Wenn das Radfahren zum Hindernisparcours wird

Energieteam bemängelt 46 Gefahrenstellen für Radfahrer in Mindelheim

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Der Fahrradweg auf der Krumbacher Straße ist zu schmal und soll verbreitert werden.

Mindelheim – 46 Gefahrenstellen hat das Energieteam für Radfahrer in Mindelheim ausgemacht, die für Radfahrer böse enden könnten. Der Arbeitskreis sieht sich nicht als Expertenteam, sondern besteht aus aktiven Fahrradfahrern, die nur Vorschläge machen, die letzten Endes noch vom Stadtrat abgesegnet werden müssen. Damit die Stadt den Titel einer fahrradfreundlichen Kommune erhält, müssen innerhalb von vier Jahren die erforderlichen Maßnahmen umgesetzt werden. Dazu kommen demnächst drei Experten von der AGFK (Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen), vom Staatsministerium für Wohnen, Bauen und Verkehr und vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) Landesverband, um sich vor Ort die kritischen Bereiche anzuschauen.

An sich stehe die Stadt schon sehr gut dar, informierte Simone Kühn, Klimaschutzmanagerin der Stadt Mindelheim, das Energieteam. Vor allem der Mindelheimer Norden weise eine gute übereinstimmende Verbindung zwischen Fuß-, Fahrrad- und Autoverkehr auf. Auch der Radwegeausbau in Neubaugebieten sei lobenswert. Mindelheim profitiere von seiner guten Lage. „Hier ist alles flach und gut zu erreichen mit dem Fahrrad“, so Kühn.

Problem mit Gelben Tonnen

Ein großes Problem seien die Gelben Tonnen, die die Radwege zustellen. Besonders gut sehe man das auf der Bad Wörishofer Straße. Für Radfahrer ist das ein Hindernisparcours. Ausweichen ist auch keine echte Alternative, denn die Radwege seien zu ­schmal und zu uneben. „Das kann ich nur unterstreichen“, bestätigte auch Dritter Bürgermeister Roland Ahne. Horst Groschel, seit Anfang an beim Energieteam ehrenamtlich dabei, sieht nicht nur das Problem bei den Gelben Tonnen: „Die Hecke nimmt die Hälfte des Fußweges weg, die andere Hälfte die Gelbe Tonne.“ Mit einem Kinderwagen könne man auch nicht gut ausweichen. Groschel wünscht sich, dass die Stadt gegen die Anwohner strenger vorgehen soll, damit diese ihre Hecken auch wirklich zurückschneiden. Für ihn genüge ein einfaches Schreiben der Stadt nicht.

Es komme regelmäßig zu Konflikten wegen der zu schmalen Radwege, weiß Kühn. Ahne sieht das genauso, aber die Bürger seien schlichtweg nicht bereit, ihren Grund für breitere Radwege aufzugeben. Dieses Problem treffe vor allem in der Krumbacher Straße zu. Hier sollen die Radschutzstreifen verbreitert werden.

Für Sebastian Rothe sei es wünschenswert, wenn es eine bessere optische Trennung zwischen Rad- und Fußweg gebe. „Mit einem Kübel Farbe und Piktogrammen“ wäre schon viel getan, sagte Kühn. „Wir brauchen aber dafür bei beidem einen Mindestbereich“, warf Mehmet Yesil (SPD) ein und zweifelte daran, dass dieser beim Fuß- und Radweg auf der Bad Wörishofer Straße gegeben sei.

