig in den Einkaufswagen. Dauerbrenner seien aber nach wie vor Drogerieartikel wie Toilettenpapier, Küchenrollen und neuerdings auch Hefe. Mittlerweile ist auch dort ein Hinweisschild angebracht, dass man nur maximal zwei Hefestücke pro Haushalt mitnehmen darf. Wer beim Einkaufen so wenigen Menschen wie möglich begegnen will, dem ist aktuell laut V-Markt geraten, in der letzten Stunde vor Ladenschluss zu gehen.

Im Vergleich zu vor drei Wochen haben die Hamsterkäufe abgenommen, die Sicherheitsvorkehrungen aber zugenommen. Beim Metzger bilden sich lange Reihen. Die Verkäufer bedienen den Kunden hinter einer Plexiglasscheibe. Ein Schild weist darauf hin, dass man sich nicht über die Theke lehnen soll. Plexiglasscheiben als Spuck- und Niesschutz sind auch bei den Kassen angebracht. Wechselgeld wird nur noch in einer lila Plastikschale ausgegeben, um Berührungen zu vermeiden. Daher ist Kartenzahlung gewünscht. Die Kunden würden Verständnis für die aktuelle Situation zeigen. Glöckner hört, dass Kunden die Mitarbeiter ermuntern und deren Organisation loben. „Selbst Einschnitte wie die Schließung der Sitzplätze im Brot­haus-Imbiss letzte Woche wurden akzeptiert“, sagt Glöckner.

Durch die Hamsterkäufe profitiert der V-Markt und vermeldet einen gestiegenen Umsatz. „Die Situation ist vergleichbar mit den typischen Tagen vor den Feiertagen. Seit der Ausgangseinschränkung normalisiert sich die Lage etwas“, sagt Glöckner. Mehr Umsatz heißt aber auch, dass die Mitarbeiter mehr schuften müssen. Die Arbeitszeiten seien länger als normal, aber sprengen nicht den gesetzlichen Rahmen. „Alle halten zusammen und helfen untereinander – ein Vorteil eines gelebten Familienunternehmens.“ Sonntags hat der V-Markt deswegen weiterhin geschlossen, denn die Mitarbeiter durchleben gerade anstrengende Tage und Wochen, weswegen sie auch einen Ruhetag verdient hätten, so Glöckner.

Einkaufswagenpflicht

Über Durchsagen, Bildschirme und Plakate wird auf den Sicherheitsabstand hingewiesen. Bodenmarkierungen unterstützen die Einhaltung der Abstandsregelung, erklärt Glöckner. Im Eingangsbereich finden Kunden Hygienestationen zur Handdesinfektion. So gewährt der Markt ein sicheres Einkaufen. Natürlich gebe es auch weiterhin Ängste und Sorgen, auf die man entsprechend reagieren müsste. Eine Beschränkung der Anzahl der Kunden, die sich im Verkaufsraum aufhalten dürfen, hält Glöckner nicht für notwendig, da die Gänge zwischen den Regalreihen breit genug wären und die Verkaufsfläche allgemein groß sei. Glöckner appelliert an die Kunden, durch entsprechende Rücksichtmaßnahme untereinander die Mindestabstände einzuhalten. Die Pflicht, einen Einkaufswagen vor sich herzuschieben, kommt der Einhaltung des Mindestabstandes entgegen. 

Julia Böcken

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