„Schwärme von Radfahrern fahren auf der Hermelestraße“, führte Kühn weiter aus. „Es gibt zwar die Chaostheorie, die besagt, je mehr Fahrräder fahren desto mehr passen Autofahrer auf, aber ich als Mutter würde mein Kind nicht auf der Hermelestraße fahren lassen. Ich vertraue der Chaostheorie nicht.“ Ihr Vorschlag wäre, eine Umleitung für die Schüler einzurichten, die über die Luxenhoferstraße führen soll. „Im Prinzip soll man von Dirlewang bis in den Norden von Mindelheim fahren können, ohne durch die Innenstadt zu müssen“, sagte Kühn. Auch Barbara Fischer, Lehrerin der Maria-Ward-Realschule, bestätigte: „Ich fahre die Strecke jeden Tag mehrmals und da herrscht jedes Mal Chaos.“ Um die Überquerung der Memminger Straße zu lösen, peilt Kühn eine Unterführung für Fahrradfahrer an. „Wir müssen über den Rand schauen und nach Lösungen suchen.“ Ahne will die Schüler aus dem direkten Verkehrsfluss raus haben. Dafür müsse man aber auch ein paar Euro in die Hand nehmen, „wenn wir in zehn Jahren hier sitzen wollen und sagen können, wir kommen schnell von A nach B“, so Kühn.

Gefährlich wird es auch bei der Bäckerei Mandl, da dort häufig Autos den Radweg überqueren oder auf diesem parken. Dort fordert das Energieteam, den Abschnitt des Fahrradweges komplett rot zu markieren.

Die Kreuzung Landsberger Straße / Zeppelinweg sei eine Problemzone, weil der Zweirichtungs-Radweg entlang der Landsberger Straße den Zeppelinweg überquert. Autofahrer, die in den Zeppelinweg müssen, übersehen die Radfahrer leicht. „Das ist unglücklich gelöst“, meinte Kühn. Eine Ampelanlage, sicherere Überquerungen und ein Stopschild für Radfahrer wäre hier vom Vorteil.

„Jede Menge Geisterfahrer“ gebe es auch auf der Allgäuer Straße, weiß Groschel. „Man kann nicht hinter jeden Fahrradfahrer einen Polizisten stellen.“ Ein Hinweis auf die Fahrt­richtung wie in Memmingen wäre hier hilfreich. Auch einen zweiten Fahrradweg in die entgegengesetzte Richtung könne sich Josef Doll (Grüne) vorstellen. Zudem schalten die Ampeln bei der Ost-West-Querung an der BayWa- und Jäckle-Kreuzung nur mit, wenn man drückt. „Manchmal wartest du da zwei Ampelphasen“, weiß Kühn aus eigener Erfahrung. Hier müssten die Ampeln für die Radler direkt mitschalten, ohne vorher drücken zu müssen.

Ein weiterer Kritikpunkt sind offenkundig die schlechten Beschilderungen von Radwegen. „Ich bin dreimal durch Westernach durchgefahren und habe dann erst das gute Schild entdeckt“, berichtete Karl Geller, Berufsschullehrer für Fahrzeugtechnik in Mindelheim.

Die nächsten Schritte

„Wir müssen peu à peu regelmäßig Mittel im Stadtrat bereitstellen, um die Radwege weiter auszubauen“, sagte die Klimaschutzmanagerin. Das Energieteam hat nun über den Maßnahmenkatalog abgestimmt. Jetzt könne man weitergehen und das Bauamt und die Polizei mit ins Boot holen. Kurzfristig müssen Markierungen und Beschilderungen angebracht werden, bevor es dann langfristig zu Baumaßnahmen kommen wird.

Nun ist es an der Zeit, einen Radfahrbeauftragten zu suchen. Es wäre sinnvoll, wenn das ein Mindelheimer sei, merkte Kühn an. Der ADFC helfe bei der Suche nach einem Ehrenamtlichen und schreibt Mitglieder im Unterallgäu an. „Vielleicht ergibt sich was draus“, hofft Kühn. „Wir sind auf einem guten Weg. Die Vorarbeit ist gemacht“, lobte Ahne das Energieteam. Nun hat es vier Jahre Zeit, die Vorschläge und Maßnahmen in die Tat umzusetzen.

Julia Böcken

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